Bundestrainer Jakob Vestergaard sah einige gute Ansätze beim Turnier in Norwegen, aber auch die Arbeit, die noch vor seinem Team liegt. - Foto: Marco Wolf

21.03.2016 · Home, Nationalteams, Frauen Nationalteam · Von: BP

Starke Monz, Luft nach oben, neue Regeln - die Turnierbilanz der DHB-Frauen

Ein starkes Debüt im Tor, ein Sieg gegen den Olympia-Gastgeber und viele Erkenntnisse, auch was die neuen IHF-Regeln betrifft - so sieht die Bilanz der deutschen Handballerinnen nach ihrem dritten Platz beim Vier-Länderturnier in Norwegen aus. „Wir haben vieles ausprobiert, gerade beim Sieg gegen Brasilien Akzente gesetzt, wissen aber auch, dass wir bis Juni, wenn die EM-Qualifikation weitergeht, noch viel Luft nach oben haben“, fasste es Deutschlands Handballerin des Jahres, Anna Loerper, zusammen.

Die DHB-Auswahl hatte nach den Niederlagen gegen Gastgeber Norwegen (28:35) und den EM-Zweiten Spanien (24:25) zum Abschluss dank der besten Turnierleistung mit 24:18 gegen den Weltmeister von 2013 gewonnen. „Hätten wir eine solche Leistung in den ersten beiden Spielen abgeliefert, hätten wir das Turnier gewonnen“, lobte und tadelte Bundestrainer Jakob Vestergaard nach dem ersten Länderspielerfolg im Jahr 2016 gleichermaßen. Vor allem die Leistung am Samstag gegen Spanien stellte den Dänen nicht zufrieden: „Das hätten wir gewinnen müssen, wir haben viel zu viele Chancen liegengelassen. Aber auch durch dieses Spiel wissen, wir woran wir bis zu den EM-Qualifikationsspielen im Juni noch arbeiten müssen.“

Mit den Partien in St. Gallen gegen die Schweiz (1. Juni, 19.30 Uhr) sowie dem Heimspiel am 4./5. Juni gegen Island wird die Qualifikationsrunde zur EURO 2016 in Schweden abgeschlossen. Mit 4:4 Punkten ist Deutschland hinter Frankreich (8:0) und vor den beiden Gegnern (beide 2:6) derzeit Zweiter. Die ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe sowie der insgesamt bestplatzierte Dritte qualifizieren sich für die EURO in Schweden.

Auf dem Weg dorthin haben vor allem zwei neue Gesichter ihre Chance im norwegischen Langhus genutzt: die Dortmunder Außen Stella Kramer und Torfrau Anna Monz (HSG Blomberg-Lippe), die in Norwegen ihre ersten A-Länderspiele bestritt.

Nach der Absage von Clara Woltering und dem geplanten Verzicht von Katja Kramarczyk war die 26-Jährige, die 2008 Junioren-Weltmeisterin wurde, die Nummer 1, wurde zweimal zu Deutschlands bester Spielerin gewählt und hat ihre Chance beim Schopf gepackt: „Anna hat ein Super-Turnier gespielt, sie war auf jeden Fall eine der Gewinnerinnen“, sagte Vestergaard, und prophezeit: „Sie kann und wird eine starke Konkurrenz für unser reguläres Duo Woltering/Kramarczyk werden.“ Gleich in ihrem ersten Länderspiel gegen Norwegen gelang Monz sogar schon ein Treffer ins leere norwegische Tor.

Dien wichtigste Erkenntnis für Vestergaard ist allerdings, dass seine junge Mannschaft in Norwegen gegen drei Olympia-Teilnehmer viel Erfahrung gesammelt hat: „Manchmal sind wir positiv unbeschwert aufgetreten, manchmal hat uns die nötige Cleverness und Geduld gefehlt, daran werden wir nun weiter feilen“, meint der Däne.

Und der hatte sich und die Mannschaft gemeinsam mit Co-Trainer Jens Pfänder auf die neuen IHF-Regeln vorbereitet, die in Norwegen getestet wurden, weil sie bei den Olympischen Spielen im August schon zur Anwendung kommen. Siebter Feldspieler ohne Leibchen, drei Angriffe Pause nach Behandlung, sechs Pässe nach Zeitspiel-Anzeige, blaue Karte und 30-Sekunden-Regel - das sind die Eckpunkte der neuen Regeln.

Viel Neues erkannte Pfänder aber noch nicht in Norwegen. „Da es sich um Freundschaftsspiele handelte, gab es natürlich keine richtige Härte - die blaue Karte musste also nicht gezückt werden. Und es gab auch keine Behandlungen auf dem Feld, die die Drei-Angriffs-Regel nach sich gezogen hätte.“ Spannend können allerdings werden, wie sich die Neuregelung mit dem siebten Feldspieler entwickelt: „Wir haben es in der Schlussphase der Spiele angewendet, Norwegen gegen uns, als die Partie entschieden war und Spanien auch eher sporadisch“, berichtet Pfänder: „So richtig getraut hat sich keiner, die Trainer gingen eher defensiv mit den neuen Möglichkeiten um.“

Die DHB-Auswahl hat aber konsequent in Unterzahl eine zusätzliche Spielerin aufs Feld beordert - „aber das haben wir auch schon vorher gemacht“, sagt Pfänder. Seiner Meinung nach wird sich die Taktik bei der schnellen Mitte ändern, wenn der Gegner gerade den Wechsel vollzieht: „Da dann keine Torfrau im Tor ist, wird es viel mehr Versuche geben, direkt nach einem Gegentor einen Treffer zu erzielen. Zudem muss man die Torleute darauf drillen, den direkten Torerfolg zu suchen.“

Auch die neue Passiv-Regelung - die Angreifer dürfen noch sechs Pässe spielen, wenn der Schiedsrichter den Arm gehoben hat - kam laut Pfänder kaum zur Anwendung, aber: „Diese genaue Anweisung für Schiedsrichter wurde von allen positiv bewertet. Die ersten Ansätze waren da.“

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