Lang, lang ist´s her. Tomas Sklenak mit seiner Familie zu seiner Anfangszeit beim ThSV Eisenach. - Foto: T. Levknecht

24.06.2015 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel Ost · Von: t. levknecht

Wechsel nach Hüttenberg - Tomas Sklenak spricht über zehn prägende Jahre beim ThSV Eisenach

Zahlreiche Verabschiedungen gab es nach dem letzten Heimspiel des ThSV Eisenach. Die Regie sah als letztes die Verabschiedung von Tomas Sklenak vor, der 10 Jahre das Trikot des ThSV Eisenach trug. Keiner der 3.000 Zuschauer hatte vorzeitig die Halle verlassen, alle wollten ein letztes Mal „ihrem Turbo“, wie Tomas Sklenak aufgrund seiner Spielweise genannt wurde, zujubeln und danken. Minutenlange Ovationen beeindruckten sichtlich den 33-jährigen Tschechen, der ein drei-jähriges Vertragsangebot des in die 3. Liga abgestiegenen TV Hüttenberg unterzeichnete.

Sie sind vor zehn Jahren aus Ihrer tschechischen Heimat zum ThSV Eisenach gewechselt; im Nachhinein eine richtige Entscheidung?

Ich war zwei Jahre zuvor bei der MT Melsungen zum Probetraining, hatte aber seinerzeit noch nicht das Alter, um Tschechien als Leistungssportler verlassen zu dürfen. Dann kam zum richtigen Zeitpunkt das Angebot vom ThSV Eisenach, seinerzeit von meinem Landsmann Zdeno Vanek trainiert. Das war optimal.

Sie spielen auf allen drei Rückraumpositionen; auf welcher am liebsten?

Auf der mittleren Aufbauposition, von der ich alle Spielzüge einleiten Vorarbeit für meine Teamkollegen leisten kann. Natürlich suche ich auch den direkten Zweikampf, um den eigenen Torerfolg anzustreben oder einen Siebenmeter herauszuholen, doch letztendlich hat der mannschaftliche Erfolg oberste Priorität.

Mit wem spielten sie während Ihrer Zeit in Eisenach am liebsten zusammen?

Mit meinen Landsleuten, am Anfang mit Zbynek Vesely, mit dem ich schon in Tschechien in einem Verein spielte. Natürlich mit Radek Musil, ein guter Freund, mit dem ich jede Woche telefoniere. Da wäre natürlich auch Pavel Prokopec zu nennen. Ich hatte zu allen Mitspielern ein gutes Verhältnis, mit Girts Lilienfelds, Benne Trautvetter und Daniel Luther habe ich mich auf dem Parkett quasi „blind verstanden“. Die Chemie in der Mannschaft stimmte fast immer, es war ein gutes Miteinander.

Gab es besonders unangenehme Gegenspieler?

Ich hatte keine Probleme mit den Spielern auf der Gegenseite. Über die Jahre kannte man sich auch. Zudem standen in den Reihen der Konzrahenten auch Kollegen aus der Nationalmannschaft.

Zehn Jahre ThSV Eisenach, wenn Sie diese Revue passieren lassen, was waren Sternstunden, was weniger erfreuliche Momente?

Die schönsten Momente waren die Geburten meiner Töchter Charlotte und Victorie. In ihren Ausweisen wird Eisenach als Geburtsort stehen. Sportlich erfolgreiche Stunden waren die Qualifikation für die eingleisige 2. Handballbundesliga und natürlich der Aufstieg 2013 in die 1. Handballbundesliga mit einem Triumphzug zum Eisenacher Markplatz. Es war immer mein Wunsch, in der 1. Handballbundesliga zu spielen; dieser erfüllte sich mit der Saison 2012/2013. Bitter waren meine Verletzungen; Daumen, Finger, Daumen - und zwei Kreuzbandrisse. Letztere waren ein herber Schlag für mich. Auch für meinen neuen Verein ist das nicht erfreulich. Ich hoffe auf schnelle Genesung. Wenn alles gut geht, kann ich im Dezember wieder mittrainieren.

Sie absolvierten auch 65 Länderspiele für Tschechien, was waren da die Höhepunkte?

Da ist auf jeden Fall die EM 2010 in Österreich zu nennen. An der Seite von Filip Jicha lief ich zur Hochform auf, war wohl auch, weil aus der 2. Liga kommend, für die Kontrahenten eine Überraschung. Die Abwehrreihen konzentrierten sich auf Filip Jicha, dadurch hatte ich Freiräume.

Sie blieben bodenständig, zehn Jahre beim ThSV Eisenach. Es gab doch während dieser Zeit, insbesondere nach der gerade erwähnten EM, sicher Angebote anderer Vereine?

Angebote flatterten immer ins Haus, wenn ich fest unter Vertrag war. Nach der EM 2010 erreichte mich ein sehr gutes Angebot aus der 1. Handballbundesliga, doch ich war noch ein halbes Jahr vertraglich an den ThSV Eisenach gebunden. Und außerdem, der ThSV Eisenach unterbreitete mit stets das beste Angebot. Ich war immer damit zufrieden und entschied mich für den ThSV Eisenach. Zehn Jahre bei einem Traditionsverein wie dem ThSV Eisenach zu spielen, das ist doch eine gute Visitenkarte? Ich hoffe, beim ThSV Eisenach verläuft alles nach dem Personalwechsel wunschgemäß.

Aus Ihren Worten klingt es, Sie wären gern beim ThSV Eisenach geblieben?

Ich bekenne, ich erlebte zehn tolle Jahre in Eisenach. Auch wenn die Zeit schnelllebig ist, ich hätte liebend gern das Trikot des ThSV Eisenach weiter getragen. Doch die Entscheidungsfindung über eine Vertragsverlängerung zog sich hin. Da erreichte mich das Super-Angebot vom TV Hüttenberg. Ich wollte nicht länger warten. Ich muss an meine Familie, an meine Kinder denken; da habe ich in Hüttenberg zugesagt. Das war für uns alle eine schwere Entscheidung, doch sie war für unser weiteres Leben richtig. Der mittelhessische Verein steht voll hinter mir.

Empfinden Sie es nicht als „Degradierung“, vom einem Erstligaaufsteiger in die 3. Liga?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil! Eine überaus reizvolle Aufgabe! In einer überwiegend jungen Mannschaft soll ich eine Schlüsselrolle übernehmen. Trainer Adalsteinn Eyolfsson möchte, das ich Führungsspieler werden. Eine Verletzung hat mich zwar jetzt gestoppt, doch ich werde zeigen, was ein Tomas Sklenak noch drauf hat! Und, wir wollen schnell zurück in die 2. Bundesliga.

Werden Sie mit Ihrer Familie in Eisenach wohnen bleiben?

Wir beziehen Quartier in Hüttenberg. Ich brauche meine Familie, Frau und Kinder um mich. Großer Dank gebührt meiner Frau, die mir stets zur Seite steht. Mit meiner Verletzung bin ich ja nun ihr 3. Kind, das umsorgt werden muss. Sie muss den Haushalt allein bewältigen.

Sie sprachen Ihre Verletzung an. Gerade von einem Kreuzbandriss genesen und langsam zu alter Form finden, ereilte es Sie in der Schlussphase der Partie gegen den SC DHfK Leipzig Anfang April erneut: Kreuzbandriss.. Wie ist der Genesungsstand?

Der Genesungsprozess gestaltet sich positiv. Ich habe zwei planmäßige Operationen hinter mir, zunächst am Meniskus und dann am Kreuzband. Ich verspüre keine Schmerzen, kann inzwischen ohne Gehhilfen laufen. Derzeit arbeite ich intensiv in der Reha, auch während unseres vierwöchigen Familienurlaubes in der Heimat. Ich weiß ja aus jüngster Erfahrung, wie es geht…

Haben Sie sich schon Gedanken über das Leben nach Ihrer leistungssportlichen Kariere gemacht?

Um ehrlich zu sein, nein. Ich möchte noch einige Jahre Handball auf hohem Niveau spielen. Ich trete gerade einen neuen Drei-Jahres-Vertrag an. Vielleicht bietet sich an dessen Ende in Hüttenberg eine neue berufliche Perspektive. Ich habe erst einmal drei Jahre Zeit zum Überlegen.

Was möchten Sie Handball-Eisenach zum Abschied sagen?

Es waren tolle zehn Jahre, die ich nie vergessen werde. Ich habe gern für diesen Verein, für diese Fans gespielt! Der Abschied war hochgradig emotional, auch mit dem Spruchband in tschechischen Worten. Die Ära des Tomas Sklenak beim ThSV Eisenach ist vorbei. Ich habe viele Freunde gewonnen und hoffe, diese immer mal wieder zu treffen. Viele haben mit versprochen, zu meinem Comeback nach Hüttenberg zu kommen. Darauf freue ich mich schon jetzt.

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