Aaron Krai führte Berlin gegen stark kämpfende Württemberger ins Endspiel um den DHB-Länderpokal 2016. – Foto: Alter Keeper

18.12.2016 · Jugend · Von: Sven Noack

DHB-Länderpokal Tag drei – Sachsen-Anhalt und Berlin im Finale

Großer Kampf und starke Emotionen prägten den dritten Tag des Turniers um den Länderpokal des Deutschen Handballbundes am Samstag. Mit dem Beginn der Platzierungsrunde sorgten die Viertelfinal- und die anschließenden Halbfinalpartien für sportliche Highlights. Für das Finale am Sonntag haben sich der HV Sachsen-Anhalt und der HV Berlin qualifiziert. Während die Berliner aufgrund eines perfekten Starts gegen den HV Württemberg die Oberhand behielten, gelang Sachsen-Anhalt eine Aufholjagd mit einem Sieg in der Verlängerung gegen Schleswig-Holstein.

Halbfinale: HV Berlin - HV Württemberg 20:18 (13:7)

Mit einem Blitzstart beförderte sich der HV Berlin im Halbfinale gegen den HV Württemberg in eine ideale Position. Berlin zog durch eine gute Abwehrleistung und einen konzentrierten Angriff auf 6:1 nach neun Minuten davon, sodass die Württemberger früh zu einer Auszeit gezwungen waren. Daraufhin steigerte sich die Auswahlmannschaft aus dem Süden Deutschlands, die unter anderem durch zwei Siebenmeter von Axel Goller auf 7:6 verkürzte. Von der kurzen Schwächephase ließ sich Berlin allerdings nicht beeindrucken, ganz im Gegenteil. Die Hauptstädter zogen erneut das Tempo an und zogen in ähnlicher Manier wie zu Beginn des Spiels bis zur Halbzeit auf 13:7 davon.

Weshalb die Begegnung noch einmal spannend wurde, war anhand von zwei Faktoren zu erklären: Der HV Württemberg zeigte nach dem Seitenwechsel eine deutlich bessere Offensivleistung, wodurch die Berliner weniger Entlastungsangriffe bekamen. Vor allem ein gut aufgelegter Axel Goller, der mit elf Toren bester Werfer des Spiels war, überzeugte über die gesamte Spielzeit. Hinzu kam eine starke Leistung von Sebastian Rica-Kovac. Der Torhüter des HV Württemberg brachte die Berliner Offensive in der zweiten Halbzeit an den Rand der Verzweiflung, weil er unter anderem auch drei freie Würfe entschärfte. Plötzlich war Württemberg wieder im Spiel und glich nach 37 Minuten zum 15:15 aus. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass die vielen Spiele innerhalb weniger Tage ihre Spuren hinterließen. Dementsprechend konterten sie sich in der Folge immer wieder.

Somit blieb die Begegnung bis zum Ende spannend. Torhüter Sebastian Rica-Kovac  glänzte mit weiteren Paraden, doch auch das Berliner Gespann Jan Jochens und Tim Folgmann hatte seine starken Momente und ließ Württemberg nicht vorbeiziehen. Am Ende sollte sich Berlin knapp durchsetzen, weil Aaron Krai das Spiel in der Schlussphase mit viel Übersicht gestaltete. Hinzu kam eine gute Leistung von Loris Kotte, der mit insgesamt fünf Toren bester Werfer der Berliner war. Der Rechtsaußen führte mit seinem dritten erfolgreichen Siebenmeter zum 20:17  die Entscheidung herbei. Luis Kuhnle verkürzte noch einmal für Württemberg, doch Berlin spielte die Zeit kontrolliert herunter.

Berlins Trainer Bob Hanning lobte seine Mannschaft: „Auch wenn wir in dem Turnier bisher nicht alles richtig machen, habe ich riesigen Respekt vor der Willensstärke und der Bereitschaft  meines Teams. Wir sind immer wieder dabei, unsere Komfortzone aufs Neue zu verlassen.“ Erleichtert zeigte sich Linksaußen Torben Matzken, der drei Tore für Berlin erzielte: „Das Spiel war schon sehr anstrengend, vor allem weil wir vorher im Viertelfinale noch über die Verlängerung gehen mussten. Wir haben alles gegeben und jetzt bin ich froh, dass wir im Finale stehen.“

Trotz der Niederlage gegen Berlin sieht der HV Württemberg den Gesamtauftritt beim DHB-Länderpokal durchweg positiv. „Ich kann meiner Mannschaft nur ein Riesenkompliment dafür machen, wie sie sich hier geschlagen hat“, sagte Kreisläufer Julian Mühlhäuser. „Es war ein tolles Spiel, wir haben alles reingeworfen, aber am Ende hat es nicht gereicht.“ Eine letzte wichtige Aufgabe steht noch an, weiß auch Julian Mühlhäuser: „Wir haben morgen die Chance auf eine Medaille im Spiel um Platz drei. Jetzt müssen wir den Kopf wieder freibekommen und noch einmal alles geben.“

Halbfinale: HV Schleswig-Holstein - HV Sachsen-Anhalt  31:32 n.V. (29:28, 26:26, 17:10)

Eine grandiose Aufholjagd legte der HV Sachsen-Anhalt hin. Bis zur Halbzeitpause hatte der HV Schleswig-Holstein klar dominiert. Doch in den Schlussminuten der regulären Spielzeit kämpfte sich Sachsen-Anhalt immer mehr heran. Getragen von einem überragenden Yannick Dannenberg, der zwölf Tore erzielte, erzwang seine Mannschaft in der Schlussminute das 26:26, ehe die Partie in der Verlängerung endgültig kippte.

In der 15. Spielminute deutete nichts auf einen hochspannenden Halbfinal-Krimi hin, denn der HV Schleswig-Holstein kontrollierte das Spiel nach Belieben. Die 11:6-Führung durch den achtfachen Torschützen Juri Knorr war das Resultat einer starken Angriffsleistung. Beim HV Sachsen-Anhalt fehlte derweil die Konsequenz in der Abwehr gegen die vielseitige Offensive der Norddeutschen. In der Folge setzte sich Schleswig-Holstein auf 17:10 zur Pause ab. Nach dem Seitenwechsel deutete zunächst nichts auf eine Wende hin, nach 30 Spielminuten wurde die Führung auf 20:12 ausgebaut.

Doch der Ruck in der Mannschaft von Sachsen-Anhalt folgte, jetzt hatte Yannick Dannenberg seinen großen Auftritt. Der Rückraumlinke aus Magdeburg brachte die zuvor sichere Verteidigung von Schleswig-Holstein mehrfach in Bedrängnis und hielt seine Mannschaft im Spiel. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Robin, mit dem Yannick über die Hälfte der Tore von Sachsen-Anhalt erzielte, wurde der Rückstand aufgeholt. Nach 45 Minuten traf Yannick Dannenberg zum 24:24. Schleswig-Holstein wurde nervös, ließ jetzt sogar einen Siebenmeter liegen. Sachsen-Anhalt nutzte die Gelegenheit und ging in Führung. Allerdings raffte sich Schleswig-Holstein noch einmal zusammen und warf sich durch Dan Zimmermann und Lars Meereis zum 26:25. In der Schlussminute hatte jedoch wiederum Yannick Dannenberg das Durchsetzungsvermögen, um mit seinem nächsten Treffer die Verlängerung zu erzwingen.

Die Spannung in der großen Sporthalle am Sportforum stieg in den nächsten Minuten immer weiter an. Für Schleswig-Holstein sorgte jetzt Jaris Toebeler mit zwei Treffern für Entlastung. Auf der anderen Seite waren die Dannenberg-Brüder nicht in Griff zu bekommen. Weil Yannick Dannenberg allerdings eine Zeitstrafe kassierte, nutzte Schleswig-Holstein den Freiraum mit Lars Meereis zum 29:28. Somit hatten die Norddeutschen einen kleinen Vorteil, als es in die zweite Hälfte der Verlängerung ging. Sicher sein konnte sich aber niemand, besonders weil auf beiden Seiten die Kräfte zunehmend schwanden. Es war ein Duell, dass keinen Verlierer verdient hatte. Am Ende aber drehte der HV Sachsen-Anhalt mit Oskar Schöll und Paul Schikora auf. Plötzlich lag Schleswig-Holstein mit 30:31 hinten, drei Minuten verblieben. Unter tosendem Applaus der mitgereisten Anhänger setzte sich Sven Eberlein zum Ausgleich durch. Doch den Schlusspunkt in einer hochspannenden Partie setzte Philipp Meincke, Rechtsaußen von Sachsen-Anhalt, in den Schlusssekunden zum 31:32-Endstand.

Viertelfinale: HV Berlin - HV Mittelrhein 27:24 n.V. (23:22, 20:20, 9:8)

Großer Kampf wurde in der Lilli-Henoch-Sporthalle auf beiden Seiten geboten. Der HV Berlin musste gegen den HV Mittelrhein Schwerstarbeit verrichten, denn die Gastgeber wurden stark unter Druck gesetzt. Während die erste Halbzeit sehr ausgeglichenen verlief, in der Berlin knapp mit 9:8 führte, drehte der HV Mittelrhein direkt zu Beginn des zweiten Durchgangs auf. Die Treffer von Mtija Mircic und Pierre Busch bedeuten die erste Führung, die anschließend durch Julian Köster ausgebaut wurde. Berlin musste zudem eine Zeitstrafe gegen Loris Kotte verkraften und geriet durch die Unterzahlsituation auf 10:15 zurück. Die Berliner leisteten sich zu diesem Zeitpunkt viele Fehlwürfe, der HV Mittelrhein nutzte dies zu seinem Vorteil.

HVB-Trainer Bob Hanning nahm die Auszeit und rüttelte seine Mannschaft wach. Kreisläufer Tolga Durmaz startete mit seinem Treffer die Aufholjagd der Berliner. Jetzt stand der HV Mittelrhein plötzlich unter Druck, denn Berlins Torhüter Tim Folgmann parierte mehrere Würfe in Folge. Seine Vorderleute agierten nun konzentrierter im Angriff. Die besten Berliner Torschützen Aaron Krai (6) und Loris Kotte (10) drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Zwei erfolgreiche Siebenmeter in Serie von Kotte bedeuteten den 14:15-Anschusstreffer (39.). Mittelrhein bekam zunehmend Probleme im Angriff, Berlins Defensive packte beherzt zu und zwang  den Gegner des Öfteren zum Fehlwurf.

Berlin konnte in der Folge sogar vorlegen, doch Mittelrhein kämpfte sich heran. Fünf Minuten vor Schluss stieg die Fehlerquote bei beiden Teams an, die Anspannung stieg ins Unermessliche. Denn jetzt zählte jeder Wurf. Mittelrhein glich zunächst durch Jonas Molz zum 19:19 aus. Die Schlusssekunden liefen, Berlin hatte nach zwei vergebenen Möglichkeiten erneut die Chance zur Führung. Niklas Trumpf bewahrte die Nerven und brachte Berlin mit 20:19 in Führung, 18 Sekunden verblieben auf der Uhr. Mittelrhein hatte den letzten Angriff und zog das Tempo im Rückraum an, wodurch Julian Köster mit der Schlusssirene den 20:20-Ausgleich erzielte.

Zweimal fünf Minuten Verlängerung brachten die Entscheidung: In der ersten Halbzeit der Verlängerung musste der HV Mittelrhein direkt eine Zeitstrafe gegen Pierre Busch hinnehmen. Doch auch Berlin wurde kurz darauf in Person von Niklas Trumpf dezimiert. Die Gastgeber setzten sich knapp auf 23:22 ab, ehe die Seiten das letzte Mal getauscht wurden. In der zweiten Hälfte der Verlängerung mobilisierte der HV Berlin noch einmal alle Kraftreserven und bestrafte jeden Fehler des HV Mittelrhein. Drei Tore hintereinander waren die Folge, wodurch Berlin auf 26:22 erhöhte. Erst nach 68 Minuten verkürzten Julian Köster und Tim Mast auf 26:24. Mittelrhein deckte nun offensiv an der Mittellinie und wollte Berlin zum schnellen Ballverlust zwingen, doch die Hauptstädter fanden den Freiraum. Loris Kotte machte über Rechtsaußen mit dem 27:24 alles klar.

Viertelfinale HV Württemberg - HV Westfalen 22:18 (12:6)

Der HV Württemberg kontrollierte das Geschehen gegen den HV Westfalen. In der großen Sporthalle hielten die Westfalen durch Treffer von Julius Rose und Michel Reitemann bis zum 8:6 noch gut mit. Doch nach 14 Minuten nahmen die Württemberger das Heft in die Hand. Zwei Tore von Axel Goller ermöglichten die Vier-Tore-Führung, die bis zur Halbzeitpause sogar auf 12:6 ausgebaut wurde.

In der zweiten Halbzeit trotzten die Westfalen zwei Zeitstrafen und kämpften sich wieder an den HV Württemberg heran. Zehn Minuten vor dem Ende verkürzte der HV Westfalen zwischenzeitlich auf 16:13. Erneut zeigte Julius Rose sein Durchsetzungsvermögen, der mit zehn Toren auch bester Torschütze des Spiels war. Doch auch der HV Württemberg wusste mit Drucksituationen umzugehen. Teilweise in doppelter Unterzahl verteidigten die Württemberger mit größtem Einsatz den Vorsprung. Der HV Westfalen verpasste die größte Chance, um das Spiel noch einmal spannend zu machen. Denn als Max Oehler vier Minuten vor Schluss zum 21:16 für Württemberg traf, war die Begegnung entschieden.

 

Viertelfinale: HV Sachsen-Anhalt - HV Niedersachsen 25:23 (15:13)

Eine ebenfalls spannende Partie boten die Mannschaften aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. In der Sporthalle Paul-Heyse-Straße wechselte die Führung zunächst mehrfach. Nachdem der HV Niedersachsen durch Joel Wunsch das 4:5 nach neun Minuten erzielte, konterte der HV Sachsen-Anhalt mit einem Doppelschlag von Alexander Reimann. In der Folge wurden die Niedersachsen mehrfach zum Ballverlust gezwungen Sachsen-Anhalt setzte sich auf 10:6 ab. Allerdings hielten die Niedersachsen nach der kurzen Schwächephase dagegen. Neben Joel Wunsch zeigte sich auch Veit Mävers treffsicher, sodass das Spiel zur Halbzeitpause deutlich

Bereits kurz nach dem Seitenwechsel erkämpfte sich der HV Niedersachsen zum 16:16. Sachsen-Anhalt legte allerdings immer wieder vor. Vom 17:17 bis zum 20:20 ließ keine der beiden Mannschaften locker. Die Schlussphase brach an, in welcher der HV Sachsen-Anhalt den Druck erhöhte. Zunächst verwandelte Robin Danneberg, anschließend traf Oskar Schöll per Siebenmter. Die Niedersachsen hatten mehr Probleme in der Verteidigung und wussten den Gegner teilweise nur per Foul im Kreis zu stoppen.

Allerdings ließ Sachsen-Anhalt zwei weitere Siebenmeter liegen, sodass die Begegnung spannend blieb. Thorben Borcholte und Veit Mävers sprangen für Niedersachsen in die Bresche und erzielten das 22:22 (43.). Doch am Ende fehlte die Kraft, Sachsen-Anhalt sollte bis kurz vor der Schlusssirene kein Gegentor mehr kassieren. Alexander Reimann und Philipp Meincke erhöhten wieder zur Zwei-Tore-Führung, die sich Sachsen-Anhalt nicht mehr nehmen ließ.

Viertelfinale: HV Schleswig-Holstein - Badischer HV 29:17 (13:9)

Mit einer beeindruckenden Vorstellung zog der HV Schleswig-Holstein in das Halbfinale ein. Der Vorrundensieger der Gruppe D ließ dem Badischen HV in der Seelenbinder Halle keine Chance. Dabei überzeugten die Norddeutschen im Kollektiv, elf  Spieler trugen sich in die Torschützenliste ein. Jaris Toebeler war mit sieben Treffern bester Werfer des Spiels, für den Badischen HV erzielte Martin Schmiedt sechs Tore.

Bereits in der ersten Halbzeit spielte sich der HV Schleswig-Holstein eine Vier-Tore-Führung heraus und baute diese im zweiten Durchgang kontinuierlich aus. Dem Badischen HV schwanden die Kräfte gegen die körperlich starke Abwehr des Gegners. Schleswig-Holstein zog auf 16:9 davon und stellte die Weichen frühzeitig auf Sieg. Spätestens nach 40 Minuten war die Begegnung endgültig entschieden, als Moritz Schäfer zum 24:14 traf. Schleswig-Holstein schaltete allerdings nicht zurück, sondern hielt den Druck bis zum Ende aufrecht, sodass der deutliche 29:17-Sieg zustande kam.

 

Die Spiele am Sonntag

Spiel um Platz 19 – 9.00 Uhr HV Saar - Thüringer HV (Sporthalle Paul-Heyse-Str.)
Spiel um Platz 17 – 9.00 Uhr Bayerischer HV - HV Niederrhein (Lilli-Henoch-Sporthalle)
Spiel um Platz 15 –9.00 Uhr Bremer HV - HV Brandenburg (Große Sporthalle)
Spiel um Platz 13 –10.30 Uhr Hamburger HV - Rheinland-Pfalz Handball (Sporthalle Paul-Heyse-Str.)
Spiel um Platz 11 – 10.30 Uhr Südbadischer HV  - HV Sachsen (Lilli-Henoch-Sporthalle)
Spiel um Platz 9 –10.30 Uhr HV Mecklenburg-Vorpommern - Hessischer HV (Lilli-Henoch-Sporthalle)
Spiel um Platz 7 – 12.00 Uhr HV Niedersachsen - HV Westfalen (Sporthalle Paul-Heyse-Str.)
Spiel um Platz 5 –12.00 Uhr Badischer HV - HV Mittelrhein (Lilli-Henoch-Sporthalle)
Spiel um Platz 3 – 12.00 Uhr HV Schleswig-Holstein - HV Württemberg (Große Sporthalle)
Finale – 14.00 Uhr HV Sachsen-Anhalt - HV Berlin (Große Sporthalle)

Alle Ergebnisse

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