Der HV Westfalen sicherte sich in diesem Jahr den Länderpokal weiblich. - Foto: Zsolt Homovics

13.02.2017 · Home, Verband, Landesverbände · Von: pm

Franziska Heinz im Interview nach dem Länderpokalsieg des HV Westfalen

Durchaus überraschend hat die Auswahl des Handballverband Westfalen am 15. Januar den Titel beim Länderpokal der Mädchen in Göppingen errungen. Im Interview spricht Franziska Heinz, Weltmeisterin von 1993 und Trainerin des HW Westfalen, über den Erfolg gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Länderpokal. Haben Sie mit dem Erfolg im Vorfeld irgendwie gerechnet?
Franziska Heinz: "Nein, gerechnet haben wir damit absolut nicht. Wir sind eigentlich mit keiner großen Erwartungshaltung in das Turnier gegangen. In den letzten zwei Jahren hatten wir immer gute Mannschaften, haben dann aber zum Länderpokal jeweils Pech mit Verletzungen gehabt. Dieses Jahr gab es im Vorfeld zum Glück nur einen Ausfall. Trotzdem ist der Erfolg bei so einem Turnier auch immer formabhängig. Wir haben den Mädels klar gesagt: Ihr könnt was erreichen! Aber ihr müsst es als Team machen. Und das haben sie dann hervorragend umgesetzt."

Wann ist denn im Verlauf des Turniers das erste Mal der Gedanke aufgekommen, dass sie sogar um den Titel mitspielen können?
Franziska Heinz: "Ich persönlich habe eigentlich immer versucht das Thema „um den Titel mitspielen“ ein wenig wegzuschieben. Wir hatten sicherlich den Vorteil, dass wir uns gegen die zwei leichteren Gegner am ersten Tag noch etwas einspielen konnten. Am zweiten Tag haben wir dann gegen Südbaden ein starkes Spiel abgeliefert und ja mit nur einem Tor Unterschied gewonnen. Das war wirklich ein Schlüsselspiel auf dem wir in der Endrunde dann aufgebaut haben."

Was hat denn den Unterschied zu den anderen Teams ausgemacht?
Franziska Heinz: "Ein großes Plus war sicherlich, dass wir eine auf allen Positionen mehrfach gut besetzte Mannschaft haben. Das konnten wir vor allem in den ersten Spielen nutzen. Einige Spielerinnen konnten öfters mal pausieren. Außerdem haben wir Schwächephasen von einzelnen Spielerinnen dadurch problemlos ausgleichen können. Hinzu kommt, dass die Mädels an dem Wochenende auch wirklich eine mentale Stärke gezeigt haben. Wenn wir mal in Rückstand geraten sind, sind sie cool geblieben und haben sich zurückgekämpft. Das ist bei so einem Turnier sicherlich ein ganz wichtiger Faktor."

Entscheidend bei den Auswahlteams ist ja auch immer die Frage, wie man es schafft aus den einzelnen Spielerinnen von unterschiedlichen Vereinen ein Team zu bilden. Wie sind Sie das angegangen?
Franziska Heinz: "Das ist natürlich nicht immer so einfach. Wir versuchen das über gemeinsame Turniermaßnahmen, bei denen das Team dann natürlich auch immer mehr zusammenrückt. Wir haben zudem dieses Jahr vorher auch einen Lehrgang mit Übernachtung gehabt, bei dem es verschiedene Teambuilding-Maßnahmen gab. Trotzdem fängt man bei vielen Dingen wie taktischen Abläufe dann doch immer wieder von vorne an. Aber das geht natürlich allen Auswahlteams so. Außerdem schweißt der Erfolg im Verlauf der fünf Pokaltage selbst auch nochmal zusammen."

Beim Länderpokal hat sich Westfalenauswahlspielerin Leonie Kockel besonders hervorgetan. Sie wurde zur wertvollsten Spielerin des Turniers gewählt. Was können wir in Zukunft von ihr erwarten?
Franziska Heinz: "Leonie ist tatsächlich die Spielerin, die ich in der Westfalenauswahl am längsten kenne. Sie hat wirklich ein sehr sehr gutes Turnier gespielt und wurde verdient in das Allstar-Team gewählt. Sicherlich hat sie in einigen Dingen auch noch Entwicklungspotential, aber sie zeigt zum Beispiel schon jetzt eine hervorragende Abwehrstärke. Außerdem hat Leonie sich wirklich zu einer Führungsspielerin im Team entwickelt und in den entscheidenden Spielen das Heft auch im Angriff in die Hand genommen. Was die Zukunft bringt ist natürlich immer schwer zu sagen. Aber ich denke wir werden sie auf jeden Fall noch in einer der oberen Ligen sehen."

Was sind denn die Pläne für 2018? Titelverteidigung?
Franziska Heinz: "Das ist natürlich noch ein weiter Weg. Wir haben jetzt ja erstmal einen Teil der Mannschaft, also den Jahrgang 2000, aus unserer Förderung entlassen. Ab diesem Alter endet ja die Förderung durch die Landesverbände. Es bleiben aber auch noch 10 Spieler aus dem jüngeren Jahrgang, die jetzt quasi das Gerüst der Mannschaft bilden. Jetzt gilt es mit den dann neu hinzukommenden Talenten wieder eine Mannschaft zu bilden und ein Jahr lang aufzubauen. Mal sehen, wo wir dann vor dem Länderpokal 2018 stehen."

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