Die "Bad Boys" um Kai Häfner spielen Remis gegen Schweden. - Foto: Sascha Klahn

19.03.2017 · Home, Slider, Nationalteams · Von: sid

Remis beim Heimdebüt: Prokops Handballer verpassen Sieg gegen Schweden

Remis zum Heimdebüt: Christian Prokop hat auch bei seinem ersten Auftritt vor heimischen Publikum den ersten Sieg als Handball-Bundestrainer verpasst. Der stark ersatzgeschwächte Europameister kam beim Tag des Handballs in Hamburg gegen Schweden zu einem 25:25 (16:14). Damit missglückte die Revanche für die 25:27-Niederlage zum Prokop-Einstand tags zuvor in Göteborg.

"Wir haben uns am Ende nicht belohnt", sagte Prokop nach der Partie bei Sky Sports News HD, "wir haben in der ersten Halbzeit eine starke Angriffsleistung gezeigt. Taktisch waren wir stärker als gestern und haben in der Abwehr weniger Fehler gemacht."

Bester Werfer im deutschen Team vor 10.859 Zuschauern war am Sonntag der Wetzlarer Rückraumspieler Philipp Weber mit acht Toren, am Samstag hatte Kreisläufer Manuel Späth (4 Tore) von Frisch Auf Göppingen am häufigsten getroffen. Die erste echte Bewährungsprobe hat Prokop am 3. Mai in der EM-Qualifikation in Slowenien. 

Prokop war bei seinen Premieren-Spielen keineswegs zu beneiden: Gleich zwölf (!) WM-Fahrer musste der Nachfolger von Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson beim doppelten Länderspiel-Klassiker gegen die Skandinavier ersetzen. Viele der in ihren Klubs stark belasteten Stars wurden geschont, unter anderem fehlten EM-Held Andreas Wolff und Kapitän Uwe Gensheimer. Zudem mussten Keeper Silvio Heinevetter (Magen-Darm-Infekt) und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (Grippe) kurzfristig absagen, so dass am Sonntag zwangsläufig alle Augen auf Prokop gerichtet waren.

Und Prokop erlebte in der Hansestadt einen herzlichen Empfang. Keine 26 Stunden nach der knappen Niederlage in Göteborg wurde der 38-Jährige von den Zuschauen in der Barclaycard-Arena mit viel Applaus empfangen. Die Anspannung war dem Senkrechtstarter der Trainerszene, der bis Sommer parallel noch den Bundesligisten SC DHfK Leipzig trainiert, aber auch beim Singen der Nationalhymne noch deutlich anzumerken.

"Es kribbelt natürlich, die Aufregung ist spürbar", hatte Prokop vor seinem Heimdebüt gesagt. Und so hielt es Prokop auch im Spiel nicht lange auf der Bank. Trotz seiner permanenten Anweisungen erwischte die deutsche Mannschaft einen schlechten Start: Die Abwehr, normalerweise das Prunkstück des Olympia-Dritten, präsentierte sich löchrig, im Angriff fehlte dem neu formierten Team lange Zeit die Präzision. Erst ein Doppelschlag des Kreisläufer-Neulings Moritz Preuss nach 20 Minuten brachte Deutschland erstmals in Führung (12:10). Richtig laut wurde es in der Arena nach einem gehaltenen Siebenmeter von Torhüter Carsten Lichtlein wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff.

Im zweiten Abschnitt kam das deutsche Team zunächst besser zurecht und baute seine Führung nach beherztem Start auch dank eines stärker werdenden Lichtleins bis auf 19:15 (38.) aus. Doch Schweden ließ sich nicht abschütteln, war eine Viertelstunde vor dem Ende wieder dran (19:20) und ließ auch weiter nicht locker. Der 25:25-Ausgleich glückte den Skandinaviern Sekunden vor der Schlusssirene durch Füchse-Berlin-Legionär Mattias Zachrisson.

Prokop hatte den Trainerposten nach wochenlangem Tauziehen zwischen dem Deutschen Handballbund (DHB) und seinem Klub SC DHfK Leipzig vorzeitig übernommen, sein Vertrag bis 2022 gilt eigentlich erst ab dem 1. Juli 2017. Für die beiden Länderspiele gegen die Schweden hatte Prokop kurzfristig die Freigabe der Leipziger erhalten.

 

Stimmen  zum Spiel:

Bundestrainer Christian Prokop: Natürlich bin ich ein bisschen unzufrieden, dass wir nicht den Sieg eingefahren haben, den wir verdient gehabt hätten. Wir waren diszipliniert im Angriff und haben viel für die Abwehr mitgenommen. Wir haben vieles richtig gemacht. In der zweiten Hälfte tun wir uns in Sachen Abschlussqualität schwer, zum Beispiel sind wir beim 19:15 zweimal gescheitert. Es war bitter und unglücklich, denn im vorletzten Angriff hätten wir das Spiel entscheiden können, aber wir müssen das Ergebnis akzeptieren. Schweden hat immer weiter gekämpft.

Gestern bei meiner Premiere als Bundestrainer und den Debüts vieler Spieler waren wir übernervös, heute hatten wir uns alle sehr auf die Partie gefreut. Denn es war eine fantastische Kulisse, einziger Wermutstropfen war eben nur, war dass wir nicht gewonnen haben.

Als Gesamtfazit des Lehrgangs habe ich viele gute Eindrücke seit Mittwoch mitgenommen. Nun ist es schade, dass es heute schon vorbei ist. Wir hatten gute Trainingstage und werden unsere Schlüsse aus diesen beiden Spielen ziehen. Einzige Enttäuschung ist .wie gesagt – nur der Fakt, dass wir kein Spiel gewonnen haben. Aber: das Team hat sich schnell weiterentwickelt. Nun haben wir ab 1. Mai zwei Tage Zeit, um uns auf die EM-Qualifikation gegen Slowenien einzustellen, dann stößt aber mehr Qualität zur Mannschaft.

DHB-Präsident Andreas Michelmann: Ich ziehe ein absolut positives Fazit des Tags des Handballs in Hamburg. Dazu gehört auch der große Dank an den schwedischen Verband für die Länderspiele. Es lag heute der Fokus auf der Werbung für die Frauen-WM, und ich wünsche mir, dass unsere Frauen im Dezember wieder vor 10.000 Zuschauern beim Finalwochenende hier spielen werden. Es war heute eine tolle Atmosphäre, locker, teilweise euphorisch – und es gab ein tolles, fachkundiges Publikum. Leider hat in den Länderspielen von Männern und Frauen das nötige Quäntchen Glück, um einen Sieg einzufahren.

Kristjan Andresson, Nationaltrainer Schweden: Danke an den deutschen Verband und an das deutsche Team für zwei tolle Spiele. Am Ende haben wir so gut verteidigt, dass wir uns noch einen Punkt gesichert haben. Zu Beginn hatten wir Abstimmungsprobleme in der Abwehr, Mitte der zweiten Hälfte kamen wir insgesamt besser in Schwung. Ich bin zufrieden und stolz über den Charakter der Mannschaft.

 

Deutschland - Schweden 25:25 (16:14)

Deutschland: Lichtlein, Vortmann; Lemke, Allendorf (1), Häfner (4), Theilinger, Billek (2), Weber (8), Kühn, Späth (1), Musche, Ernst, Rahmel (1), Preuss (3), Pieczkowski (4), Drux (1)
Schweden: Sandström, Johannesson; Månsson (2), Stegefelt (1), Berg (2), Pettersson (3), Stenbäcken, Wanne, Freiman, Lindskog (2), Gottfridsson (7), Halén (2), Barud, Zachrisson (6)

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