Die beiden SG-Geschäftsführer Holger Schwab (links) und Manfred Gspandl. - Foto: Verein

22.03.2017 · 3. Liga, Staffel Süd · Von: pm verein

SG Nußloch stellt keinen Lizenzantrag für die zweite Liga – Meisterschaft bleibt das Ziel

Es stand bereits seit einiger Zeit im Raum, nun ist es amtlich: Die SG Nußloch wird keine Lizenz für die zweite Liga beantragen. Obwohl sich das Team von Trainer Christian Job am vergangenen Wochenende mit einer überragenden Leistung an die Spitze der dritten Liga Süd gekämpft hat, ist der Aufstieg – anders als die Meisterschaft – kein Thema mehr im Lager der Blauen. „Gründe dafür gibt es viele“, erklärten die beiden Geschäftsführer Holger Schwab und Manfred Gspandl unisono. Der größte dieser Punkte ist dabei der finanzielle Aspekt. „Wir wollen einen Aufstieg nur realisieren, wenn er auch nachhaltig wäre“, umriss Schwab die Grundbedingung: „Das wäre in diesem Jahr aber nicht der Fall.“ Für ihn ist klar: „Wir wollen nicht hoch, um wieder abzusteigen – wenn wir irgendwann in die zweite Liga gehen, dann um dort zu bleiben.“

Gspandl, der neben der Abteilungsleitung bei der Spielbetriebsgesellschaft der SG Nußloch für die Finanzen zuständig ist, sieht den Verein dabei auf einem guten Weg. „Sportlich und wirtschaftlich sind wir absolut auf einem sehr guten Drittliga-Niveau angekommen“, bestätigt er. Im dritten Jahr nach dem Aufstieg ist das sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Dieser Weg soll nun weiter geführt werden: „Wir wollen das weiterhin sukzessive nachhaltig aus- und aufbauen.“ Der potentielle Aufstieg könnte da aktuell eher eine Behinderung sein. „Reisekosten, Übernachtungen, der generelle Ligabeitrag und zusätzliche strukturelle Kosten – das sind mindestens 120.000 Euro, die wir zusätzlich zu unseren jetzigen Aufwendungen aufbringen müssten“, rechnet Gspandl vor und führt weiter aus: „Und mit diesem Etat wären wir dann, aus finanzieller Sicht gesehen, nur am Tabellenende der zweiten Liga, das dürfen wir nicht vergessen.“

Geschäftsführer-Kollege Schwab schlägt dabei in die gleiche Kerbe: „Für den Sprung nach oben müssten wir unseren Kader noch viel breiter aufstellen“, bestätigt er: „In den vergangenen zwei, drei Jahren hatten wir immer wieder langfristige Verletzungen. Diese könnten wir dann auf keinen Fall weiterhin durch Spieler der zweiten Mannschaft, die aktuell leider nur in der Kreisliga spielt, kompensieren – es kämen also weitere Kosten dazu, auf der Suche nach Ersatz.“ Doch auch hier ist das Ende der langen Negativliste noch nicht erreicht. „Außerdem befinden wir uns mit drei Trainingseinheiten pro Woche bereits im hinteren Bereich der dritten Liga, Zweitliga-Teams wie Bietigheim, Eisenach und Co. trainieren teilweise bis zu acht oder neun Mal in einer Woche“, weiß Schwab: „Da müssten wir bei einem Aufstieg auch ordentlich zulegen. Aber: Weder die Hallenkapazität ist für zusätzliche Einheiten am Vormittag gegeben, noch gibt es bei unseren beruflich eingespannten Spielern die Chance dafür.“

Wie sinnvoll ein solcher Schritt in Sachen Attraktivität überhaupt ist, kann Schwab nur schwer beurteilen. Eines wird aber schnell klar: Wirklich überzeugt von der Liga ist der SGN-Geschäftsführer nicht. „Ich bin der Meinung, die Wiedereinführung der Zweigleisigkeit ist ein Muss“, bezieht er ganz offen und deutlich Stellung: „Die sportliche Professionalität würde dadurch nicht verloren gehen, aber die Kosten würden sich halbieren.“ Ein Blick auf die Landkarte zeigt die Probleme der Eingleisigkeit dabei in Windeseile auf: „Wilhelmshaven, Rostock und so weiter – das sind Fahrten, die weder die berufstätigen Spieler, noch die Fans wirklich mit machen können. Entweder wir fahren hin und zurück an einem Tag – dann können wir das Spiel aber auch gleich herschenken – oder wir rechnen zusätzlich die Übernachtungskosten für das ganze Team mit ein und sind noch einen Tag länger weg.“

Das andere Vereine dieses Risiko stemmen können, liegt hauptsächlich an kreativen Unterstützungsmethoden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vorjahresmeister aus Konstanz, der den Schritt in die zweite Bundesliga gewagt hat. „Die HSG kann sich das erlauben, weil sie laut Medienberichten mit ca. 115.000 Euro jährlich von der Stadt Konstanz bezuschusst werden – und das in den nächsten drei Jahren“, so Schwab. Ein Puffer, der den Einstieg in die höhere Spielklasse erleichtert – trotzdem zeigen nur zwei Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz, wie schwer es selbst mit Unterstützung ist, die Spielklasse zu halten. Bei den Einnahmen ist Schwab ebenfalls zögerlich: „Ganz von der sportlichen Attraktivität abgesehen – aktuell haben wir in der Liga ja sieben oder acht Derbys – mit Leutershausen, sofern sie die Klasse halten, und Friesenheim würden nur zwei Derbys bestehen bleiben.“ Das zieht vor allem bei den Heimspielen eine schlechte Prognose nach sich: „Da wäre die Halle dann voll, aber bei den anderen Auswärtsteams würden maximal eine Hand voll Zuschauer mitkommen.“

Der Verzicht auf ein mögliches Aufstiegsrecht ist derzeit fast unumgänglich, wirtschaftlich gesehen vermutlich sogar die einzige Möglichkeit. Am sportlichen Ziel, das Maximale aus der Saison zu machen, ändert sich deswegen aber nichts. „Die zweite Liga ist eben ein zweischneidiges Schwert“, bestätigte Kapitän Philipp Müller: „Aber die Meisterschaft in der dritten Liga wollen wir unbedingt.“ Die nach dem Oftersheim-Spiel laut gewordenen Unkenrufe, man wolle nur nicht in Erklärungsnot geraten, lässt Müller nicht gelten: „Das wir absichtlich verlieren ist absoluter Quatsch – wir wollen die Meisterschaft.“ Das die SG Nußloch diese Möglichkeit überhaupt hat, hängt für Gspandl und Schwab ganz eng mit der Arbeit im Hintergrund zusammen: „Unser Dank geht dabei an alle Ehrenamtlichen. Sie sind es, die es ausmachen, die uns dazu befähigen, dieses hohe Niveau umzusetzen.“

Auch die tolle Unterstützung von den Rängen bestärken die beiden Geschäftsführer in ihrer Entscheidung: „Die Atmosphäre bei uns ist super, die Zuschauer und Fans geben immer alles für ihren Verein.“ Nur so sind Gala-Abende wie der jüngste 43:31-Galaauftritt der Blauen zu erklären. Auch die Neuzugänge schwärmen regelmäßig vom Gefühl, mit einer solchen Kulisse im Rücken spielen zu dürfen. „Ich hoffe, dass wir den Aufstieg bald realisieren können“, ist Schwab zuversichtlich: „Die Unternehmen der Region sehen ja, wie engagiert und zahlreich die Zuschauer bei der SG Nußloch dabei sind. Das sollte ein Anreiz sein, sich ebenfalls für die SGN einzusetzen und sich mit ihr zu identifizieren.“

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