Robert Schulze und Tobias Tönnies. - Foto: DHB

21.09.2017 · Slider, Home, Schiedsrichter · Von: tk

„Die Vorfreude ist riesig“ – das deutsche WM-Gespann Robert Schulze und Tobias Tönnies im Interview

Am vergangenen Wochenende trafen sich die 16 Schiedsrichtergespanne der Weltmeisterschaft der Frauen (1. bis 17. Dezember/Karten via www.germanyhandball2017.com/tickets) in Frankfurt zu einem gemeinsamen Vorbereitungslehrgang. Unter ihnen waren auch Robert Schulze und Tobias Tönnies, die als deutsches Gespann vor heimischer Kulisse WM-Spiele leiten werden. Im Doppelinterview mit dhb.de sprechen die Magdeburger über die Vorfreude auf die Heim-WM, den Lehrgang in Frankfurt und ihre Ziele für den Dezember.

Für viele Spielerinnen und Spieler sind Titelkämpfe im eigenen Land das Karrierehighlight. Sie pfeifen im Dezember in Deutschland, stehen also auch vor einer Heim-WM. Wie groß ist die Vorfreude?
Robert Schulze: „Die Vorfreude ist riesig. Für jeden Sportler und auch für uns Schiedsrichter ist es ein Highlight, bei einer WM im eigenen Land dabei sein zu dürfen.“
Tobias Tönnies: „Die Vorfreude ist vor jeder WM natürlich sehr groß. Im eigenen Land pfeifen zu dürfen, ist ein absolutes Highlight.“

Am vergangenen Wochenende haben die 16 WM-Schiedsrichtergespanne einen Vorbereitungslehrgang in Frankfurt absolviert. Was waren die Schwerpunkte der dreitägigen Maßnahme, und wie fällt Ihr Fazit aus?
Robert Schulze: „Der Lehrgang war sehr gelungen. Wir haben Erkenntnisse im Bereich der mentalen Vorbereitung auf die WM sammeln können. Dietrich Späte (Präsident der Trainings- und Methodikkommission bei der IHF; Anm. d. Red.) hat uns im passiven Spiel die Sichtweise der Trainer transportiert, was sehr hilfreich war. Weiterhin haben wir mit einem Fitnesscoach im Bereich Sprinttraining und Übungen zur körperlichen Vorbereitung auf einen solchen Großevent neue Eindrücke gewonnen.“
Tobias Tönnies: „Neben dem Shuttle Run und den theoretischen Regel- und Videotests mussten wir Gespanne uns in verschiedenen Gruppen in Form von Präsentationen auf die Themen Neue Regeln, Siebenmeter, Schritte, Stürmerfoul und Bestrafungen vorbereiten. Dabei wurde eine einheitliche Regelauslegung festgelegt. Der spanische Fitnesscoach Alejandro Vaquera war eine echte Bereicherung für uns Handballschiedsrichter. Er hat spezifische Übungen der Basketball-Referees aufgezeigt, da wir uns in den Bewegungsabläufen sehr ähneln.“

Sie waren bereits bei mehreren Großturnieren im Einsatz, pfeifen Frauen- wie auch Männerspiele. Die WM im Dezember wird beispielsweise Ihr zweites WM-Turnier bei den Frauen sein. Gibt es für Sie Unterschiede bei der Leitung von Frauen- und Männerpartien?
Robert Schulze: „Jede WM hat ein besonderes Flair, da verschiedene Handballkulturen aufeinander treffen – das ist aus Sicht von uns Schiedsrichtern eine große Herausforderung. Neben den unterschiedlichen taktischen Spielstrukturen ist bei Frauenpartien die Kommunikation mit den Beteiligten ein entscheidender Unterschied zu den Männern.“
Tobias Tönnies: „Die Kommunikation ist tatsächlich der entscheidende Unterschied zwischen Männer- und Frauenspielen. Das musste ich sogar am eigenen Leib feststellen.“

In etwas mehr als zwei Monaten startet die WM. Wie sieht bis dahin Ihre weitere individuelle, aber auch gemeinsame Vorbereitung auf das Turnier aus?
Robert Schulze: „Im individuellen Bereich hat bei uns besonders die körperliche Vorbereitung oberste Priorität, da bei einer WM in einem kurzen Zeitraum viele anspruchsvolle Spiele geleitet werden. Gerade ein super Fitnesszustand beeinflusst am Ende eines Spiels die Konzentration positiv.“
Tobias Tönnies: „Die körperliche Vorbereitung und natürlich die Ernährung sind für die gesamte Saison elementare Bestandteile, da die Bundesliga und der Europapokal uns Schiedsrichtern, neben unserem beruflichen Alltag, einiges abverlangen. Wir werden zusätzlich viel Videostudium betreiben. Dafür haben wir tolle Plattformen wie Sportlounge und das IHF Education Centre.“

Welche persönlichen Ziele haben Sie für die WM im Dezember? Sie könnten unter Umständen als Magdeburger ein WM-Viertelfinale in Ihrer Heimatstadt leiten ... 
Robert Schulze: „ … und das noch an meinem Geburtstag – ein Traum! Unser persönliches Ziel bei dieser WM ist es, bei jeder Nominierung unsere persönliche Top-Leistung abzurufen. Bei einer WM ist jedes Spiel, welches man bekommt, eine Herausforderung, welche wir mit Spaß und Freude bewältigen wollen.“
Tobias Tönnies: „Ein WM-Spiel in der Heimatstadt wäre natürlich extrem cool. Diese Möglichkeit wird man wohl nicht so oft im Leben erhalten.“

Das Motto der Weltmeisterschaft lautet „simply wunderbar“. Was macht für Sie Handball, aber auch ganz besonders das Schiedsrichtersein so „simply wunderbar“?
Robert Schulze: „Da wir schon als kleine Kinder verliebt dem Handball hinterher gelaufen sind, brennt bei uns einfach eine Leidenschaft dem Sport gegenüber. Es ist „simply wunderbar“, bei dem tollsten Sport der Welt als Schiedsrichter für Fair Play zu sorgen. Außerdem ist es eine Schule für das Leben, und ich kann es jedem jungen Menschen empfehlen, der den Sport liebt.“
Tobias Tönnies: „Wir sind seit dem sechsten Lebensjahr mit dem Handball verbunden, seit 18 Jahren zusammen als Schiedsrichter unterwegs und pfeifen in den höchsten Leistungsklassen in unserer Sportart. Da kann man schon mal sagen: Das ist „simply wunderbar“ und soll noch lange „simply wunderbar“ bleiben.“

Zum Abschluss noch ein kleiner Blick auf die Ladies. Wie intensiv verfolgen Sie während eines Endturniers die Spiele der deutschen Nationalmannschaft und was trauen Sie dem Team von Bundestrainer Michael Biegler zu?
Robert Schulze: „Bei der letzten WM hatten wir die Möglichkeit, ein Spiel an unserem spielfreien Tag live zu verfolgen. Vielleicht ergibt sich dies auch bei dieser WM, jedoch ist es zeitlich sehr schwer, da wir abseits der Spiele Fitnesseinheiten und Videomeetings haben, wo wir Spiele analysieren. Als deutsches Paar sind wir auch an anderen Spielorten als die Mannschaft.“
Tobias Tönnies: „Eine Heim-WM kann eine Mannschaft besonders beflügeln. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.“

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