Gewohntes Bild: Gary Hines steht über den Abwehrreihen. Foto/Montage: Oliver Riesenberger/Caroline-Charlotte Kleinroth

27.09.2017 · 3. Liga, Männer 3. Liga · Von: cb

“Garymania” im Drittliga-Osten und bei RTL

„Gary Hines is the jumping wonder of the Bayernliga and he wants to go higher.“ Dieser Satz steht unter einem im Jahr 2011 auf youtube veröffentlichten Highlight-Video mit Szenen von Gary Hines. Doch obwohl der inzwischen 33-jährige Handballprofi des HSC Bad Neustadt in den vergangenen beiden Spielzeiten verlässlich zu den besten Torschützen seines Teams gehörte, blieb ihm der Weg nach oben bisher noch verwehrt.

„Ich habe keinen Spielerberater. Vielleicht liegt es daran“, sinniert der US-Amerikaner. Außer einigen losen Anfragen habe sich noch nichts Konkretes mit einem höherklassigen Verein ergeben. Gut für seinen Verein, der den Rechtshänder noch bis Sommer 2018 an sich gebunden hat und gut für die 3. Liga Ost. Denn die Sprung- und Wurfgewalt gehört zu den Attraktionen der Liga und bringt vor allem die heimischen Fans zum Kochen. So wie im Heimspiel gegen die Baggerssepiraten der HSG Rodgau Nieder-Roden, als Hines den Ball in der Schlusssekunde zum 22:22 ins Tor wuchtete und die 530 Zuschauer in Ekstase versetzte.

Perfekte Symbiose aus Basketball und American Football

Begonnen hat alles in Atlanta, Georgia. Dort sind die NBA-Basketballer der Atlanta Hawks beheimatet und die Spielweise Hines´ erinnert irgendwie nicht umsonst an die einer absoluten Klub-Legende der Hawks. Nämlich an Stacey Augmon, Spitzname „Plastic Man“. Bis zum 14. Lebensjahr spielte Hines Basketball und American Football und vereint so die Geschmeidigkeit, Spielfreude und Sprunggewalt des Basketballs mit der körperlichen Härte des American Football. Die perfekte Symbiose für den Handball. „Irgendwann erzählte unser Basketball-Trainer an der High-School etwas von einer neuen Sportart. Wir haben sie dann ausprobiert. Und der Coach meinte: ‚Entweder du bleibscht dabei oder du lascht das bleiben‘“, erzählt der US-Amerikaner mit bayerischen Einschlag.

Hines blieb dabei, spielte bereits im Alter von 18 Jahren für die US-amerikanische U21- und Männer-Nationalmannschaft und lief für sein Land bei Panamerikanischen Spielen und kontinentalen Meisterschaften auf und zählte natürlich zu den auffälligsten Akteuren. In seinem ersten Länderspiel gelangen dem 1,80 großen Hines satte 12 Treffer.

Hines schreibt mit mehr als 300 Saisontoren in der Bayernliga Geschichte

Seinem Traum, einmal in Europa sein Geld mit Handball zu verdienen, verhalf ein Highlight-Video auf die Sprünge. „Mein damaliger Trainer meinte, ich sollte meine besten Szenen zusammenschneiden und dann mal an europäische Klubs schicken.“ Tatsächlich meldete sich ein spanischer Zweitligist. Ein halbes Jahr lang ging Hines ab 2008 auf der iberischen Halbinsel auf Torejagd, ehe es den US-Amerikaner zur DJK Waldbüttelbronn in die Nähe von Würzburg verschlug. Der spanische Verein hatte einen großen Sponsor verloren. In Bayern schlug Hines im wahrsten Wortsinn richtig ein und war der erste Handballer der in einer Bayernliga-Saison mehr als 300 Tore erzielte.

Dann folgte der Wechsel zum HSC Bad Neustadt in die 3. Liga. Aufgrund seiner Athletik machte der Rückraumspieler auch eine Klasse höher die fehlende Körpergröße wett und wirft regelmäßig über 100 Tore pro Spielzeit. Neben dem Handball verdient Hines sein Geld noch bei einem Klub-Sponsor. „Dort arbeite ich im Büro. Mein College-Studium kommt mir dabei zugute“, berichtet der Handballer der noch lange in Deutschland spielen möchte. „Zumindest so lange, wie ich richtig fit bin.“ Damit dass noch einige Jahre lang so bleibt, trainiert Hines zwischen sieben bis acht Mal pro Woche. Viermal mit der Mannschaft und drei bis viermal Kraft und Ausdauer.

Fitnesstraining ist nicht nur ein elementarer Teil seines gegenwärtigen Lebens, sondern auch der Zukunftspläne „Später möchte ich gerne nach als Trainer arbeiten. Vielleicht in Deutschland oder wieder in den USA“ sind Hines´ Ziele aber bisher weniger konkret. Umso konkreter ist ein ganz spezieller Wunsch: Gary Hines möchte die diesjährige Auflage der RTL-Spielshow German Ninja Warrior gewinnen. Bereits 2016 nahm Hines an seinem Lieblings-Fernsehformat, in dem Kraft, Schnelligkeit und Geschick gefragt sind, teil und schaffte es bis ins Halbfinale. In diesem Jahr wollte es der ehrgeizige Handballer noch einmal wissen. Dieses Mal steht Hines unter den besten 28 und somit im Finale. An diesem Sonntag um 20.15 Uhr fällt die Entscheidung über die Siegprämie in Höhe von 200.000 Euro.

Zum YouTube-Kanal von Gary Hines

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