Grafik: Caroline Charlotte Kleinroth

10.10.2017 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel Nord · Von: cb/pm verein

Drittliga-Review #Spieltag7

Woche für Woche produziert die 3. Liga neue Schlagzeilen. Langeweile kennen die vier Staffeln nicht. Und von Siegtreffern in der letzten Sekunde oder überraschenden Außenseitersiegen bekommt wohl kein Anhänger genug. Und vielleicht muss ja auch der TuS Ferndorf am kommenden Spieltag beim Verfolger Bayer Dormagen eine Niederlage einstecken. Die Kreuztaler sind das einzige der 66 Drittligateams in den Männer-Saffeln, das noch keinen Zähler abgeben musste. Auch Verfolger HSG Krefeld gelang es nicht, den TuS wenige Tage vor dessen DHB-Pokal-Highlight gegen die Rhein-Neckar Löwen zu überrumpeln.

Nord: Fredenbeck „lackmeiert“ die Handballdinos

Große Erleichterung beim VfL Fredenbeck. Der schaffte nach sechs vergeblichen Anläufen endlich den ersten Saisonsieg. Und wie! Bei Handball Hannover-Burgwedel sicherte man sich mit dem 29:28 die Saisonpunkte zwei und drei. Dabei sah es wenige Sekunden vor Schluss danach aus, als würden die Blau-Weißen nach einem großen Kampf wieder mit leeren Händen gen Norden zurückreisen. Florian Freitag hatte für die Gastgeber 50 Sekunden vor dem Ende zum 28:28 ausgeglichen. Dann musste Fabian Schulte-Berthold auf die Strafbank. Doch in Unterzahl traf Lars Kratzenberg zum vielumjubelten Fredenbecker Siegtreffer. Aber es blieben noch 15 Sekunden für den Ausgleich. HHB-Akteur Artjom Antonevtich wurde auf Rechtsaußen freigespielt und kam relativ frei zum Wurf. Er scheiterte aber am VfL-Keeper Edgars Kuksa. Der Rest war grenzenloser Jubel auf Fredenbecker Seite und blankes Entsetzen bei den Gastgebern. Deren Trainer Jürgen Bätjer konnte es kaum fassen: „Es war das vierte enge Spiel in dieser Saison und erneut sind wir die Gelackmeierten.“ Somit verschärft sich die Krise der HHB nach der zweiten Niederlage in Serie und dem aktuellen Tabellenrang zwölf. Nur das um drei Treffer bessere Torverhältnis gegenüber der HG Hamburg-Barmbeck bewahrt die Niedersachsen vor einem Abstiegsplatz.

An der Spitze gab es wieder einen Führungswechsel. Der HSV Hamburg konnte sich auch dank der sieben Treffer des 17-jährigen Leif Tissier bei Empor Rostock 31:25 durchsetzen und profitierte vom einigermaßen überraschenden Punktverlust des TSV Altenholz bei der TSV Burgdorf II. Die hatte zuletzt noch beim HSV heftige Prügel bezogen und rehabilitierte sich für den schwachen Auftritt von vor einer Woche. „Der Wille und die Moral stimmten. Wie aber auch schon in den Spielen zuvor, fehlte uns in der entscheidenden Phase der Killerinstinkt, um die Partie zu unseren Gunsten in die richtige Bahn zu lenken“, sagte der Altenholzer Trainer Mirko Baltic der Eckernförder Zeitung.

Staffel Ost: Rote Teufel bekommen böse auf die Hörner

Das tat weh: Tabellenführer SG Leutershausen bekam überraschend deutlich mit 20:30 beim Northeimer HC ordentlich was zwischen die Hörner. „Heute sind wir leidenschaftlich überrollt worden. Das sind wir zu entspannt angegangen und wollten routiniert spielen — das hat nicht geklappt“, wetterte Trainer Marc Nagel unmittelbar nach Abpfiff. Derweil wurden die Gastgeber ihrem Image als frecher Aufsteiger wieder einmal gerecht. „Das war der größte Erfolg in der Geschichte des Northeimer HC“, jubelte selbst der erfahrene Trainer Carsten Barnkothe gegenüber der Göttinger Zeitung. Torjäger Sören Lange, auf dessen Konto sechs Treffer, und unter anderem auch der in Handballteams immer sehr beliebte 30., gingen, hielt den Ball betont flach. „Mit diesem Saisonstart konnte man nicht rechnen.“ Ziel bleibe aber weiterhin der Klassenerhalt.

Derweil ist Eintracht Baunatal nach drei Siegen wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Immer noch knapp besetzt, hielten die Schützlinge von Trainer Mirko Jaissle bei den MSG Falken Groß-Bieberau bis zur Halbzeit (10:12) ordentlich mit. Nach dem Seitenwechsel war man dem Druck der Gastgeber nicht mehr gewachsen und verlor das Duell Nordhessen gegen Südhessen mit 21:28. Die Falken feierten insgesamt den dritten Saisonsieg und nutzten den Aufwind aus dem Derbyerfolg gegen den TV Gelnhausen, um langsam aber sicher wieder an die Mittelfeld-Armada heranzugleiten.

Staffel West: Die Betonmischer von Ferndorf

Vor über 1000 Zuschauern entwickelte sich in der Stählerwiese in Kreuztal im Spitzenspiel ein zähes Ringen zwischen Tabellenführer TuS Ferndorf und Verfolger HSG Krefeld. Am Ende siegten die Siegerländer mit 22:17 und zementieren auch durch die sieben Treffer von Youngster Mattis Michel die Tabellenführung. Ferndorf bleibt der einzige Drittligist, der noch keinen Zähler abgeben musste. Die Gäste aus Krefeld machten den Hausherren jedoch das Leben extrem schwer, ließen in den ersten zehn Spielminuten keinen Ferndorfer Treffer zu und lagen folgerichtig 3:0 in Front. Auf beiden Seiten konnten sich die Keeper Kai Rottschäfer und Philip Ruch über die gesamte Spielzeit auszeichnen. Am Ende hatte der Ferndorfer Schlussmann Rottschäfer einige wenige Paraden mehr auf seinem Konto. Neben diesem kleinen Vorteil zwischen den Pfosten hatte Ferndorf an diesem Tag auch Mattis Michel. Der frühere Jugendnationalspieler traf satte sieben Mal vom Kreis und war erst vor dieser Saison aus der A-Jugend in den Drittliga-Kader aufgerückt. „Wir sind wirklich nicht gut in die Partie gekommen, vor allem offensiv. Wir haben einfach zu viel quer gespielt, zu wenig Tiefe gesucht, wir waren zu sorglos im Angriff. Die Deckung passte, Kai hat stark gehalten. Am Ende halten wir den Gegner bei 17 Toren, das ist schon eine gute Leistung insgesamt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir im Angriff und im Gegenstoß souveräner auftreten müssen – gerade im Hinblick auf das Spiel in Dormagen“, so das Fazit von Trainer Michael Lerscht. Sein Gegenüber Olaf Mast bilanzierte: „Unsere Defensivleistung war nahe am perfekten Spiel. Wir hatten den Primus genau da wo wir ihn haben wollten. Leider waren es am Ende unsere ausgelassenen 100%igen Torchancen, die uns um den verdienten Lohn gebracht haben.“

Süd: Die Raubtiere machen Beute

Nach Niederlagenserien fällt es oftmals schwer, weiter an die eigene Stärke zu glauben. So hatten die Panther des TuS Fürstenfeldbruck und die Echazkrokodile des VfL Pfullingen einige bittere Wochen zu überstehen. Doch die Panther bissen in einem am Ende hektischen Duell gegen die TGS Pforzheim zu und gewannen 33:32. Den entscheidenden Biss setzte Johannes Stumpf mit der Schlusssirene, als er einen Siebenmeter am Gäste-Keeper eiskalt vorbei warf. Die ohnehin schon stimmungsgeladene Wittelsbacher Halle verwandelte sich in ein Tollhaus. "Ein geiles Spiel", entfuhr es Panther-Coach Martin Wild gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Ebenfalls Grund zum ausgelassenen Jubel hatte der VfL Pfullingen. Die Echaz-Krokodile rangen Drittliga-Dino SG Köndringen/Töningen nieder und feierten die Punkte zwei und drei. Nach den vielen unglücklichen Punktverlusten in den vergangenen Wochen übermannte es VfL-Coach Till Fernow gegenüber der Südwest Presse: „Da bist du Letzter und die Fans unterstützen einen so toll. Danke. Der Einsatz und der Wille, endlich zu gewinnen, waren vorhanden, aber es war unser schlechtestes Spiel und das haben wir gewonnen. Die beiden Punkte geben Sicherheit. Da führten wir mit sechs Toren und mussten erneut bangen, da der Kopf mitspielte. Wir hatten aber eine stabile Abwehr, das war entscheidend. Dennoch können und müssen wir viel besser spielen.” Vor eigenem Anhang schaffte es das Fernow-Team endlich einmal, eine gute Startphase auch in Zählbares umzumünzen. Übrigens scheint sich Köndringen/Teningen zum Pfullinger Lieblingsgegner zu entwickeln. In fünf Duellen holte der VfL die maximale Ausbeute. Demensprechend grantelte SG-Trainer Ole Andersen: „Der VfL ist unser Angstgegner, es war ein verdienter Sieg, wir waren viel zu nervös.“ Übrigens machte auch in diesem Spiel wieder ein 17-jähriger auf sich aufmerksam. Axel Goller spielte aufgrund der Verletzung von Christian Jabot durch und markierte vier blitzsaubere Treffer.

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