Die japanische Nationalmannschaft. Foto: Verband

10.11.2017 · Slider, Home, Frauen Nationalteam · Von: GJ

Japan will bei der WM kreativ denken

"Ein bisschen Jetlag habe ich noch. Aber irgendwann gewöhne ich mich vielleicht daran", sagt Ulrik Kirkely, der zwischen Dänemark und Japan pendelt. Der Däne ist seit Juni 2017 Trainer der japanischen Handball-Nationalmannschaft, die im Dezember an der Weltmeisterschaft in Deutschland teilnimmt. Neuland ist der Einsatz in Fernost jedoch nicht. "Ich war zwischen 2009 und 2012 Männertrainer im Bahrain und Saudi Arabien. Bei den Asienmeisterschaften sind wir auch immer auf die Japaner getroffen. Zu deren Verband habe ich seitdem einen guten Draht, den ich auch als Co-Trainer der dänischen Nationalmannschaft aufrechterhalten habe. Als ich dort dann aufgehört habe, kam das Angebot aus Japan. Mein Vertrag läuft nun bis 2020 und mich erwarten viele spannende Projekte", so Kirkely.

Die Weltmeisterschaft in Deutschland soll nur der erste Schritt auf einer langen und hoffentlich erfolgreichen Reise für sein japanisches Team sein. "Wir tragen 2019 die Weltmeisterschaft aus. Ein halbes Jahr später sind dann die Olympischen Spiele in Tokyo. Das wird mit Sicherheit ein Riesenspektakel für uns alle", sagt der 45-Jährige.

Die ersten Trainingseinheiten mit den besten japanischen Handballerinnen hat er schon lange hinter sich und seine größten Ziele hat er klar formuliert: "Als allererstes müssen wir mit unserer Physis arbeiten. Wir sind den Europäern einfach in Größe und Stärke unterlegen. Außerdem möchte ich gerne, dass viele meiner Spielerinnen nach Europa kommen und dort Handball spielen. Ganz wichtig ist aber, dass mein Team lernt, in internationalen Spielen die japanische Höflichkeit abzulegen, sonst haben wir keine Chance", schmunzelt der Trainer.

Handball ist in Japan eigentlich sehr populär. "Natürlich stehen vor allem die Kampfsportarten an erster Stelle. Es gibt aber viele Handballer und eine recht starke Liga. Die besten Mannschaften könnten im unteren Drittel der Bundesliga mithalten. Die Spielerinnen sind fast alle Halbprofies. In Japan gibt es ganz viele Firmen-Mannschaften. Die Spielerinnen arbeiten also vormittags und trainieren nachmittags in der "Werkssieben". Das Trainingsniveau ist sehr gut. Es wird oft härter trainiert als in Europa. Aber die Physis der Asiatinnen macht eben oft einen Strich durch die Rechnung", erklärt Kirkely.

Für die WM und die darauf folgenden Aufgaben hat sich der Däne eine Strategie zurechtgelegt: "Wir dürfen eben nicht gucken, was wir nicht können, sondern welche Möglichkeiten haben wir. Wir müssen versuchen, einen anderen Handball zu kreieren, mit dem wir die besseren Mannschaften überraschen können."
Und auch wenn seine Mannschaft noch sehr jung ist, verlangt der Verband Ergebnisse. "Jedem in Japan ist klar, dass wir als Underdog zur WM fahren. Aber wenn wir es schaffen, die engen Spiele für uns zu entscheiden und vielleicht einen der Europäer zu schlagen, können wir uns Hoffnungen auf das Achtelfinale machen. Das ist unser Ziel. Anders als die anderen Teams, dürfen wir uns aber keinen "off-day" leisten. 

Die Japaner spielen mit Russland, Dänemark, Brasilien, Montenegro und Tunesien in einer schweren Gruppe. Deswegen beginnt ab dem 9. November in Japan die Vorbereitung. "Wir sind in Asien schon etwas verwöhnt, was Lehrgangstage betrifft. Mir stehen im Schnitt 100 Tage im Jahr zur Verfügung. Die müssen wir nun richtig nutzen", so Kirkely.

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