Kreisläuferin Julia Behnke. - Foto: Sascha Klahn

12.11.2017 · Slider, Home, Nationalteams · Von: bp

„Ein bisschen Träumerei“ - Julia Behnke im Interview

Konstant nach oben – so kann man die Entwicklung von Julia Behnke am besten beschreiben. Die 24-Jährige von der TuS Metzingen hat sich in den vergangenen beiden Jahren zu einer Führungsspielerin bei den Biegler-Ladies entwickelt.

Nachdem die Kreisläuferin bei der WM 2015 in Dänemark ihr erstes großes Turnier bestritt, war sie bei der EHF EURO 2016 in Schweden eine der Leistungsträgerinnen und Garantinnen für den sechsten Platz. In Dresden absolviert sie gegen Island ihr 41. Länderspiel (Tickets via dhb.de/tickets). Mit Metzingen erreichte Behnke zudem 2016 das Finale und 2017 das Halbfinale des EHF-Pokals, war Vizemeisterin 2016 und Pokalfinalistin 2017. Nun wartet der Höhepunkt mit der Heim-Weltmeisterschaft im Dezember (Karten unter germanyhandball2017.com/tickets). In diesem Interview äußert sich die Industriekauffrau über Vorfreude, Vorbereitung und das „bisschen Träumerei“ im Vorfeld der Weltmeisterschaft.

In 19 Tagen ist es so weit – am 1. Dezember steigt in Leipzig das Eröffnungsspiel der Heim-WM gegen Kamerun. Zählen Sie schon die Stunden oder Tage?
Julia Behnke: "Es ist auf jeden Fall eine wahnsinnige Vorfreude. Die Zeit ist in den letzten Monaten – seit der erfolgreichen EM 2016 - so schnell vorbeigegangen, aber jetzt sind wir natürlich auch angespannt, dass es losgeht. Jede Spielerin hat ihre Hausaufgaben bekommen, und da wir deutlich mehr Tage gemeinsam hatten, geht die Zeit noch schneller vorbei. Seit unserem Lehrgang in Sölden ist jede Spielerin komplett im WM-Modus. Und ich denke auch, dass die Mannschaft seit der EM einige große Schritte nach vorn gemacht hat."

Was sind denn Ihre Hausaufgaben gewesen?
Julia Behnke: "Vor allem, dass ich meinen Abschluss verbessere und weiterhin an der Aggressivität in der Deckung arbeite. Dazu kommt natürlich die Athletik, wir müssen auf den Punkt fit sein. Die Spielerinnen kommen mit unterschiedlichen Belastungen zum Nationalteam, speziell, wenn sie neben der Liga noch im EHF-Pokal oder der Champions League auflaufen. Daher ist es wichtig, bis zum WM-Start auf einem Stand in Sachen Athletik zu sein."

Wie bewerten Sie Ihre Entwicklung seit der EM 2016?
Julia Behnke: "Speziell in der Abwehr habe ich mich sehr weiterentwickelt, da musste ich mich international schon umstellen. Zudem bin ich mittlerweile gut mit Jenny Karolius eingespielt, wir ergänzen uns am Kreis sehr gut. Und auch in der Offensive hat mich die internationale Erfahrung weitergebracht."

Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass Sie mit Metzingen konstant international spielen?
Julia Behnke: "Das hilft enorm. Ich habe zwar noch keine Champions League gespielt, aber im neuen Spielmodus des Europapokals mit Gruppenphase, sind Mannschaften aus der Champions League, wie Rostov Don in diesen Wettbewerb gelangt. Da waren schon einige Gradmesser für uns dabei."

In Metzingen spielen mit Anna Loerper und Shenia Minevskaja zwei weitere deutsche Nationalspielerinnen, dazu kommen noch Niederländerinnen, eine Polin und eine Serbin. Bedeutet das auch, dass die WM auch im Klub das große Thema ist?
Julia Behnke: "Ja klar, gerade seit dem Start dieser Saison herrscht da eine richtige WM-Euphorie. Während der WM sind nicht mehr viele Spielerinnen bei uns im Klubtraining. Und zum Spiel gegen die Niederlande, bei dem dann auch Jasmina Jankovic, Kelly Vollebregt und Delaila Amega im Kader stehen, kommt ein Teil der Mannschaft nach Leipzig. Für unsere Nationalmannschaft ist es natürlich von Vorteil, dass wir eingespielte Achsen aus den Vereinen haben." 

Werden denn auch viele Ihrer Freunde und Verwandten zu den WM-Spielen kommen?
Julia Behnke: "Ja, da haben sich schon viele Karten gesichert, an jedem Tag ist irgendjemand da. Und da ein Teil meiner Familie aus Dresden kommt, sind auch beim Test gegen Island schon einige in der Halle."

Inwieweit haben Sie sich schon mit den Vorrundengegnern befasst?
Julia Behnke: "Bundestrainer Michael Biegler hat da seine sehr eigene Art: Die Mannschaft wurde in Gruppen aufgeteilt, und jede Gruppe stellte beim vergangenen Lehrgang einen Gegner vor – allerdings nicht, was Handball oder Taktik betrifft, sondern es ging um Kultur, Land und Leute. Ich war in der Südkorea-Gruppe. Taktisch steht natürlich erst einmal Kamerun im Fokus, und dann geht es von Spiel zu Spiel – aber vorrangig schauen wir erst einmal auf uns."

Haben Sie angesichts dieser Denkweise überhaupt schon Gedanken an den großen Traum vom Finalwochenende in Hamburg?
Julia Behnke: "Erstmal gilt es, die Vorrunde möglichst erfolgreich zu überstehen. Aber Veranstaltungen wie der Tag des Handballs in Hamburg oder die beiden Länderspiele in Magdeburg und Berlin im Doppelpack mit den Männern sorgen natürlich dafür, dass du dir ausmalst, wie es ist, in einem Halbfinale oder Finale vor einer so großen Kulisse zu stehen. Ein bisschen Träumerei hat man dann ja schon."

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