Louise Burgaard, Spielerin der dänischen Nationalmannschaft, will auch bei der WM in Deutschland jubeln. . Foto: Pillaud

12.11.2017 · Slider, Home, Nationalteams · Von: GJ

An der Weltspitze anklopfen

Klavs Bruun Jørgensen ist seit 2015 Cheftrainer der dänischen Nationalmannschaft. Zuvor hat der Linkshänder 185 Länderspiele für Dänemark absolviert und in verschiedenen dänischen Vereinen gespielt. Ein Jahr Deutschland-Erfahrung hat er auch, denn 1998 schlug er sein Lager für ein Jahr in Wallau-Massenheim auf. "Ich habe viele gute Erinnerungen an Deutschland, selbst zu Trainingsspielen war die Halle voll mit Zuschauern. Ich weiß, dass Deutschland sehr handballbegeistert ist und freue mich daher umso mehr auf die Weltmeisterschaft in unserem Nachbarland", so Jørgensen. 

Dass die Dänen nun nicht in einer grenznahen Stadt, aber in Oldenburg spielen, ist für ihn kein Problem. "Ich glaube, dass trotzdem viele unserer Fans kommen werden. Seit unserem guten Abschneiden bei der Europameisterschaft ist der Frauenhandball wieder im Aufwind", sagt der Däne. Der vierte Platz im vergangenen Jahr war eine große Erleichterung für Trainer und Team, die ansonsten einen holprigen Start hatten. "Am Anfang bekam ich ziemlich viel Gegenwind von der Presse. Viele fanden, dass ich nur hart und oft zu hart mit meinen Spielerinnen umgegangen bin. Wer mich aber kennt, weiß, dass ich auch eine andere Seite habe. Ich will am liebsten in Ruhe und ohne Presse mit meiner Mannschaft arbeiten. Das geht in Dänemark aber nicht. Die Spielerinnen haben sich am Anfang von der Presse beeinflussen lassen und hatten zu großen Respekt vor mir. Respekt haben sie immer noch, aber sie trauen sich inzwischen, zu mir zu kommen, um mit mir über alle Dinge zu reden. So soll es auch sein", erklärt Jørgensen, der vor der Station als Nationaltrainer der Frauen nur Männermannschaften trainierte.

"So große Unterschiede gibt es da gar nicht. Nicht nur Frauen, auch viele Männer brauchen Vertrauen und sind nach manchen meiner Entscheidungen traurig. Die Physis ist sicherlich anders. Aber man muss nun nicht die ganze Zeit Händchen halten, wie viele Männerkollegen vielleicht vermuten", schmunzelt er. 
1996, 2000 und 2004 gewannen die Däninnen die olympische Goldmedaille. Da will Jørgensen wieder hin. "Wenn die Mannschaft so zusammen bleibt, glaube ich, dass wir eine Halbfinal-Mannschaft werden und Medaillen gewinnen können. Ob aber nach dieser Generation gute, junge Spielerinnen nachkommen, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass der dänische Verband weiter gut in den Nachwuchshandball investiert", so der 43-Jährige. 

Zu seinen Schlüsselspielerinnen gehören unter anderem Torhüterin Sandra Toft, Maria Fisker und Line Jørgensen. Alle drei Handballerinnen spielen oder haben im Ausland gespielt. "Ich finde es für die Entwicklung jeder Einzelnen wichtig, dass sie nicht nur die dänische Liga kennen. Internationale Erfahrungen helfen uns, in den wichtigen Spielen bei einer Welt- oder Europameisterschaft die richtigen Entscheidungen zu treffen und zu bestehen. Der Gewinn der dänischen Meisterschaft hilft da nicht wirklich weiter", so der Däne. 

Die Gruppe der Dänen bei der WM (Dänemark, Russland, Brasilien, Montenegro, Japan, Tunesien) flößt dem Trainer Respekt ein. Angst hat er dennoch keine. "Ich glaube, dass wir jedes Spiel gewinnen können. Aber bei einer WM kommt es immer auf die Tagesform an. Am schwierigsten finde ich die K.O.-Spiele. Hier können wir bereits auf Holland oder Deutschland treffen. Beide Mannschaften sind sehr starke Gegner. 

Aber Jørgensen wäre nicht Jørgensen, wenn er sich nicht schon auf Hamburg freuen würde, denn da finden Halbfinale und Finale der Weltmeisterschaft statt. 

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