Eine eher untypische Kulisse für eine WM-Qualifikation. - Foto: DHB

12.04.2018 · Home, Nationalteams, Juniorinnen Nationalteam · Von: cg/jp

Blick hinter die Kulissen: Reisetagebuch Island Jens Pfänder

Zwei Wochen nach der erfolgreichen WM-Qualifikation auf Island gibt Jens Pfänder, Trainer der weiblichen U20-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes, einen Einblick in die ungewöhnliche Reise.

Von gemeinsamen Wischaktionen über Übelkeit bei Fährenfahrten bis hin zu Schokofondues hat die Mannschaft einiges erlebt.

Sonntag, 18. März - Anreise Kienbaum und erstes Training:

Schon die Anreise zu den Lehrgängen lässt sich schwer planen - Wenn ich morgens losfahre, habe ich immer eine ganze Menge Nachrichten auf dem Handy. Die erste kam um 8.30 Uhr: „Ich komm‘ zu spät, habe gerade meinen Anschlusszug verpasst“.

Die Trainingseinheit haben wir wegen der Verspätungen auf 17 Uhr geschoben, das hat für einige trotzdem nicht gereicht. Eine Spielerin habe ich noch nachts um 0.20 Uhr am Bahnhof abgeholt, da lagen alle anderen schon im Bett. Entsprechend hat der Lehrgang mit den üblichen Begleiterscheinungen begonnen.

Montag, 19. März - Lehrgang Kienbaum:

Wir mussten häufiger wischen: Beim Training arbeiten wir unter anderem mit sogenannten Air-Bodies. Die sind mit Wasser gefüllt und das ein oder andere Mal laufen sie schon mal aus, wenn wir mit denen arbeiten. Deswegen waren wir auch damit beschäftigt, den Boden zu schrubben.

Sportlich ging es beim Training vor allem darum, mannschaftstaktische Dinge aufzuholen und die Mädels auf alle Eventualitäten in den Spielen vorzubereiten.

Dienstag, 20. März - Lehrgang Kienbaum:

Für das Spiel der Frauen-Nationalmannschaft gegen Spanien haben die Mädels einen Videogruß aufgenommen. Dafür haben sich alle im Kreis um das Handy herum aufgestellt, von dem aus das Video aufgenommen wurde. Das war ganz lustig, wir als Trainerteam haben das Ganze dokumentiert.

Wieland Schmidt (Torwarttrainer) und Claudia Reidick (Psychologin) sind abgereist, dafür sind abends Jelena Braun, unsere Videoanalystin, und Egbert Mehlhorn, unser Arzt, dazugekommen. Damit sind wir startklar für die Reise!

Mittwoch, 21. März - Reise nach Reykjavik:

Nach einer anspruchsvollen Reise sind wir nachmittags bei der Jugendherberge angekommen. Erster Gedanke: Wo sind wir hier gelandet? Von außen sah das Gebäude eher grenzwertig aus, von innen hat es sich dann aber doch als ziemlich stylisch erwiesen.

Abends war die erste Trainingseinheit auf Island. Die war zeitgleich zum Länderspiel der Frauen, das haben wir dann parallel zum Training auf meinem Tablet im Livestream laufen lassen. Jelena und Eckbert haben uns mit Zwischenständen versorgt.

Ein besonderes Highlight war der frische Fisch zum Abendessen, denn die Unterkunft lag in Nähe des Hafens. Außergewöhnlich war aber auch die Zimmereinteilung, denn alle 16 Spielerinnen waren in einem Raum untergebracht! Das war dann auch eine Art des Teambuildings.

Donnerstag, 22. März - Weiterreise zur Insel:

Morgens wurden wir mit dem Bus durch die verschiedensten Landschaften zur Fähre gebracht. Die bewegte sich bei 4-5 m Wellenhöhe (!) durch den Nordatlantik, um zu unserem Zielort, der Insel Vestmannyar, zu kommen. Da niemand eine Reisetablette genommen hatte, haben alle eine nicht ganz so schöne Quittung dafür bezahlt.

Während die Mädels eine wirklich notwendige Regenerationspause hatten, bin ich auf einen der beiden Vulkane der Insel gelaufen. Nachdem ich Bilder von der unglaublichen Landschaft in unsere WhatsApp-Gruppe geschickt habe, sind alle nochmal raus zum Spazieren, bevor es zum Training ging. Danach war dann deutlich zu spüren, dass jetzt alle bereit und fit sind für die EM-Qualifikation.

Freitag, 23. März - Spiel gegen Litauen:

Spieltag! Morgens sind wir wieder zur Trainingshalle gelaufen, die nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt nah am Vulkan situiert war. Vor dem Spiel gab es einen poetischen Reim von Elisa Stuttfeld, einer unserer Spielerinnen, zur Einstimmung auf den Gegner. Leider hat sie sich dann im Spiel am Knie verletzt. Dadurch ist die Mannschaft allerdings nochmal um einiges zusammengerückt.

Samstag, 24. März - Spiel gegen Island:

Vor der Partie bin ich auf den zweiten Vulkan, dieses Mal war es allerdings nochmal kälter: Ich konnte kaum die Kamera festhalten. Dafür war aber die Sicht auch besser, Island war deutlich hinter den Inseln zu erkennen.

Nach dem Sieg am Nachmittag gegen Island und der damit verbundenen WM-Qualifikation haben wir abends das EM-Qualifikations-Rückspiel der Frauen gegen Spanien im gemütlichen Beisammensein angeschaut. Dabei haben die Mädels ein Schoko-Fondue gemacht, zu dem alle etwas beigetragen haben. Diesmal durfte das Trainerteam auch dabei sein.

Die folgende Videobesprechung für das letzte Spiel gegen Mazedonien bildete den Tagesabschluss für die Mädels. Im Anschluss sind Egbert Mehlhorn und ich noch einem Tipp unseres isländischen Betreuers Magnus gefolgt und besuchten die ortsansässige Brauerei. Samstagabends ist diese „der Treff“ für Jung und Alt und alle Gäste der Insel! Eine gute Gelegenheit, etwas über Vestmannyar zu erfahren.

Sonntag, 25. März - Spiel gegen Mazedonien:

Die Partie gegen Mazedonien war um 10.30 Uhr, deswegen mussten wir schon um 7 Uhr frühstücken und organisatorische Dinge für die Zeit nach dem Spiel planen. Für unsere Homepage und die sozialen Medien haben die Mädels noch einen letzten Siegerselfie in der Kabine geschossen. Hinterher gab es ein gemeinsames Essen mit allen Mannschaften, dann mussten die Zimmer geräumt werden.

Während die Mädels noch einen Spaziergang machten, erhielt ich die Nachricht, dass die Fähre zurück nach Island heute den kürzeren Weg nehmen könne, was neben dem an diesem Tag ruhigeren Atlantik natürlich bei allen für Erleichterung gesorgt hat!

Montag, 26. März - Rückreise:

Sehr früh morgens (3 Uhr!) ging es zum Flughafen, wo wir uns mit Übergepäck und Gewichtsverteilung herumschlagen mussten - und sich zum Schluss rausstellte, dass wir doch Übergepäck angemeldet hatten. Ein letzter kleiner Aufreger.

Rückblickend war die Reise sowohl sportlich als auch kulturell sehr beeindruckend. Wann hat man schon die Chance, auf diese Insel zu kommen?

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