Mark Schober (links) und Andreas Michelmann bei der DHB-Präsentation beim Kongress in Glasgow. - Foto: Björn Pazen

21.06.2018 · Slider, Home, Verband · Von: BP

„Wir haben Historisches geleistet“ – DHB-Präsident Michelmann und Vorstandsboss Schober zur EM-Vergabe 2024

Der Jubel im deutschen Lager war riesig im Hilton Glasgow, als am Mittwoch auf der großen Anzeigetafel beim EHF-Kongress das Abstimmungsergebnis zur Männer-EM 2024 erschien: Deutschland 27 Stimmen, Dänemark/Schweiz 19 Stimmen. Somit findet erstmals eine Männer-EURO in Deutschland statt. In diesem Interview äußern sich DHB-Präsident Andreas Michelmann und der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober zur erfolgreichen Bewerbung des Deutschen Handballbunds.

Herr Michelmann, Herr Schober, der Deutsche Handballbund hat den Zuschlag für die Männer-EURO 2024 erhalten. Wie groß ist Ihre Freude und wie sicher waren Sie sich, dass Deutschland EM-Gastgeber wird?
Andreas Michelmann: Ich bin überglücklich, denn die Entscheidung war offen bis zum Schluss. Mit dem Schachzug, dass Dänemark und die Schweiz ihre Bewerbung für 2022 zurückgezogen hatten, wurde es natürlich nochmals spannender. Und dann hat unser letzter verbliebener Konkurrent eine sehr gute Präsentation gezeigt. Daher war der Jubel bei uns umso größer, als die Entscheidung feststand. Es war die knappste Entscheidung beim Kongress, aber im Endeffekt war es doch recht deutlich. Wir freuen uns auf die EM, aber auch die vielen Glückwünsche, die uns gleich nach der Abstimmung erreichten, haben gezeigt: Ganz Europa freut sich auf die erste Männer-EM in Deutschland.
Mark Schober: Ich bin super-glücklich, aber auch richtig platt, denn die letzten Tage und Wochen waren richtig anstrengend - nicht nur für mich, sondern unser ganzes, fast 20 Leute umfassendes Team. Unsere ganze Lobbyarbeit im Vorfeld hat sich bezahlt gemacht. Ich war mir zu keinem Zeitpunkt, zu keiner Sekunde sicher, dass wir den Zuschlag bekommen. Natürlich waren unsere Chancen gestiegen, als Ungarn/Slowakei den Zuschlag für 2022 bekommen hatte. Aber das Endergebnis von 27:19 zeigt, dass vier Stimmen entscheidend waren. Insgesamt haben wir heute Historisches geleistet, denn wir haben die erste Männer-EM nach Deutschland geholt, darauf dürfen wir unglaublich stolz sein.

Was waren Ihrer Meinung die Argumente, die letztlich für Deutschland sprachen?
Andreas Michelmann: Wir konnten mit Sachthemen ebenso überzeugen wie mit unserer Präsentation. Vorrangig war es das Konzept mit großen Hallen, der tollen Infrastruktur und einer guten Erreichbarkeit aus ganz Europa sowie der guten Verbindungen innerhalb Deutschlands. Alle Hallen haben eine Kapazität von über 10.000 Fans, und wir wollen den Zuschauer-Weltrekord mit dem Eröffnungsspiel in Düsseldorf brechen.
Zudem glaube ich, dass die Bundesliga mit ihrer großen Anziehungskraft auch für ausländische Spieler ein Kriterium war. Und alle wussten, welche große Handballbegeisterung es in Deutschland gibt. Taktisch war es klug, im Vorfeld der Abstimmung unsere Nachbarn im Westen, als auch die Verbände vom Balkan und aus der ehemaligen Sowjetunion auf unsere Seite zu bringen. Dazu haben wir die Finalturniere um den DHB-Pokal in Hamburg und der Champions League in Köln sowie die Doppelländerspiele in München als Plattformen genutzt. Wir haben sehr intensive Überzeugungsarbeit geleistet.
Mark Schober: Ich denke auch, dass unsere Sachthemen entscheidend waren. Die Kongressteilnehmer haben unsere Vision für 2024 verstanden und verinnerlicht, dass eine EM in Deutschland eine gute Lösung für den gesamten europäischen Handball ist, dass wir eine EM organisieren werden - mit 24 Teams in einem Land, wie es sie noch nie gegeben hat.

Wie wichtig war dann die Präsentation beim Kongress selber?
Andreas Michelmann: Wir konnten mit Überraschungsmomenten punkten, wie zum Beispiel dem Auftritt von Filip Jicha, der seinem blauen Auge die Verbandsvertreter gleich für sich gewinnen konnte,  oder den Tickets für das Eröffnungsspiel unter den Stühlen der Kongressteilnehmer. Zudem haben wir in unserem Bewerbungsvideo andere über uns sprechen lassen, wie Alfed Gislason, Domagoj Duvnjak oder Henk Groener, auch das kam gut an.
Mark Schober: Entscheidend waren die Emotionen, unsere wichtigsten Ideen und Ziele hatten wir im Vorfeld kommuniziert. Unsere Präsentation sprach die Emotionen an - und wir haben vielleicht die Unentschlossen damit überzeugen können. Im Endeffekt war es das Gesamtpaket aus Fakten, Emotionen und unserem Auftritt, das entscheidend war. Aber auch die anderen Bewerber haben sich sehr gut präsentiert, Dänemark/Schweiz setzte auch sehr auf Emotionen. Alle Länder, die sich beworben hatten, hatten genau so viel in ihre Bewerbungen reingesteckt wie wir. Vor allen habe ich großen Respekt.

Wird diese Entscheidung nun Auswirkungen auf die gemeinsame Weltmeisterschaft 2019 von Dänemark und Deutschland haben?
Mark Schober: Nein, das können alle Beteiligten sehr gut trennen. Das ist wie auf dem Handballfeld, es geht fair, bodenständig und sportlich zu. Wir kennen uns sehr gut, wir arbeiten ganz normal weiter, das ist in der Handball-Familie eben so. Da tritt keiner nach. Die Funktionäre - die ja häufig kritisiert werden - arbeiten in ganz Europa an der Sache und wollen den Handball voranbringen. Da gibt es untereinander keine Probleme.

Wie geht es nun weiter?
Andreas Michelmann: Nun steht erst einmal die Männer-WM mit Dänemark im Januar auf dem Programm. Wir haben bei der Frauen-WM 2017 schon viele Erkenntnisse als Organisator gesammelt, werden dies bei der Männer-WM 2019 mit Blick auf die EM 2024 intensivieren. Das Wichtigste ist: Wir halten die Maschine am laufen, wir haben ein eingespieltes Team - und wir werden uns auf internationalem Terrain weiter präsentieren: Zum Beispiel wollen wir uns um den IHF-Kongress 2021 bewerben.
Mark Schober: Andreas Michelmann hat Recht: Wir haben das Know-how und das Organisationsteam für große Turniere aufgebaut. Erst Frauen-WM, dann Männer-WM, nun EM 2024 - und richtig: Wir werden uns mit dieser Erfahrung auch für andere Events, also auch Nachwuchsmeisterschaften, bewerben.

Somit scheint alles bereitet für eine tolle EM 2024?
Mark Schober: Das stimmt, aber wir wollen noch ein Sommermärchen zu unserem Wintermärchen haben. Daher drücken wir natürlich dem Deutschen Fußball-Bund ganz fest die Daumen, dass auch die Fußball-EM 2024 nach Deutschland kommt. Danke an den DFB-Präsidenten in diesem Zusammenhang, der einer der Ersten war, der uns zur EM gratuliert hatte.

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