Ob und wann Kapitän Uwe Gensheimer zur Mannschaft stößt, ist noch ungewiss. - Foto: Sascha Klahn.

11.01.2017 · Home, Nationalteams, Männer Nationalteam · Von: SID

Gensheimer-Personalie noch ungewiss

Die "Bad Boys" sind voller Hoffnung, aber auch mit Sorgen um ihren Kapitän im Gepäck in ihre Medaillen-Mission nach Frankreich gestartet. Der Einsatz von Kapitän Uwe Gensheimer steht auf der Kippe.

 

Ein Platz im Bus blieb leer. Kapitän Uwe Gensheimer fehlte, als die deutschen Handballer am Mittwoch um 12.32 Uhr in ihr WM-Abenteuer starteten. Kurz vor Beginn der deutschen Medaillen-Mission in Frankreich ist völlig unklar, ob und wann der Weltklasse-Linksaußen nach dem unerwarteten Tod seines Vaters zur Mannschaft stößt.

"Uwe hat alle Zeit der Welt. Die Entscheidung trifft er ganz alleine", sagte Teammanager Oliver Roggisch vor der Abfahrt. Man stehe "in engem Kontakt mit ihm, aber es gibt noch keinen neuen Stand". Gensheimers Einsatz im deutschen Auftaktspiel am Freitag (17.45 Uhr/handball.dkb.de) steht auf der Kippe.

Entsprechend sorgenvoll blickte Bundestrainer Dagur Sigurdsson drein, als er in Trainingsjacke und Jeanshose als Erster den deutschen Teambus bestieg. Gensheimer hatte das Lager des Europameisters nach dem Trauerfall in der Familie bereits am Wochenende verlassen. Auch die WM-Generalprobe gegen Österreich am Montag fand ohne den Star von Paris St. Germain statt.

Die WM in Frankreich wird nicht erst durch das drohende Gensheimer-Fehlen zu einer Reise ins Ungewisse. Die Vorzeichen haben sich komplett umgekehrt: Der unterschätzte Underdog, der vor Jahresfrist in Polen sensationell Europameister wurde, ist plötzlich neben Gastgeber Frankreich und Olympiasieger Dänemark Titel-Favorit Nummer eins.

"Es geht jetzt nicht darum, die Vorrunde zu überstehen, dann vielleicht ins Viertelfinale zu kommen und das dann als Erfolg zu werten", sagte Wolff: "Das Halbfinale ist jetzt das Minimum." Sigurdsson formuliert es anders: "Man muss mit beiden Rollen umgehen können, und das können wir."

Einen ersten Beweis lieferte die DHB-Auswahl mit Olympia-Bronze in Rio. Zum Abschied von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, der nach der WM nach Japan wechselt, soll nun der nächste Schritt folgen.

"Vieles muss dafür perfekt laufen", sagte Roggisch: "Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu." Der Fokus liege zunächst voll auf der Vorrunde. "In der Knock-Out-Phase ist dann alles möglich, die Weltspitze ist eng zusammen", sagte Roggisch.

In der kurzen Vorbereitung deutete das Team sein Potenzial bereits an. Die Kantersiege gegen Rumänien (30:21) und Österreich (33:16) imponierten. "Logisch, dass man in den Vorbereitungsspielen schon Gas gibt, aber wenn so eine WM losgeht, dann ist das etwas anderes", sagte Roggisch, der als Weltmeister von 2007 aus Erfahrung spricht: "Da kitzelt man noch die paar Prozent mehr raus. Wir sind heiß auf das erste Spiel gegen Ungarn."

Bis Donnerstagabend muss der Bundestrainer seinen maximal 16 Spieler umfassenden WM-Kader benennen. Dabei hat er die Möglichkeit, zunächst einen Platz frei zu lassen, um diesen zu einem beliebigen Zeitpunkt aufzufüllen ("late entry"). Im Laufe des Turniers hat Sigurdsson zudem zwei Wechseloptionen, bei denen er auf Spieler des erweiterten 28-Mann-Kaders zurückgreifen kann.

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