Bianca Urbanke (li.) und Karen Heirnich feiern den WM-Titel 1993. - Foto: picture alliance

05.12.2018 · Slider, Home, Nationalteams, Frauen Nationalteam · Von: BP

Urbanke trifft, Adamik hält – heute vor 25 Jahren wurden die DHB-Frauen Weltmeister

5/12/1993 – 22:21. Diese Zahlenkombination steht für einen der größten Triumphe des deutschen Handballs. Genau heute vor 25 Jahren, am 5. Dezember 1993, wurde zum ersten (und bislang einzigen) Mal eine gesamtdeutsche Mannschaft Frauen-Handball-Weltmeister, nach zuvor drei Titeln für die DDR. 22:21 hieß es nach dem Finale gegen den großen Favoriten Dänemark in Oslo, dem ersten in der Geschichte von Frauen-Weltmeisterschaften, das nach Verlängerung entschieden werden musste.

Es war eine der größten Sensationen der Handballgeschichte durch die deutsche Mannschaft, die erstmals bei einer WM als gesamtdeutsches Team antrat, einer vom früheren DDR-Nationaltrainer Lothar Doering zusammengestellten Mischung aus Ost und West.

Mit zwei Siegen gegen Schweden (17:15) und Angola (30:8) war das Team um Bianca Urbanke, Sibylle Gruner, Andrea Bölk (Mutter der aktuellen Nationalspielerin Emily Bölk) & Co. in die WM gestartet, dann folgte im letzten Vorrundenspiel gegen die starken Rumäninnen der erste Rückschlag mit einer 21:24-Niederlage – auch eine Parallele zum aktuellen Team, das just am Montag bei der EURO-Vorrunde in Frankreich ebenfalls gegen Rumänien verlor (24:29).

Als Dritter, punktgleich mit Schweden und Rumänien, ging es seinerzeit für die Doering-Truppe in die WM-Hauptrunde. Und um ein Haar hätte es gleich zum Auftakt der zweiten Turnierphase einen weiteren Dämpfer gegeben: Weil aber Torfrau Silke Adamik mit dem Schlusspfiff einen Siebenmeter abwehrte, zitterte sich die DHB-Auswahl zu einem 22:21-Sieg über Tschechien. „Dieser Erfolg hat uns in Schwung gebracht“, sagte „Bobby“ Gruner später. Und heute? Just an jenem historischen 5. Dezember geht es für die heutige Mannschaft erneut gegen Tschechien um Alles oder Nichts – ein Remis reicht zum Einzug in die EM-Hauptrunde.

1993 folgte ein 24:12-Pflichtsieg gegen die USA - mit dem urplötzlich das Tor zum Finale wieder offenstand. Denn Österreich hatte sowohl Schweden als auch Rumänien besiegt, es kam im finalen Gruppenspiel gegen das Nachbarland zu einem echten „Finale“ um den Finaleinzug der beiden punktgleichen Teams (6:2). 1993 gab es keine Halbfinals, die Sieger der Hauptrundengruppe zogen direkt ins Endspiel ein.

Und jene Partie gegen die Stars von Hypo Niederösterreich, denen ein Remis fürs Endspiel gereicht hätte, war „der Hammer“ - darin waren sich nachher alle Beteiligten einig. Schon zur Halbzeit, beim 9:4, deutete sich ein Sieg der Deutschen an, doch die zweite Hälfte wurde zu einer Demontage der Nachbarn. „Wir haben uns in einen niemals erwarteten Rausch gespielt“, sagt Doering. Sein Team kassierte nur noch sechs Gegentreffer, traf 16 Mal, das Endergebnis lautete 25:10. Somit war der Finaleinzug geschafft - die Österreicherinnen, vor diesem Spiel Gruppenerster, rutschten auf Rang vier hinter den punktgleichen Teams aus Rumänien und Schweden ab, wurden am Ende Achter. Genau in jenem Platzierungsspiel um Rang sieben hätte die deutsche Auswahl im Falle einer Niederlage gestanden - Jubel und Tränen lagen verdammt nah beieinander.

In der Parallelgruppe konnte sich Gastgeber Norwegen trotz eines 28:23-Sieges im letzten Hauptrundenspiel gegen Dänemark nicht fürs Finale qualifizieren. Die punktgleichen Däninnen hatten das bessere Torverhältnis und profitierten von Norwegens 14:19 in der Hauptrunde gegen Russland - die einzige Niederlage des Gastgebers im gesamten WM-Turnier, das für Norwegen mit Bronze endete (20:19 im kleinen Finale gegen Rumänien).

Die DHB-Auswahl ging als klarer Außenseiter ins Endspiel, die Halle in Oslo war zudem voll und ganz in dänischer Hand. „Wir kamen mit dieser Außenseiterrolle sehr gut zurecht, das war im Nachhinein perfekt“, sagt Doering.

Zur Pause stand es 8:8 - und die Dänen waren verwundert, dass die deutschen mithalten konnten. Doch mit den Fans im Rücken wähnten sich die Skandinavier sicher, dass sie die Partie in Hälfte zwei locker entscheiden würden. Denkste! Die taktisch perfekt eingestellte DHB-Auswahl blieb immer auf Augenhöhe, ließ Dänemark nicht davonziehen. Kurz vor Schluss traf Gruner per Siebenmeter zum 17:17, den letzten dänischen Wurf wehrte Adamik ab – Verlängerung!

Führung Dänemark, Ausgleich Deutschland, Führung Dänemark, Ausgleich Deutschland - so ging es bis zum 21:21. Die Däninnen vergaben viele Chancen, während im DHB-Team Bianca Urbanke die Fäden in der Hand hielt. Sie war es auch, die sich einen dänischen Fehlpass angelte und zur ersten deutschen Führung in der Verlängerung zum 22:21 30 Sekunden vor Anpfiff traf. Als dann Adamik den letzten Wurf von Weltstar Anja Andersen entschärft hatte, war das Wunder von Oslo perfekt.

„Das war eine Sensation, damit hat niemand gerechnet“, sagt der heute 68-Jährige Doering.  Ein Jahr später, bei der Neuauflage des WM-Finales gegen Dänemark im Endspiel der ersten Europameisterschaft, drehten die Skandinavierinnen den Spieß auf deutschem Boden um und gewannen 27:23. Just dieses Silber ist heute noch die einzige deutschen Medaille bei einer Frauen-EM.

Am 15. Januar 2019 wird sich die 1993er Weltmeistermannschaft wiedertreffen – auf Einladung des DHB zum Männer-WM-Spiel gegen Frankreich in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. „Das ist unser kleines Dankeschön für einen historischen Erfolg des deutschen Handballs, denn wir haben größten Respekt für den Trainer und die ganze Mannschaft“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Die deutsche Weltmeisterschaft-Mannschaft von 1993: Sabine Adamik, Heike Axmann, Andrea Bölk, Eike Bram, Carola Ciszewski, Cordula David, Michaela Erler, Sybille Gruner, Karen Heinrich, Franziska Heinz, Heike Murrweiss, Gabriele Palme, Michaela Schanze, Bianca Urbanke, Birgit Wagner und Renate Zienkiewicz

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