07.08.2016 · Slider, Home, Nationalteams, Junioren Nationalteam · Von: BP

Ganz bitter: DHB-Junioren verlieren EM-Finale nach Verlängerung

Am Tag, als die DHB-Männer mit einem 32:29-Erfolg über Schweden in die Olympischen Spiele von Rio starteten, weinten die deutschen Handball-Junioren bittere Tränen: Mit 29:30 (9:12, 25:25) nach Verlängerung hat die Mannschaft des Trainergespanns Markus Baur/Erik Wudtke am Sonntagabend das Finale der U20-Europameisterschaft im dänischen Kolding verloren. Damit verpasste der Titelverteidiger den vierten Triumpf in dieser Altersklasse. Spanien ist hingegen zum zweiten Mal nach 2012 Europameister.

Bis kurz vor Schluss lag die Auswahl des Deutschen Handballbunds permanent in Rückstand, in der zweiten Hälfte sogar fast konstant mit drei Treffern Unterschied. Dank einer tollen Aufholjagd kämpfte sich die Mannschaft um Kapitän Tim Suton aber in die Verlängerung, ging dort beim 26:25 sogar einmal in Führung, am Ende aber waren die Spanier stärker und feierten den Titel.

Suton wurde als bester Spielmacher wie auch Linksaußen Lukas Mertens ins EM-All-Star-Team gewählt. „Das haben beide auch verdient gehabt. Für mich hätte Tim Suton sogar Turnier-MVP werden können, der war nicht schlecht als der Franzose Melvyn Richrdson, der die Auszeichnung erhielt“, sagt DHB-Trainer Markus Baur.

Für ihn war das Finale das letzte Spiel als Coach des Teams: „Ein bisschen Wehmut ist natürlich dabei, denn ein Finale nach Verlängerung mit einem Tor zu verlieren ist immer schade und bitter. Es war ein spannendes, gutes Spiel, in dem wir im Angriff einen Tick schwächer waren als in den Partien zuvor. Aber die Spanier haben auch sehr stark verteidigt, daher hatten wir nicht die Durchschlagskraft aus dem Rückraum.“

Schon dem Anpfiff sorgten die deutschen Fans in der Sydbank-Arena für tolle Stimmung und Heimspiel-Atmosphäre – und die Tatsache, dass Kapitän Suton nach seiner Rotsperre wieder auflaufen konnte, setzte zusätzliche Kräfte beim Team des Titelverteidigers frei, bei dem am Ende Franz Semper mit sechs Treffern bester Werfer war. Spanien blieb somit die einzige ungeschlagene Mannschaft bei der EM – sieben Siege, ein Remis gegen Island – aber die deutsche Mannschaft war sehr gut auf den U20-Europameister von 2012 eingestellt.

Von Beginn an zeigten beide Abwehrreihen, was sie drauf haben. Nach elf Minuten stand es 5:5 – und Defensive war ganz klar Trumpf bei Deutschen und Spaniern. Die deutsche Mannschaft hatte in der Folgezeit einige Probleme, durch die aggressive Deckung der Iberer durchzustoßen. Spanien setzte sich nach einer Viertelstunde beim 8:6 erstmals auf zwei Tore ab. Und obwohl beide DHB-Torhüter Joel Birlehm und Paul Twarz einige wichtige Bälle bis zur Pause abwehrten, wuchs der Rückstand sogar auf 9:12 nach 30 Minuten an.

Und auch nach dem Seitenwechsel bissen sich Suton & Co. an den defensivstarken Spaniern ihre Zähne aus, schafften es lange Zeit nicht, den Rückstand zu verkürzen. Nach 45 Minuten hieß es 17:20, nach 50 Minuten 20:23 – aber dann: Durch einen Doppelschlag verkürzte die DHB-Auswahl auf 22:23, die deutschen Fans waren aus dem Häuschen. Alles war wieder drin, die dramatische Schlussphase begann.

Spanien wankte, Deutschland wurde immer stärker und schaffte 70 Sekunden vor dem Ende tatsächlich den Ausgleich zum 25:25. Spanien vergab seine Chance - noch eine halbe Minute. Ballbesitz und Auszeit Deutschland. Noch 10 Sekunden – die DHB-Auswahl vergibt, Gegenstoß Spanien, Ballverlust – die unglaubliche Aufholjagd wird mit der Verlängerung belohnt!

Und mit dem Anwurf ging die DHB-Auswahl in Führung. Spanien wirkte geschockt angesichts des vergebenen Vorsprungs und der vergebenen Großchance mit dem Schlusspfiff. Zum Ende der ersten Hälfte der Verlängerung hieß es 27:27. Auch von zwei spanischen Treffern gleich zu Beginn der zweiten Hälfte lässt sich die deutsche Mannschaft zunächst nicht schocken.

Als aber Spanien mit dem überragenden zehnfachen Torschützen Dani Dujshebaev wenige Sekunden vor dem Ende mit 30:28 führt, war die Messe gelesen, der letzte Treffer reichte nicht mehr für eine zweite Verlängerung.

Statistik Deutschland - Spanien in Kolding 29:30 (25:25, 9:12) nach Verlängerung

Deutschland: Paul Twarz (VfL Potsdam), Joel Birlehm (GWD Minden);  Lukas Mertens (Wilhelmshavener HV/5), Tim Nothdurft (HBW Balingen-Weilstetten/), Marian Michalczik (GWD Minden/4), Kevin Struck (Füchse Berlin), Jerome Müller (HG Saarlouis), Björn Zintel (ASV Hamm-Westfalen/3), Franz Semper (SC DHfK Leipzig/6), Stefan Salger (SG Leutershausen), Lars Weissgerber (HG Saarlouis/1), Moritz Schade (Dessauer HV/2), Patrick Gempp (TV Großwallstadt), Johannes Golla (MT Melsungen/3), Tim Suton (TBV Lemgo/4), Robin Egelhoff (TV Hochdorf)

Bester Torschütze Spanien: Dujshebaev (10); Schiedsrichter: Hermann/Madsen (Dänemark); Zeitstrafen: Deutschland 6 Minuten, Frankreich 10 Minuten; Siebenmeter: 2/1:5/5

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