Nationalmannschaft als Leitbild

Die modernen Aufgabenprofile für das Abwehr- und Tempospiel sowie für den Positionsangriff sind die Basis für die Spielphilosophie der Nationalmannschaft. Das taktische Spielkonzept der Männer-Nationalmannschaft orientiert sich dabei sowohl am Profil und den individuelle Stärken jedes einzelnen Spielers als auch an den Besonderheiten, Stärken als auch Schwachpunkten des jeweiligen Gegners.

Das moderne Abwehrspiel basiert heute nicht nur auf gezielten taktischen Maßnahmen am Ballort. Viel wichtiger ist es, auch auf der ballfernen Seite z.B.  Laufwege der Gegner zu stören oder auch mögliche Passwege direkt anzugreifen. Grundprinzip im Abwehrspiel ist es, wo immer es geht zu agieren (nicht zu reagieren) und den Angriff  möglichst permanent unter Druck zu setzen. Der Ballgewinn ist das erklärte Ziel, um letztlich auch ein konsequentes Tempospiel einleiten zu können, aus dem einfache Tore erzielt werden können. Die Abwehr muss sich den gegnerischen Angriff, wann und wo immer es geht, „hinstellen“, Gegenspieler in schlechte Wurfpositionen zwingen oder sie zu Fehlern zu verleiten. Es muss versucht werden, das Timing gegnerischer Angriffshandlungen zu stören, Passwege direkt anzugreifen oder Abschlussaktionen in bestimmten Räumen zu „erzwingen“, in denen eine gute Torwart-Abwehr-Kooperation Aussicht auf Erfolg hat. Mit dem Gegner „spielen“, sei es im Zweikampf oder in taktischen Kooperationen, ist ein wichtiges Prinzip des Agierens in der Abwehr.

Das Abwehrspielkonzept baut auf den Stärken (und Schwächen) der Einzelspieler auf und wird immer wieder an den Gegner angepasst. Abwehrspieler agieren in solchen Mischformen von Abwehrgrundsystemen nicht wie früher nur nach Schema F. Im Gegenteil: In der Nationalmannschaft haben sie je nach Typ, Position und Gegenspieler auch Freiheiten, sich in Absprache mit ihren Mitspielern auch situationsgerecht unterschiedlich zu verhalten.
Im Angriff ist das Spiel aus Auslösehandlungen das charakteristische Merkmal – hier werden bestimmte Ball- und Laufwege zur Angriffseröffnung vereinbart. Folgehandlungen unterliegen in erster Linie der Spielfähigkeit der Einzelspieler. Auch hier gilt: Je besser die individuellen Fähigkeiten der Einzelspieler, umso kreativer und für den Gegner weniger berechenbar kann gespielt werden.


Agieren und den Ball gewinnen

  • Pässe vorausahnen und angreifen
  • Räume verengen
  • Angriff permanent unter Druck setzen
  • Timing von Auslösehandlungen stören
  • Gegenspieler in schlechte Wurfpositionen zwingen, sie zu Fehlern verleiten
  • Angreifer gezielt täuschen, mit ihnen „spielen“, sie gezielt in „Fallen“ locken
  • Das Ziel der Abwehr ist Ballgewinn!

Sehr flexible Abwehrformationen

  • Auf eigene Spielertypen und den Gegner abgestimmte (offensive und defensive) Spielweisen innerhalb einer Abwehrformation (= Mischform)
  • Taktische Grundprinzipien und Kooperationen (Abwehrspieler miteinander und mit dem Torwart)
  • Situationsgerechte und individuelle Freiheiten

Tempospiel und Rhythmuswechsel

  • Mit aktiver Abwehr Bälle gewinnen und den Gegner mit „leichten Gegenstoßtoren“ verunsichern
  • Erkennen (Antizipieren) von Situationen zum konsequenten Umschalten von Abwehr auf Angriff (z.B. Verhalten der Außenverteidiger im Start zur 1. Welle des Gegenstoßes)
  • Aufteilung und klare Zuordnung in der 2. Welle des Gegenstoßes
  • In der 2. Welle versetzt nach vorne laufen mit Passwegen nach vorn (keine Querpässe!)
  • Situativ auch Prellen (z. B. Playmaker)
  • Angriffseröffnung aus der 3. Welle aus einer breiten, raumöffnenden Grundaufstellung (z.B. Außenspieler in der Eckenaußen-Position)
  • Tempospiel situationsabhängig mit Rhythmuswechsel nutzen
  • Durch gezieltes Weiterspielen die sich formierende gegnerische Abwehr unter Druck setzen.

Individuelle Stärken zur Geltung bringen

  • Taktische Maßnahmen werden so vorbereitet, dass die individuellen Stärken voll zur Geltung kommen können
  • Je besser die individuelle Ausbildung, umso einfacher die Wahl der Angriffsmittel.
  • Das Ziel sind Spieler mit einem breiten, vielseitigen Aktions- und Positionsrepertoire
  • Wichtig: taktische Maßnahmen sind nur dann erfolgreich, wenn eine hohe Variabilität in den Abschlussaktionen gegeben ist!

Spiel mit Auslösehandlungen

  • Angriffseröffnung mit Auslösehandlungen: Temposteigerung, Stellungsvorteil – besonders für Folgehandlungen
  • Klare taktische Prinzipen in der Angriffseröffnung, an die sich jeder Spieler halten muss!
  • Spieler haben die Freiheit, kreativ neue Lösungen zu finden
  • Gewonnene Zweikämpfe bringen die entscheidenden Vorteile
  • Individuelles Spiel entwickelt sich am besten aus Auslösehandlungen

Umschalten und Tempospiel-Abwehr

  • Schnelles Umschalten nach Wechsel des Ballbesitzes
  • Tempospiel des Gegners in torgefährlichen Situationen aktiv verteidigen
  • Ziel: Rückzug in eine aktive Abwehrformation
  • Gegner- und situationsabhängige Wechseltaktik

Spielerpersönlichkeit

  • Gesunde Hierarchie mit klaren Rollenzuweisungen
  • Führungsspieler mit Vorbildfunktion
  • Begeisterung und Leidenschaft
  • Große Motivation mit klaren Zielsetzungen (auch von Bankspielern)
  • Positive Grundeinstellung
  • Teamwork ist Grundlage des Erfolgs
  • Mannschaftsziele haben Vorrang vor persönlichen Zielen
  • Mit dem Erreichen der Mannschaftsziele entwickeln sich auch persönliche Ziele
  • Emotionen zeigen (positive Außenwirkung im Auftreten der gesamten Mannschaft)
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