DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld. - Foto: Sascha Klahn

04.09.2017 · Slider, Home, Nationalteams, Junioren Nationalteam, Juniorinnen Nationalteam, Jugend männlich Nationalteam, Jugend weiblich Nationalteam · Von: BP

Viermal Edelmetall, viele All-Stars - die Sommerbilanz des DHB-Sportdirektors

Zweimal Gold in der Halle, zweimal Bronze im Sand: Die deutschen Nachwuchsmannschaften haben im Sommer 2017 für vierfaches Edelmetall gesorgt, hinzu kam der unglückliche vierte Platz der Junioren bei der U21-WM in Algerien. DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld schaut in seiner Gesamtbilanz aber nicht nur auf Platzierungen, sondern auch auf die individuelle Entwicklung - und die generelle Förderung durch den DHB.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse im Nachwuchsbereich dieses Sommers?
Wolfgang Sommerfeld: Der Sommer 2017 war sehr erfolgreich für unseren Nachwuchs - natürlich gekrönt durch die Goldmedaillen unserer jüngsten Teams beim EYOF und der U17-EM der weiblichen Jugend. Erstmals seit vielen Jahren war der weibliche Nachwuchs erfolgreicher als der männliche. Was aber genauso wichtig ist: Viele unserer Nachwuchsspielerinnen und Spieler haben es in die All-Star-Teams der Turniere geschafft, Aimée von Pereira wurde bei der U17-EM sogar zur besten Turnierspielerin gekürt. Und diese individuelle Entwicklung - Spieler fit für die Bundesligen und die A-Nationalmannschaften zu machen - ist schließlich die Hauptaufgabe des Verbands.

Aber auf dem Feld stehen bei den Turnieren Mannschaften….
Wolfgang Sommerfeld: Ja natürlich, es muss auch das mannschaftliche Umfeld passen, die Mannschaften müssen möglichst weit kommen, um einen weitergehenden Entwicklungsprozess anzustoßen. Je höher das Niveau, desto höher die Verantwortung - das ist das, was unsere Nachwuchsspieler immer wieder mitnehmen, wenn sie zum Beispiel bis ins Halbfinale eingezogen sind. Und diese Verantwortung übernehmen sie eher bei uns als in den Klubs, denn dort werden in engen Situationen nicht so oft eingesetzt. Daher ist unser Minimalziel für Mannschaften immer ein Platz unter den ersten sechs bei einer EM und acht bei einer WM - was identisch ist mit der Zielformulierung „Finalrunde“ des DOSB. Mit Ausnahme der männlichen Jugend, die Neunter wurde, haben alle Teams diese Vorgabe erreicht. Gleiches gilt natürlich auch für unsere Nachwuchs-Beach-Mannschaften, die beide Bronzemedaillen bei der EM erreichten.

Sie haben die männliche Jugend angesprochen - im Vorjahr EM-Dritter, dieses Mal im Achtelfinale gescheitert. Was waren Ihrer Meinung nach die Gründe?
Wolfgang Sommerfeld: Jede Mannschaft hat in einem Turnier immer ein schwaches Spiel - und wenn dieses dann gegen einen starken Gegner in einer K.o.-Partie passiert, kommt es eben so. Das war auch bei der Männer-WM in Frankreich nicht anders, als die Bad Boys nach einer tollen Vorrunde im Achtelfinale gegen Katar ausschieden. Genauso war das bei der A-Jugend-WM in Georgien, wo die Mannschaft mit Ausnahme des Achtelfinales gegen Dänemark ein starkes Turnier gespielt hat. Aber bei dieser Mannschaft muss man ja auch eines bedenken: Der letztjährige U18-All-Star-Spieler Sebastian Heymann war schon bei den Junioren dabei, weil das für seine Entwicklung besser war.

Wie begründen Sie diese Entscheidung?
Wolfgang Sommerfeld: Ähnliche Entscheidungen wie im Falle Heymann hatten wir ja auch schon bei Paul Drux oder Emily Bölk getroffen, weil dort der Weg in die A-Nationalmannschaft schon vorgezeichnet war. Und aus diesem Grund war auch Tim Suton nicht bei der Junioren-WM dabei. Für ihn war es wichtiger, sich mit seinem Verein Lemgo - wo er schon zu den Leistungsträgern zählt - auf die Saison vorzubereiten. Die Vereine haben diese Sichtweise verstanden, dass wir nicht vorrangig auf die Platzierung der Mannschaften schauen, sondern auf individuelle Weiterentwicklung.

Wie werden die Sommerturniere nun analysiert?
Wolfgang Sommerfeld: Jeder Trainer - Bundestrainer und Honorartrainer - wird für die nächste DHB-Trainertagung eine detaillierte Analyse seines Turniers machen, quantitativ und qualitativ, heruntergebrochen auf einzelne Spieler. Darin geht es um alle Bereiche wie Athletik, Angriff, Abwehr, Mentalität. Und so machen wir uns bei dieser Tagung im Herbst ein umfassendes Bild über den Stand aller Mannschaften. Natürlich geht es dabei auch um den Übergang von der Jugend in den Juniorenbereich - aber da sind die Trainer untereinander so gut vernetzt, dass sie genau wissen, was auf die zukommt.

Ab Dezember wird Jochen Beppler - derzeit Bundestrainer Nachwuchs männlich - zum Chef-Bundestrainer Nachwuchs, also verantwortlich für den männlichen und weiblichen Bereich. Warum dieser Schritt?
Wolfgang Sommerfeld: Diese neugeschaffene Position war und ist eine Herzenssache von mir, denn damit beenden wir für alle Zeiten den Differenzierungswahn. Mädchen und Jugend spielen grundsätzlich den gleichen Handball, und dieses Prinzip haben wir schon bei den Sichtungen angewendet, wo alle Kriterien gleich sind. Der weibliche Jahrgang 2000/2001, der jetzt U17-Europameister wurde, wurde schon nach diesen Kriterien gesichtet - und der Erfolg gibt uns Recht. Und im weiblichen Bereich ist ja auch die Eliteförderung nach männlichem Muster gestartet.

Was sind weitere Änderungen in der Förderung?
Wolfgang Sommerfeld: Die wichtigste Änderung ist, dass wir unsere Spielerinnen und Spieler behandeln wie Einzelsportler, jeder hat einen unterschiedlichen Bedarf an Training, die Inhalte werden viel stärker individualisiert. Und das zahlt sich aus - genau wie die Fachaufsicht der Nachwuchsförderung durch den DHB, auch wenn die Spieler an den Leistungszentren von HBF oder HBL trainieren. Auch jene Kaderspieler, die noch bei anderen Vereinen sind, trainieren montags bis mittwochs in den Leistungszentren und ab Donnerstag in ihrem ursprünglichen Klub.

Wie ist die Resonanz auf diese Änderungen?
Wolfgang Sommerfeld: Kürzlich rief mich der frühere Bundestrainer Arno Ehret an und wollte unser Nachwuchskonzept haben, um es an der Uni Basel für die Entwicklung von Führungskräften zu nutzen. Er sagte: Was aus den deutschen Spielern geworden? Sie gewinnen alle Zweikämpfe - und auf jeder Position gibt es nicht nur einen, sondern gleich drei, vier gleichwertig ausgebildete Spieler. Wenn Außenstehende das Konzept so loben, ist es auch einfacher, es den Ligen und Vereinen zu vermitteln. Und wir merken, dass alle bereits sind, diesen Weg mitzugehen, auch im Frauenbereich, wo Bundestrainer Michael Biegler für eine wahre Aufbruchstimmung gesorgt hat.

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