Dormagener Jubel in Ferndorf. - Foto: Westfälisches Handball-Portal

20.03.2014 · Home, 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel West · Von: WHP

24:29 – Ferndorf gratuliert Dormagen zu Titel und Aufstieg

Kreuztal. Okay: Sechs Spieltage sind in der West-Staffel der 3. Liga noch zu absolvieren. Aber nach der 24:29 (11:13)-Niederlage am Mittwochabend im Knaller-Spiel gegen Spitzenreiter TSV Bayer Dormagen und nunmehr vier Punkten Rückstand glaubt im Lager des Tabellenzweiten TuS Ferndorf kaum noch jemand an den Titel und den Aufstieg. Deshalb wünschte TuS-Trainer Erik Wudtke seinem TSV-Gegenüber Jörg Bohrmann auch schon mal „alles Gute und viel Erfolg in der 2. Bundesliga“. Auf die Rückkehr in Deutschlands Handball-Zweitklassigkeit müssen die Nordsiegerländer ein weiteres Jahr warten, weil sie sich in dieser Top-Partie nicht in Top-Verfassung präsentiert haben. „Mit der Abwehrleistung bin ich im Prinzip zufrieden“, erklärte Erik Wudtke. „Aber bezüglich unseres Angriffsspiels müssen wir Kritik zulassen: Das war nicht in Ordnung.“

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Ja, der Angriff des TuS Ferndorf. Wie sehr hätte sich Trainer Erik Wudtke an diesem Abend gewünscht, eine harmonische und vor allem funktionierende Rückraum-Formation zu finden. Aber was er auch versuchte, es passte nur selten und mit zunehmender Spieldauer immer weniger. „Unser Hauptproblem war“, analysierte der 41-Jährige vor allem die zweite Halbzeit, „dass wir es nicht geschafft haben, uns bessere Torchancen herauszuarbeiten.“ Und wenn es die Ferndorfer dann doch mal ganz gut hinbekamen, fanden sie regelmäßig ihren Meister, den Mann zwischen Dormagens Pfosten, der Sven Bartmann heißt. „Er spielt eine Bomben-Saison“, lobte TSV-Trainer Jörg Bohrmann seinen Schlussmann, der nicht nur hält, sondern seine Vorderleute auch immer wieder anpeitscht.

Apropos: Nehmen wir nur drei dieser Vorderleute, und zwar Simon Ernst, Markus Breuer und Robin Doetsch, also ein Rückraum-Ass, das Junioren-Nationalspieler ist, einen Linksaußen und einen Rechtsaußen. Zusammen warfen sie 25 Treffer, also mehr als der gesamte TuS Ferndorf, der – zur Erinnerung – das Hinspiel mit 40:31 gewonnen hatte. Es ist die bislang einzige Saisonniederlage des TSV Bayer Dormagen. Allerdings rollte der Bayer-Express nicht von Beginn an bei diesem Handball-Fest in der Stählerwiese, das durch die Aktivitäten der Fans einen herausragenden Rahmen erhalten hatte – und von dem auch beide Trainer begeistert gewesen waren. Gänsehaut-Stimmung nennt man das.

Dank eines Doppelschlages von Dennis Aust erhöht der TuS auf 8:5

„Es ist uns ganz gut gelungen, ins Spiel hineinzufinden“, sagte TuS-Coach Erik Wudtke, dessen Team die Vorgabe umgesetzt hatte, das Tempo sehr hoch zu halten. So waren die Ferndorfer nach ihrem 0:2-Rückstand zumindest vorübergehend das bessere Team, und das drückte sich nach einer Viertelstunde auch erstmals etwas in Zahlen aus. Simon Breuer, Carsten Lange in Überzahl, als Alexander Kübler auf der Strafbank saß, sowie erneut Simon Breuer – diesmal von der Siebenmeter-Marke – brachten den TuS mit 6:4 in Führung. Aus dem Zwei- wurde dank eines Doppelschlages von Dennis Aust erstmals ein Drei-Tore-Polster (8:5). Bayer-Trainer Jörg Bohrmann reagierte und nahm nach 18:07 Minuten eine Auszeit, in der er die Weichen für den Tabellenführer, wie sich herausstellen sollte, schon auf Sieg stellte.

Erik Wudtke rätselte später. „In den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit haben wir dummerweise kein Tempo-Handball mehr gespielt“, sagte der Ferndorfer Coach und musste mit ansehen, dass das Polster ganz schnell futsch war. Aus dem 7:10-Rückstand machten Robin Doetsch, Dennis Marquardt sowie zweimal Simon Ernst eine 11:10-Führung für den ehemaligen Bundesligisten. Zwar musste der TSV Bayer anschließend das 11:11 durch Ferndorfs Julian Schneider hinnehmen, dem dritten Wudtke-Versuch im linken Rückraum, aber es war in der 27. Minute das letzte Unentschieden in dieser Partie.

Ferndorfs Trainer Erik Wudtke: „Die Mannschaft ist wahnsinnig enttäuscht“

Mit 11:13 lag der TuS zur Pause hinten – es war eigentlich noch alles offen. Und beim Ferndorfer Anhang stieg auch die Hoffnung, das Ding drehen und selbst Zweitliga-Kurs steuern zu können. Nach dem 13:16 nämlich gelangen dem Zweitliga-Absteiger zwei Tore über die zweite Welle. Erst traf Tim Hilger, dann Dennis Aust – 15:16 und noch etwas mehr als 20 Minuten zu spielen. Doch statt diese Hoffnung zu nähren, stolperten die Ferndorfer in ein Loch. Nur vier Minuten brauchte der TSV Bayer Dormagen, um auf fünf Treffer davonzuziehen, was schon die Vorentscheidung bedeutete. In Überzahl hatten Markus Breuer zweimal sowie Dennis Marquardt getroffen – unter anderem nach einem Ballverlust und einem Stürmerfoul Julian Schneiders –, ehe Markus Breuer, als Dennis Aust inzwischen von der Strafbank zurückgekehrt war, das 20:15 nachlegte.

Die weiteren Stationen: 16:21, 17:21, 17:23 (50.), 22:28 (58.), 24:28, 24:29. „Die Mannschaft ist wahnsinnig enttäuscht“, sagte TuS-Trainer Erik Wudtke, der ob des Heimvorteils gehofft hatte, den TSV Bayer ein zweites Mal schlagen zu können, und sich nichts dafür kaufen konnte, dass sein Gegenüber Jörg Bohrmann meinte, „die Ferndorfer Mannschaft hat uns alles abverlangt“. Und wie geht es für den TuS weiter, der drei Punkte vor dem Tabellendritten Wilhelmshavener HV liegt?. „Jeder wird jetzt ganz schlecht schlafen, das ist ganz normal. Wir werden jetzt jedoch alles daransetzen, um den zweiten Platz zu erringen“, sagte er. „Es ist schmerzlich, dass wir gegen die beste Mannschaft der Liga verloren haben. Aber man muss auch fair anerkennen, wenn der Gegner besser war.“ Und darüber gab es am Mittwochabend keine Diskussionen. Überhaupt keine.

 

TuS Ferndorf – TSV Bayer Dormagen 24:29 (11:13)

TuS Ferndorf: Rottschäfer (1.-43.), Hamers (43.-60. und bei zwei 7m); A. Sijaric, Koke, Aust (4), S. Breuer (2), Hilger (2), D. Breuer (6/3), Lange (1), Johnen (1), M. Sijaric, Bettig (1), Barkow (3), Schneider (4).
TSV Bayer Dormagen: Bartmann, Schmidt (n. e.); Ernst (9/2), Damm, Genz, Plaz, Eisenkrätzer (1), M. Breuer (9/4), Rudolff, Doetsch (7), Kübler, Strosack (n. e.), Marquardt (3).

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