Jürgen Bätjer ist unzufrieden mit der Situation, analysiert die lage aber differenziert. - Foto: Vereien

13.10.2017 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel Nord · Von: pm verein

Interview mit HHB-Trainer Jürgen Bätjer: „Man hat in jeder Partie eine Chance“

Sieben Spiele hat der Handball Hannover-Burgwedel e.V. in der 3. Liga Nord absolviert. Damit ist bereits ¼ der Saison gelaufen. Zwei Unentschieden, ein Sieg und vier Niederlagen stehen für den HHB aktuell zu Buche. Die Redaktion von www.handballdinos.de hat mit dem Burgwedeler Coach ein Interview geführt, in dem er sich zur aktuellen sportlichen Situation und den kommenden Aufgaben des HHB äußert.

Handballdinos: Hallo Jürgen, 4:10 Punkte, Tabellenplatz 12, bist Du mit dem bisherigen Abschneiden des HHB zufrieden?

Jürgen Bätjer: Nein, natürlich nicht. Da war bisher deutlich mehr drin und wir hätten 2-3 Punkte mehr holen können. Vier Spiele waren ganz eng, da haben wir mit einem Tor verloren oder Unentschieden gespielt. Das sind dann Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Ich will gar nicht von Glück oder Pech sprechen, wir haben uns teilweise zu blöd angestellt und sind selbst schuld. Man darf aber auch nicht vergessen, dass uns gegen Flensborg bei der letzten Aktion ein klarer Strafwurf nicht gegeben wurde und der letzte Treffer von Artjom Antonevitch in Flensburg nicht mehr gezählt hat, weil die Zeit angeblich schon abgelaufen war. Beides waren Aktionen, wo wir benachteiligt wurden.

Wo siehst Du bislang die Schwachstellen in Deiner Mannschaft?

Mir gefallen sowohl in der Deckung als auch in der Offensive einige Dinge noch nicht wirklich. In der Defensive sind wir teilweise zu unkonzentriert und nicht aggressiv genug. Auch die Abstimmung im zentralen Abwehrbereich stimmt noch nicht wirklich. Die Defensive war in den letzten beiden Jahren immer unsere Stärke, da gehörten wir immer zu den besten vier Teams der Liga. Mit Chris Meiser, Tim Zechel und Lennart Carstens haben uns aber starke Abwehrspieler verlassen, diese Lücke ist nicht so einfach zu schließen. In unserer 3-2-1-Abwehr mussten wir Stefanos Michailidis aus Griechenland auf der Spitze einbauen. Das hat nur bedingt geklappt, da waren ggf. auch Sprachprobleme entscheidend. Florian Freitag füllt diese Rolle besser aus, auf Dauer ist es aber zu anstrengend, wenn ein Spieler hinten und vorne permanent Vollgas geben muss. Inzwischen sind wir wieder zu einer 6:0-Abwehr zurückgekehrt, die mir wesentlich besser gefällt. Ähnlich sieht es in der Offensive aus. Wir entwickeln noch nicht von allen Positionen genügend Druck und auch bei der Spielgeschwindigkeit gibt es noch Steigerungsmöglichkeiten. Unser Spielmacher Florian Freitag spielt beim HHB eine andere Rolle, als er noch bei GWD Minden in der Bundesliga innehatte. In Burgwedel muss er noch abschlussorientierter werden und nicht nur versuchen, seine Nebenleute gut in Szene zu setzen. Auch der rechte Rückraum mit Kay Behnke und Steffen Fischer ist gefordert, von dieser Position geht mir noch nicht genug Torgefahr aus. Hinzu kommt, dass wir über den Kreis bislang kaum Tore erzielen konnten. Auch hier müssen wir ansetzen.

Gibt es dafür Gründe?

Ja klar, die Gründe liegen auf der Hand. Wir mussten vor Saisonbeginn fast 2/3 der Mannschaft austauschen, da uns viele Spieler verlassen haben. Drei davon spielen jetzt in der 2. Bundesliga. Wir müssen noch immer zueinander finden, das schafft man auf dem Niveau der 3. Liga nicht in ein paar Wochen. Bei der Feinabstimmung zwischen den einzelnen Positionen kommt es oft auf Sekundenbruchteile an. Da brauchen wir noch etwas Geduld, bis alle Räder ineinandergreifen. Dazu hatten wir bislang in jedem Spiel einen Durchhänger und fast jeder Spieler hat unerklärliche Fehler gemacht. Meine Jungs sind alle gute Handballer. Nur mit Individualität kann man in unserer Sportart aber kein Spiel gewinnen. Wir haben uns bis Weihnachten ein Nahziel gesetzt.

Was meinst Du damit konkret?

Bis Weihnachten sind es noch einmal sieben Spiele, dann haben wir die Hinrunde absolviert. Die Zeit geben ich meinem Team noch, um besser zueinander zu finden. Wir werden bis dahin intensiv trainieren und uns stetig steigern. Was meiner Mannschaft in der aktuellen Situation hilft, ist Spielzeit und Wettkampf. Ich bin davon überzeugt, dass wir bis Weihnachten ein positives Punktekonto haben und in der Rückserie werden wir dann angreifen. Wir weichen nicht von unserem Plan ab und stellen jetzt nicht alles in Frage, nur weil es bislang nicht optimal gelaufen ist. Uns war vor der Saison klar, dass es dauern wird, bis sich alle gefunden haben. Jetzt dürfen wir nicht panisch werden, wenn der Erfolg sich nicht gleich einstellt.

Wie bist Du mit den HHB-Neuzugängen zufrieden?

Hier mache ich keinen Unterschied zwischen den Neuzugängen und den Spielern, die schon länger bei uns sind. Durch die Bank hatten alle schon gute Spiele, aber auch schon viele Situationen, in denen unnötige und unerklärliche Fehler gemacht wurden. Jeder will sich beweisen und zeigen, was er draufhat. Das ging einige Male nach hinten los. Wir müssen konstanter werden und unsere Fehlerquote minimieren. Dann stellt sich der Erfolg von ganz alleine ein. Auch meine Spieler sind mit den bisherigen Leistungen nicht zufrieden. Noch sehe ich aber keinen Grund hier Druck auszuüben. Wir sind geduldig und diese Geduld wird sich auszahlen. Wichtig ist, dass wir viel mit dem kompletten Kader trainieren können. Dies war verletzungs- und berufsbedingt zuletzt nicht immer möglich.

Verletzungen sind ein gutes Stichwort. Wie sieht es da aktuell bei Euch aus?

Auch hier könnte es besser sein. Neben einigen kleineren Verletzungen, die im Handball zur Tagesordnung gehören und jede Mannschaft treffen, mussten wir in einigen Partien auf unsere beiden wichtigsten Akteure verzichten. Maurice Herbold und Florian Freitag sind für den HHB eminent wichtig und konnten in einigen Spielen nicht eingesetzt werden. Bei Florian Freitag ist alles wieder auskuriert, unser Sorgenkind ist aktuell aber Maurice Herbold. Seine Tore und auch seine Stärke in der Abwehr fehlen uns und mit einem fitten Maurice Herbold hätten wir heute zweifelsohne mehr Punkte auf dem Konto. Meckern nutzt aber nichts, bei Maurice ist irgendwie der Wurm drin. Auch im Spiel gegen Fredenbeck musste er nach zehn Minuten raus und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Wir hoffen, dass es uns nicht zu lange fehlen wird und schnell wieder zu seiner Form der letzten Saison zurückfindet.

Am nächsten Wochenende empfängt der HHB den Oranienburger HC. Wie siehst Du Eure Chancen?

Die Nordstaffel der 3. Liga ist so ausgeglichen, dass man in jeder Partie eine Chance hat. Deshalb rechne ich uns auch gegen den OHC etwas aus. Wir wollen endlich den ersten Heimsieg feiern. Da ist es egal, wer kommt. Wichtig ist, dass wir unsere Fehlerquote minimieren und aus einer stabilen Abwehr heraus vorne mit Herz und Leidenschaft spielen. Emotionen können Berge versetzen und vielleicht können wir ja über uns herauswachsen. Meine Mannschaft muss sich endlich einmal belohnen. Wenn der Knoten erst einmal geplatzt ist, werden wir es in den kommenden Wochen auch leichter haben.

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