Grafik: Caroline Kleinroth

06.03.2018 · 3. Liga, Männer 3. Liga · Von: cb

Drittliga-Review #Spieltag22

Neben spannungsgeladenen Lokalkämpfen wie zum Beispiel der zwischen den HSG Rodgau Nieder-Roden und der HSG Hanau oder dem TuS Volmetal gegen die SG Schalksmühle Halver standen nach längerer Zeit einmal wieder die Spitzenteams der vier Staffeln im Fokus. Und die mussten nach zu Teil gefühlt ewig andauernden Siegesserien heftig zittern.

Staffel Nord: HSV Hamburg springt Niederlage gerade so von der Schippe

17 Spiele hatte der HSV Hamburg in Folge nicht verloren und verließ dabei zweimal das Spielfeld mit einer Punkteteilung. Das blühte auch gegen die frech aufspielenden Mannen des HC Empor Rostock. Das Kellerkind forderte vor 3570 Zuschauern den vermeintlich feststehenden Zweitliga-Aufsteiger enorm und verpasste nur hauchdünn die Sensation. Denn 10 Sekunden vor Schluss besorgte Kevin Herbst den 20:19-Siegtreffer für die Hansestädter. „Ich habe ein überragendes Spiel meiner Mannschaft gesehen. Zum einen bin ich über das Ergebnis wirklich enttäuscht. Zum anderen bin ich aber stolz auf den Auftritt meiner Jungs, das war über weite Strecken richtig gut.“ Über weite Strecken war der krasse Außenseiter die bestimmende Mannschaft in der Sporthalle Hamburg. Von der ersten Minute an agierte der HCE mit einem siebten Feldspieler und gab damit den Hausherren etliche Rätsel auf. „Das haben wir auch gar nicht gut gelöst. Gerade im Angriff waren viele Entscheidungen dabei, die nicht gut waren“, sagte HSV-Trainer Torsten Jansen. In diesem Duell wurde auch deutlich, wie schwer sich die Hamburger mit einer offensiv ausgerichteten Abwehr tun, sieben erzielte Tore in Halbzeit eins sprechen da schon eine deutliche Sprache.

Für die grandiose Leistung können sich die Rostocker jedoch nichts kaufen. Und der Abstand auf einen Abstiegskonkurrenten Handball Hannover Burgwedel wuchs zudem noch auf vier Zähler an, weil die Handballdinos um Trainer Jürgen Bätjer überraschend deutlich mit 37:29 beim VfL Fredenbeck. Der sucht seit einiger Zeit nach seiner Form und rutscht wieder ganz tief unten rein und hat mit 14 Pluspunkten weiterhin nur zwei Zähler Vorsprung vor Rostock, HHB springt auch aufgrund der 10:4 unkte im Kalenderjahr 2018 auf Platz elf- Lediglich gegen die beiden Spitzenteams Hamburg und TSV Altenholz verloren die Bätjer-Männer. „Unsere Quote war heute überragend, ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir zuletzt so viele Tore geworfen haben. Natürlich bekommt auch Fredenbeck viele Angriffe, wenn wir viele Angriffe fahren. Insofern sind 29 Gegentore zwar recht viel, in Relation aber in Ordnung“, meinte der HHB-Coach.

Einen erbitterten Kampf lieferten sich auch der MTV Braunschweig und der HSV Hannover. Das prestigeträchtige Niedersachsen-Duell entschieden die Gäste in der dramatischen Schlussphase für sich. Nach der hatte es beim Stand von 23:19 in der 56. Minute gar nicht ausgesehen. Doch vor allem in der letzten Minute war Feuer drin. 42 Sekunden vor dem Ende explodierte die Stimmung in der Sporthalle „Alte Waage“. 23:22 führte der HSV, als die Schiedsrichter nach einer Ringeinlage gegen Milan Mazic auf den Punkt zeigten. Hubertus Brandes gegen Ariel Panzer. Der MTV-Keeper parierte und 1000 Fans tobten. Doch wie so oft hatte der HSV eine Antwort. Torhüter Götz Heuer kratzte den Wurf von Lasse Giese mit einem Blitzreflex aus dem Eck. „Ich kann auch gönnen, so war Götz der Matchwinner“, witzelte Brandes hinterher gegenüber dem HSV-Pressedienst.

Staffel Ost: SG Bruchköbel stellt dem Altmeister ein Bein

In Anlehnung an den 78er-Weltmeister Manfred Hofmann auf der Bank des TV Großwallstadt bezeichnete die Zeitung Bruchköbler Kurier die Atmosphäre beim Duell des Aufsteigers gegen den Meisterschaftsfavoriten als weltmeisterlich. Unter den 850 Zuschauern war auch der Magier Vlado Stenzel. Unter dessen Augen lieferten sich beide Teams in den ersten sechs Spielminuten eine Abwehrschlacht. Den ersten Treffer der Partie verbuchte der Gast durch Tom Spieß für sich. Es folgten weitere 54 Minuten mit wechselnden Führungen, wobei sich kein Team entscheidend absetzen konnte. Der vielumjubelte Ausgleich für 20:20-Bruchköbel fiel 45 Sekunden vor Schluss durch Jonas Heuer. Die finale Siegchance nach einem Großwallstädter Ballverlust verpasste die SGB jedoch. „Was meine Jungs kämpferisch gemacht haben ist allen Ehren wert, ich bin ganz stolz auf alle meine Jungs“, so Trainer Tim Beckmann in der Pressekonferenz. Dieser Punktgewinn sollte Rückenwind geben für das anstehende Derby am kommenden Freitag gegen die HSG Hanau.

Neben dem überraschenden Punktverlust der Großwallstädter, die immer noch souverän das Feld anführen, büßte auch die SG Leutershausen zwei Punkte im Kampf um die Vizemeisterschaft ein. Am Ende hatte der Northeimer HC mit 30:27 die Nase vorne. In Bezug auf die Vizemeisterschaft hat nun der HC Erlangen II die besten arten. Die Erstliga-Reserve feierte beim TV Gelnhausen einen schwer erkämpften 25:23-Auswärtserfolg.

Nach langer Zeit die Abstiegsplätze wieder verlassen hat der HSV Bad Blankenburg durch einen 30:26-heimsieg über den TV Germania Großsachsen. Team der Stunde eist aber Anhalt Bernburg, das den Abgang von Torjäger Gabor Pulay gut verkraftet zu haben scheint und zuletzt 9:1-Punkte in Serie holte.

Staffel West: Beinahe erwischt es Ferndorf

Welches Team kann als erstes dem TuS Ferndorf den ersten Punkt abjagen? Das ist die große Frage in den noch verbleibenden acht Spielen. Zumindest scheinen die Ferndorfer nicht mehr ganz unbezwingbar zu erscheinen. Beinahe gelang es der HSG Krefeld, dem TuS den ersten Punkt abzuknöpfen. Doch der präsentierte sich nach dem 21:22-Anschlusstreffer der Krefelder in den letzten 17 Sekunden zu abgezockt und ließ nichts mehr anbrennen. "Wir hätten heute einen Punkt verdient gehabt. Wir waren präsent und lagen in Führung. Aber dann hat Ferndorf seine Klasse gezeigt. Die Abwehr stand hervorragend, die Erfahrung machte den unterschied", sagte HSG-Trainer Dusko Bilanovic der Rheinischen Post. Trainerkollege Michael Lerscht meinte: „Es war ein Spiel, das ganz klar von den beiden Deckungsreihen dominiert wurde. Beide haben das gut gemacht, wirklich. Krefeld hatte gute Lösungen für unsere Angriffe, in Summe hätte das tatsächlich so oder so ausgehen können. Wir haben einfach derzeit den „Flow“, dass solche Spiele dann am Ende auch mal ein bisschen glücklich für uns ausgehen.“

Das mit Spannung erwartete Derby zwischen dem TuS Volmetal und der SG Schalksmühle Halver entwickelte sich über weite Strecken zu einer eindeutigen Angelegenheit. Am Ende hieß es 30:24 für die SGSH. Ein Ergebnis, dass Volmetals Co-Trainer Dirk Maruska gegenüber der Westfalenpost anerkannte: . „Die SG war eben um sechs Tore besser.“ Die Gäste dominierten das Geschehen weitestgehend. Lediglich beim Stand von 18:22 Mitte der zweiten Halbzeit witterten die Gastgeber noch einmal so etwas wie Morgenluft. Doch beim 19:26 aus TuS-Sicht war das Spiel endgültig verloren.

Staffel Süd: Die wilde Fahrt geht weiter

Nichts ist im Süden so verlässlich wie die Unverlässlichkeit. Der neue Tabellenführer heißt HBW Balingen-Weilstetten II, weil sich das Team von Trainer André Doster beim letztjährigen Vizemeister TSB Heilbronn Horkheim 31:26 durchsetzte und der SV Kornwestheim in Dansenberg verlor und die Junglöwen einen Punkt gegen den HC Oppenweiler/Backnang einbüßten.

Eine große Überraschung war der Ausgang des Spiels in Dansenberg. Die Gastgeber des TuS 04 kämpften Kornwestheim 28:27 nieder und kamen sechs Sekundenvor Ende der umkämpften Partie durch Loic Laurent zum Siegtreffer und als Kornwestheims Christopher Tinti mit einem direkten Freiwurf an der Dansenberger Mauer hängen bleibt, brechen alle Jubel-Dämme. Vor dem am kommenden Wochenende stattfindenden Pfalz-Derby und Klassentreffen gegen den TV Hochdorf schließt Dansenberg zu Oppenweiler/Backnang auf. Überholen konnte man den HCOB, der auf dem ersten Nichtabstiegsplatz liegt nicht, weil der bei den Rhein-Neckar Löwen II eine unglaubliche Moral bewies.

20 Minuten vor dem Ende wirft Junglöwe Rico Keller, der an diesem Wochenende bei den Profis in der Champions League gegen den HC Nantes zum Einsatz kam, zum 22:15 für die Gastgeber ein. Der Heimsieg des Spitzenteams gegen den Abstiegskandidaten nur noch Formsache. Dachte man auch wohl in der 46. Minute. Die Führung für die Hausherren betrug immer noch sieben Treffer (25:18). Wenig später nahm HC-Coach Matthias Heinecke die Auszeit und versuchte, mit einer offensiven Abwehr RNL II unter Druck zu setzen. Das gelang. Der Vorsprung der Löwen schmolz und am Ende einer hektischen Schlussphase konnte sich das Kellerkind über den Punktgewinn freuen, obwohl es aufgrund der eigenen 30:29- und 31:30-Führungen auch zwei hätten sein können. „Wir sind mit den ersten 45 Minuten überhaupt nicht zufrieden. Wir haben in der Abwehr keinen Zugriff gefunden und sind nicht ins Tempospiel gelaufen. Bis dahin lief alles für die Rhein-Neckar Löwen. Wir sind dann volles Risiko gegangen und unsere offene Abwehr hat gefruchtet. Man hat dann auch gemerkt, wie unser Gegner verunsichert wurde. In dieser Phase haben wir es dann auch im Angriff super gelöst“, sagte Gäste-Trainer Heinecke nach der Partie.

Gewinner des Spieltages ist die SG Nußloch, die gegen den TSV Neuhausen/Filder nach drei Niederlagen zurück in die Spur fand, einen ungefährdeten 37:26-Heimsieg einfuhr und nach Minuspunkten gemeinsam mit Kornwestheim (beide 16) die Tabelle eigentlich anführt.

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