Kai Faltin (links) folgt nicht dem scheidenden Trainer RonnyRogawska nach Krefeld sondern zieht sich aus dem handball erst einmal zurück. - Foto: Verein

15.04.2018 · 3. Liga, Männer 3. Liga, Staffel West · Von: pm verein

Kai Faltin im Interview: „Ich werde mich nicht der HSG Krefeld anschließen“

Am 30. Juni 2018 endet eine weitere Ära beim TV Korschenbroich: Nach dreizehn Jahren verlässt Kai Faltin, der als Spieler und später als Manager und Sportlicher Leiter für den Verein tätig war, das hand.ball.herz.-Team. Bei den beiden noch ausstehenden Heimspielen bis zum Saisonende wird Kai Faltin noch einmal neben Ronny Rogawska auf der Korschenbroicher Bank Platz nehmen. Vor dem Duell am Samstagabend um 19.30 Uhr in der Waldsporthalle gegen die HSG Handball Lemgo II sprach TVK-Pressesprecher Markus Hausdorf mit Kai Faltin über seine Zeit beim TVK, die aktuelle Saison und seine Zukunftspläne.

Die letzten Spiele stehen im April und Anfang Mai für Dich als Manager und Sportlicher Leiter auf dem Programm. Wie ist die aktuelle Gefühlslage, schließlich endet nun eine 13-jährige Ära beim TV Korschenbroich für dich.

Kai Faltin: Aktuell ist dies noch in keiner Weise in meinem Blickfeld oder Bewusstsein, von daher ist alles gut und wie in den vergangenen Jahren auch. Rückblickend war es eine sehr tolle und außergewöhnliche Zeit, die mich sehr erfreut hat und für die ich sehr dankbar bin, weil sie auch mir sehr viel gegeben hat. Dies alles so erlebt haben zu dürfen ist keinesfalls selbstverständlich und empfinde ich als großes Geschenk. Als Spieler wie auch in den vielfältigen Aufgaben im Management diese Erfolge gefeiert zu haben und Teil dieser einmaligen TVK-Erfolgsgeschichte gewesen zu sein, ehrt mich sehr. Ich danke für das Vertrauen in meine Person, das mir in den letzten Jahren hier entgegen gebracht wurde. Der TVK bleibt mein Verein.

Du warst Spieler, hast das Sponsoring und Marketing in sämtlichen Facetten gestaltet und aufgebaut, du warst Manager & Sportlicher Leiter, kurzum, du hast den TVK, wie kaum ein zweiter, maßgeblich in den 13 Jahren deines Wirkens geprägt und in vielfältiger Weise mit aufgebaut und zu dem gemacht, was er heute ist. Welche sportlichen Highlights sind dir in Erinnerung geblieben?

Kai Faltin: Oh ja, da gab es eine Menge. Aber ganz besonders war sicherlich das Jahr 2007, als Spieler in unserem ersten Aufstiegsjahr, die Westdeutsche Meisterschaft. Erstmals in der Vereinsgeschichte in die 2. Handball-Bundesliga aufzusteigen, das war großartig! Und in der Folge auch die erste Zweitliga-Saison 2008. Highlights in dieser Zeit, die Pokalfights gegen die Erstligisten mit mehr als 1.100 Zuschauern zunächst gegen die MT Melsungen in der WSH, nach doppelter Verlängerung mit einem Tor geschlagen. 10 Tore konnte ich in diesem packenden Spiel beisteuern, und dann natürlich das Traumlos THW Kiel. Eine große Ehre den TVK danach als Kapitän in der Krefelder Glockenspitzhalle, mit mehr als 3.000 Zuschauern, gegen den großen THW anzuführen. Wer träumte damals nicht davon einmal in einem offiziellen Spiel mit Stefan Lövgren als Kapitän die Wimpel zu tauschen und gegen Marcus Ahlm, Thierry Omeyer, Kim Andersson, Dominik Klein, Börge Lund etc. anzutreten.

In den vergangenen Jahren musste der TV Korschenbroich immer wieder Leistungsträger abgeben. Wie siehst du diese Entwicklung rückwirkend?

Kai Faltin: Das ist nichts Außergewöhnliches. Dafür gab es im Einzelfall immer einen oder mehrere Gründe, die auch letztlich alle nachvollziehbar waren. Dabei ging es letztlich nicht immer nur um den einen oder anderen Euro mehr oder weniger. Oft waren es sportliche Belange, die wir beim TVK nicht bieten konnten. Was ich jedoch nicht nachvollziehen konnte ist, dass der Zeitpunkt für einen Wechsel in manchen Fällen schon unmittelbar zu Beginn der gerade begonnen Saison nach 4-8 Spieltagen getroffen wurde. Das ließ schon manche Zweifel aufkommen.

Eine feste Größe beim TVK sind die Fans in der Waldsporthalle: Ein paar Worte von dir an deiner Stelle zu den TVK-Fans…

Kai Faltin: Es war für mich immer großartig in der Waldsporthalle vor diesem Publikum und Fans zu spielen. Auch zunächst mit dem gegnerischen Trikot an. Die Stimmung, die von den Rängen aufs Parkett zu uns Spielern herunterschwappte, war immer sehr motivierend und Ansporn genug, alles zu geben. Ich hoffe sehr, dass die Fans und Zuschauer auch weiterhin mit diesem Engagement und dieser Leidenschaft die Mannschaft und den TVK unterstützen werden. Vielen Dank an euch.

Ebenfalls hat der TVK immer von einer tollen ehrenamtlichen Helferschaft im Umfeld profitiert…

Kai Faltin: Hier kann ich auch nur meinen Hut ziehen und ganz herzlich Danke sagen. Es kann leider nicht jedes Engagement innerhalb eines Vereins monetär vergütet werden, dafür fehlen einfach die finanziellen Mittel. Von daher ist dieses Engagement als etwas ganz Besonderes zu bewerten. Auch wenn es nicht immer so zu transportieren ist, kann ich sagen, dass jeder Einzelne von euch Teil dieser Erfolgsgeschichte des TVK der vergangenen Jahre gewesen ist und es hoffentlich auch künftig sein wird. Mein persönlicher Dank geht an all die Ordner, Kassierer, die Thekenmannschaft, das Cateringteam, die Wischer, Auf- und Abbauer, den Schiedsrichterbetreuer, Filmer und Musikeinspieler, den für technische Abwicklung Zuständigen, die Wertmarkenverkäufer, Hallensprecher und die Betreuer der Business-Lounge.

Welche Pläne hast du persönlich für die Zukunft? Wirst du im Handballsport weiterhin tätig bleiben?

Kai Faltin: In jedem Fall kann ich sagen, dass ich mich nicht der HSG Krefeld anschließen werde. Mehr noch, ich werde keinerlei Engagement im Handball annehmen und erstmals nach mehr als 35 Jahren, wenn überhaupt, als Zuschauer dem Handball beiwohnen. Ansonsten werde ich mich den Dingen widmen, die in den vergangenen mehr als drei Jahrzehnten zu kurz gekommen sind.

Ende des vergangenen Jahres hat sich ein neues Kompetenzteam gebildet, um den Umbruch beim TV Korschenbroich einzuleiten…

Kai Faltin: Die Bezeichnung „Kompetenzteam“ finde ich sehr unglücklich gewählt. Ich wünsche den neuen Machern natürlich alles erdenklich Gute, wobei sich handballerische Kompetenz nicht an Jahren einer Mitgliedschaft in einem Verein bemisst - das müssen die Neuen meines Erachtens erst einmal unter Beweis stellen. Den TVK werde ich aus der Distanz immer mit mindestens einem Auge begleiten. Gleichwohl sehe ich aus den Entwicklungen der letzten Jahre beim TVK und meiner Erfahrung bei anderen Vereinen eher schwere Zeiten auf den TVK zukommen. Die tollen Erfolge und das Niveau des TVK-Handballs der vergangenen Jahre, an denen ich teilhaben durfte, werden vermutlich in sehr weite Ferne rücken und lassen sich so vorerst nicht mehr wiederholen. Ich hoffe aber auf einen langfristigen Verbleib der 1. Mannschaft mindestens in der Nordrheinliga.

In Dirk Wolf wird ein alter Bekannter von dir Trainer. Genau der richtige Mann für den TVK?

Kai Faltin: Bestimmt, ja - sonst hätte ich den Kontakt zu ihm nicht hergestellt. Dirk ist damals 2007 als Co-Trainer mit uns Westdeutscher Meister geworden. Er verfügt ohne Zweifel über das nötige Fachwissen, klare Ziele und er wird dem TVK auch menschlich gut tun. Ich wünsche ihm gutes Gelingen, maximalen Erfolg und möglichst verletzungsfreie Spielzeiten seiner Spieler.

Die personellen Planungen wurden Anfang des Jahres vorangetrieben, so dass bereits jetzt elf Spieler für die neue Saison fix sind. Welche Rolle wird der TVK in der nächsten Saison spielen?

Kai Faltin: Das ist schwer zu sagen und hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Mannschaft findet und jeder seine Rolle ein- und übernimmt. 11 Spieler sind in jedem Fall zu wenig. Von daher ist es sicherlich ratsam, keine großen Dinge vom neuen Team und Trainer zu erwarten und schnellstmöglich die Punkte zu sammeln, um nicht nach unten oder noch tiefer ab zu rutschen. Neben den sportlichen Belangen ist es jedoch viel wichtiger, dass sich die neuen Macher entsprechend so engagieren, dass die Rahmenbedingungen und das Umfeld auf wirtschaftlich wie organisatorisch breite, solide Füße gestellt wird. Diese Aufgabe wird zukunftsperspektivisch viel entscheidender für den TVK sein als das Sportliche, sofern die Nordrheinliga gehalten werden kann.

Herzlichen Dank für das Interview. Dir alles erdenklich Gute – sowohl für deine private als auch berufliche und natürlich sportliche Zukunft!

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