Ein gemeinsamer Weg geht zu Ende: Vorsitzender Ernst-August Stüssel (hinten, 4. von rechts) und Trainer Steffen Thiede (vorne rechts) bedankten sich gestern bei Nicola Gottschalk (hinten, von links), Carina Weber, Niko Ewert, Ann-Kristin Pieper, Sina Speckmann, Theresa Janzen, Annika Rohde; Jenna Teigelmeister (vorne), Jacqueline Kindt und Linda Hillmer.

21.04.2015 · 3. Liga, Frauen 3. Liga, Staffel Ost · Von: pm verein / haller kreisblatt

Bilderbuch-Comeback vor dem Abschied - Union Halle rettet sich gegen Rohrsen endültig

Denkwürdiger hätte das letzte Heimspiel für neun Spielerinnen der HSG Union ’92 Halle und Co-Trainer Niko Ewert nicht ausfallen können. Nach hochdramatischen 60 Minuten sicherte der Frauenhandball-Drittligist mit einem 22:22 (9:13)-Unentschieden gegen MTV Rohrsen endgültig den Klassenerhalt. Das entscheidende Tor erzielte eine Spielerin, die ihre Laufbahn eigentlich schon beendet hatte.

Am Samstag um 23.30 Uhr hatte Steffen Thiede erstmals per SMS Kontakt mit Theresa Janzen aufgenommen. „Ich wollte sie vor allem als moralische Unterstützung in diesem wichtigen Spiel dabeihaben“, erklärte Halles Trainer. Die langjährige Spielmacherin der Union, die seit Anfang Februar keinen Ball mehr in der Hand gehabt hatte, lag zu diesem Zeitpunkt schon im Bett und sagte erst am Sonntagmorgen endgültig zu. Was wenige Stunden später passieren sollte, hatte Janzen zu diesem Zeitpunkt „nicht zu hoffen gewagt“, wie sie später zugab. Auf Zuspiel von Katrin Thiede wühlte sich die 36-Jährige in der letzten Minute der Partie auf halblinker Position durch die Rohrsener Abwehr und versenkte den Ball zum 22:22-Endstand im Tor der Gäste. 34 Spielsekunden später lagen sich Spielerinnen, Trainer und Fans der HSG erleichtert in den Armen – ein Comeback wie im Bilderbuch.

Mit der Einwechslung Janzens nach 35 Minuten hatte Thiede einem Spiel indirekt zur Wende verholfen, in dem selbst der Union-Vorsitzende Ernst- August Stüssel seiner Mannschaft angesichts eines 9:13- Pausenrückstands den Sieg „nicht mehr zugetraut“ hatte. In dem Bewusstsein, dass ihnen eine Niederlage ein Herzschlagfinale um den Klassenerhalt am letzten Spieltag beim Tabellenzweiten in Marienberg beschert hätte, agierten die Hallerinnen im Angriff extrem fehlerhaft und wirkten in der Abwehr zeitweise gelähmt. Quälend lange achteinhalb Minuten dauerte es im zweiten Abschnitt, ehe die Gastgeberinnen ihr zehntes Tor erzielten.

Als Edda Sommer kurz darauf zum 11:14 verkürzte, lief es plötzlich. Halle holte Tor um Tor auf und zog zum 18:16 (51.) vorbei. Rohrsen, in diesem Moment praktisch abgestiegen, konterte mit dem Mut der Verzweiflung und markierte in der 59. Minute durch Manuela Schostag per Siebenmeter das 22:20, ehe Thiede und eben Janzen wieder ausglichen.

Tatsächlich aber hielt diese verrückte Partie noch eine allerletzte Pointe bereit: In der Schlusssekunde tauchte Rohrsens Katharine Tyce völlig frei vor Mareen Stüker auf. Doch Halles Torhüterin reagierte nervenstark und wehrte den insgesamt 21. Ball in diesem Spiel ab. „Keks’ letzte Parade war symbolisch für ihre überragende Saison“, sagte Stüssel.

Als der Jubelsturm verklungen war und Nicola Gottschalk mit ihrer Mannschaft ein letztes Mal vor den Fans den Haller Schlachtruf („Ippti wippti tralla pippti“) angestimmt hatte, flossen noch einmal ganz viele Tränen. Jede einzelne der neun scheidenden Spielerinnen und Niko Ewert wurden vom Vorsitzenden mit einem persönlichen Dank und Blumen bedacht.

Gleichzeitig blickte Stüssel aber auch schon wieder nach vorne. „Uns steht ein Einschnitt bevor. Aber es wird neue Gesichter geben, und wir werden auch im neuen Jahr eine gute Mannschaft haben“, sagte er.

Union Halle: Stüker (1.-60.), Werft (bei 7m); Thiede (7/1), Sommer (4/1), Löbig (3), Fräßdorf (3), Janzen (2), Speckmann (2), Bergmann (1), Hillmer, Gottschalk, Teigelmeister, Südmersen (n.e.).

MTV Rohrsen: Mi. Schostag (1.-52.), Böhm (ab 52.); Bister (6), Ma. Schostag (6/2), Parpart (3/2), Osrulic (2), Tyce (2), Kohnke-Zander (1), Bastek (1), Griese (1), Wissmann, Völkel, Martin.

Zeitstrafen: 6:4 – Sommer (2), Speckmann, Thiede, Bergmann, Fräßdorf; Ma. Schostag (2), Bastek, Kohnke-Zander.

Siebenmeter: 2/2:4/7 – Parpart und Ma. Schostag scheitern an Werft.

Schiedsrichter: Brückner/Zimmermann (Bottrop/Bottrop/Tönisvorst).

Zuschauer: 250.

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