53 Trainer lauschten den Referenten beim Trainer-Workshop. Foto: HSG Wetzlar

24.01.2018 · Home, Trainer · Von: PM

Hohe Fachkompetenz bei DHB-Trainer-Workshop in Dutenhofen

53 A-Lizenz-Inhaber informieren sich auf Einladung des DHB und der HSG Wetzlar über Talententwicklung, Aufgabenteilung im Trainerteam und Umgang mit Verantwortung

Wenn Kai Wandschneider spricht, dann hört man zu. Der Trainer von Handball-Erstligist HSG Wetzlar redet nicht nur gerne, er hat auch etwas zu sagen. „Als Trainer übernimmt man viel von dem, was man früher als Spieler selbst mitbekommen hat. Laut brüllen oder Türen eintreten in der Halbzeit zum Beispiel“, sagte der 58-Jährige bei einem seiner Vorträge im Rahmen des DHB-Trainer-Workshops, den die HSG Wetzlar am Wochenende  ausgerichtet hatte. „Ich halte das aber für Blödsinn. Ich mache das nicht.“ 53 A-Lizenz-Inhaber waren für drei Tage in die Sporthalle Dutenhofen gekommen, um sich zu den Themen Talente im Juniorenalter entwickeln, Aufgabenteilung im Trainerteam und Bundesliga-Alltag sowie Verantwortung auf allen Ebenen übernehmen lernen weiterzubilden.

Die HSG Wetzlar hatte gemeinsam mit DHB-Bundeslehrwart Michael Neuhaus ein hochkarätiges Referententeam zusammengestellt. Wetzlars Trainer Kai Wandschneider sprach über die Verantwortung als Chef-Coach, wie systematisch gehandelt und geführt werden kann. Gemeinsam mit seinem Co-Trainer Jasmin Camdzic beschrieb er die Aufgabenteilung zwischen Chef- und Assistenz-Trainer. „Früher war ich sehr dominant, habe mir gesagt: Das musst du noch machen und das und das und das. Mit der Zeit habe ich gelernt, Verantwortung abzugeben“, so Wandschneider, der von einem respekt- und vertrauensvollen Verhältnis zwischen ihm und Jasmin Camdzic berichtete. Camdzic, zugleich Torwarttrainer des Bundesligisten, sprach von einem „blinden Verständnis“, das zwischen beiden vorherrsche.

Wandschneider und Camdzic über Aufgabenteilung im Trainerteam

Nachdem am Freitag zunächst Michael Neuhaus Organisatorisches geklärt hatte, stellte Geschäftsführer Björn Seipp die HSG Wetzlar ausführlich vor. Seipp zeichnete den beeindruckenden Weg der Mittelhessen nach, die 1998 in die Bundesliga aufgestiegen waren und seither fester Bestandteil des Handball-Oberhauses sind. Den vorläufigen Höhepunkt bildete dabei die Saison 2016/17, in der man mit Punkterekord den sechsten Platz erreichen konnte, Deutscher A-Jugend-Meister wurde und mit Kai Wandschneider den Trainer des Jahres stellte. „Das haben wir der harten Arbeit aller Beteiligten zu verdanken, die sich mit allem, was sie haben, sehr viel Know-how und Herzblut in den Klub einbringen“, sagte Seipp, der auch Jugendkoordinator Andreas Klimpke sowie den Trägervereinen der HSG Wetzlar, TSV Dutenhofen und TV Münchholzhausen, für die Unterstützung bei der Ausrichtung des Workshops herzlich dankte.

Der Samstag begann mit der Trainingseinheit der Bundesliga-Mannschaft der HSG Wetzlar. Die Seminarteilnehmer konnten das Zusammenspiel und die Aufgabenteilung zwischen Wandschneider und Camdzic beobachten, Gestik, Mimik sowie Auftreten und Sprache des Trainer-Duos studieren. „Kai ist zwar Cheftrainer, aber ich bin der Chef der Torhüter“, erklärte Camdzic, der im Spiel die Entscheidung treffe, wann und ob ein Torhüter ausgewechselt werde. „Das müssen die Spieler wissen, denn sonst bist du irgendwann nur noch der Übungsleiter.“

Dragan Markovic: „Dichte an Fachwissen unheimlich hoch“

Im Seminarraum wurde die Einheit anschließend besprochen, und es gab die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Viele Teilnehmer zeigten sich beeindruckt. „Ich habe mir zielgerichtet diese Fortbildung ausgesucht, weil ich die Arbeit von Kai und Jasmin sowohl als Handball-Fan als auch als Trainer sehr schätze. Der Vortrag von Kai war fesselnd. Er schafft es in dem harten Profigeschäft immer wieder, auch mal einen Schritt zurückzutreten und zu reflektieren. Man nimmt ihm und Jasmin alles ab, weil man sieht, dass sie Erfolg haben“, sagte Markus Gaugisch, ehemaliger Trainer der Bundesligisten TV Neuhausen und HBW Balingen/Weilstetten.

Auch Dragan Markovic, ehemaliger Bundesliga-Spieler und Nationaltrainer von Bosnien-Herzegowina, war voll des Lobes: „Die Dichte an Fachwissen, die wir hier geboten bekommen, ist unheimlich hoch, und die Vorträge sehr interessant. Beeindruckend fand ich auch die Trainingseinheit mit den Jugendmannschaften. Dort habe ich viel Potenzial gesehen. Den einen oder anderen wird man hoffentlich in der Bundesliga sehen, auch wenn es ein schwieriger Weg ist“, sagte der 48-Jährige. Am Freitagnachmittag hatte es für die Teilnehmer die Möglichkeit gegeben, dem gemeinsamen Training der Wetzlarer U19 (A-Jugend-Bundesliga) und U17 (Oberliga Hessen) beizuwohnen. Thomas Weber (A-Jugend) und Martin Saul (B-Jugend) hatten die Abschlusseinheiten in Hinblick auf die anstehenden Spiele am Wochenende geleitet.

Körpersprache in 20 Minuten

Volker Michel, ehemaliger Bundes- und Nationalspieler, referierte zudem zum Thema Umgang mit Medien. Während seines Vortrags versuchte er in einem 20-minütigen Crashkurs, die wichtigsten Punkte der Körpersprache zu erläutern. Er bezog immer wieder die Teilnehmer mit ein und ließ in Kleingruppen arbeiten. So mussten sich die Teilnehmer gegenseitig filmen und dabei interviewen. In Anschluss analysierten die Gruppen ihre Ergebnisse in Hinblick auf die Körpersprache des Interviewten.

In der Halle ging es am Nachmittag weiter mit dem Chef-Bundestrainer Nachwuchs des DHB, Jochen Beppler. Der 37-jährige Mittelhesse absolvierte mit der U17 der HSG Wetzlar eine Demo-Einheit zum Thema Tempospiel, die er vor allem in Hinblick auf die Entwicklung mit dem siebten Feldspieler optimiert hatte. Seinen vorhergehenden Vortrag hatte Beppler mit einer Videosequenz eingeleitet, die die Entwicklung des Tempospiels im internationalen Spitzenhandball von 1980 bis 2016 verdeutlichte. Am Abend sprach der Wetzlarer Mannschaftsarzt Marco Kettrukat über den richtigen Umgang mit Sportverletzungen und zeigte dabei das eine oder andere Foto, bei dem die Teilnehmer den Schmerz des Patienten bestens nachvollziehen konnten.

Training nach der Wettkampfbelastung

Zum Ausklang am Sonntag stellte Bundeslehrwart Michael Neuhaus die neuen Entwicklungen im DHB-Lehrwesen vor, bevor es ein letztes Mal in die Halle ging. Wetzlars Athletiktrainer Jonas Rath referierte über die Trainingssteuerung im Athletiktraining und ließ seinen Worten sogleich Taten folgen, als er mit der U15 (Oberliga Hessen) der HSG Wetzlar eine Einheit unter dem Thema Training nach der Wettkampfbelastung absolvierte.

„Ich habe mich im Vorhinein sehr auf das Seminar gefreut, weil man mit Blick auf das Programm schon sagen konnte, dass es viel Qualität bieten würde. Es war sehr interessant, mal eine Trainingseinheit von Kai Wandschneider und auch von Jochen Beppler zu sehen, der bereits sehr gute Arbeit im Jugendbereich gemacht hat“, sagte der ehemaliger Bundesliga-Spieler Sven Lakenmacher.

Auch Bundeslehrwart Michael Neuhaus zog ein positives Fazit: „Das war eine tolle Veranstaltung mit einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Referenten haben von der doch heterogenen Teilnehmerschaft durchweg ein positives Feedback erhalten und waren auch nach den Vorträgen im intensiven Austausch mit den Teilnehmern. Das ist das ‚Best Case‘-Szenario. Besonders gefreut hat mich, dass die verabredeten Konzeptionen eins zu eins umgesetzt worden sind.“

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