Gemeinsam für die Zukunft: Was hinter der Bundestrainertagung steckt
Auf dem Programm der diesjährigen Bundestrainertagung standen der Rückblick auf die vergangene Saison, die Vorbereitung auf kommende Großereignisse und die langfristige Ausrichtung der Nationalmannschaften. Zu den Schwerpunkten gehörten die Reform der nationalen Sichtung, das Athletenmonitoring und die Belastungssteuerung sowie das Thema Frau und Spitzensport hinsichtlich präventiv-gesundheitlicher Themen. Zugleich bot die Tagung Raum für den Austausch zwischen dem Männer-, dem Frauen- und dem Nachwuchsbereich.
Mitte September 2026 kamen die Bundestrainerinnen und Bundestrainer des Deutschen Handballbundes im Schlosshotel Berlin zusammen. Neben den hauptamtlichen Bundestrainerinnen und Bundestrainern nahmen weitere Mitglieder der Trainerteams sowie Verantwortliche aus den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Athletik und Torwarttraining teil. Die Tagung erstreckte sich über zwei halbe und einen ganzen Tag mit insgesamt zwei Übernachtungen. Über die Ziele und den sportlichen Mehrwert der Bundestrainertagung haben wir mit DHB-Sportvorstand Ingo Meckes gesprochen.
Ingo, warum findet die Bundestrainertagung statt und was soll sie bewirken?
Ingo Meckes: Für uns ist wichtig, dass vor dem Start jeder Nationalmannschaftssaison alle Bundestrainerinnen und Bundestrainer zusammenkommen. Der erste Teil ist rückblickend: Die Cheftrainerinnen und Cheftrainer berichten über ihre Saison und die jeweiligen Großereignisse. Dabei geht es darum, Erkenntnisse zu teilen und gemeinsam zu schauen, was gut funktioniert hat und wo wir uns weiterentwickeln müssen.
Im zweiten Teil richten wir den Blick nach vorne. Wo wollen wir hin? Wie stellen wir uns für die Zukunft auf? Welche gemeinsamen sportlichen Leitlinien brauchen wir und wie setzt sich unser Elitekader künftig zusammen? Die Tagung ist deshalb ein wichtiger Startpunkt für die neue Saison. Gleichzeitig soll sie dazu beitragen, einen gemeinsamen roten Faden über alle Nationalmannschaften hinweg zu entwickeln.
Auch die persönliche Vernetzung ist wichtig. Am Abend unternehmen wir etwas gemeinsam. So kommen alle miteinander ins Gespräch und können voneinander profitieren.
Welche Themen standen bei der diesjährigen Tagung besonders im Mittelpunkt?
Ingo Meckes: Ein Kernthema war die Reform der nationalen Sichtung. Wenn die Landesverbände im Februar und März ihre Talente präsentieren, soll es künftig einige Änderungen geben. Dieses Projekt planen wir seit über einem Jahr, wir haben nun den Ablauf und unsere Anforderungen konkretisiert. Im nächsten Schritt werden wir diese Punkte den Landesverbänden, die wir seit Beginn des Projekts über alle Entwicklungsschritte informieren, vorstellen.
Weitere Themen waren die organisatorische Aufstellung der Mannschaften und ihrer Trainerteams sowie die Vorbereitung auf die kommenden Großereignisse. Im Frauenbereich haben wir uns außerdem mit dem Thema Frau und Spitzensport unter Berücksichtigung des weiblichen Zyklus beschäftigt. Wir wollen uns in diesem Bereich weiterentwickeln und die Rahmenbedingungen noch stärker an den individuellen Voraussetzungen der Spielerinnen ausrichten.
Die Gruppe selbst bringt bereits sehr viel Wissen und Erfahrung mit. Wenn wir uns mit speziellen Fragestellungen beschäftigen, holen wir aber auch Expertinnen und Experten von außen hinzu. Diese müssen nicht zwingend aus dem Handball kommen. Je nach Thema können sie aus einer anderen Mannschaftssportart, aus der Medizin oder aus einem wissenschaftlichen Bereich stammen.
Warum ist der Austausch zwischen den verschiedenen Mannschaften und Altersklassen so wichtig?
Ingo Meckes: Wenn ein U17-Bundestrainer ein außergewöhnliches Talent sieht, müssen auch die Trainerinnen und Trainer der folgenden Altersstufen wissen, wer dort nachkommt. Nur so können wir die Entwicklung der Spielerinnen und Spieler langfristig und über die einzelnen Nationalmannschaften hinweg begleiten.
Wir wollen außerdem bestimmte Grundlagen festlegen, die alle Mannschaften umsetzen. Das kann taktische Aspekte betreffen, aber auch die Frage, welche Spielertypen wir in fünf oder zehn Jahren benötigen. Diese Überlegungen fließen bereits in die Sichtung junger Talente ein.
Die Nachwuchstrainerinnen und Nachwuchstrainer haben gemeinsam mit den Vereinen den Auftrag, Spielerinnen und Spieler so mitzuentwickeln, dass sie später die A-Nationalmannschaften stärken können. Im Nachwuchsbereich geht es daher nicht ausschließlich um kurzfristige Erfolge oder Titel. Entscheidend ist, welche Talente langfristig den Sprung in den internationalen Spitzenhandball schaffen. Dafür ist der regelmäßige Austausch zwischen Nachwuchs- und A-Nationalmannschaften sowie zwischen dem Männer- und dem Frauenbereich sehr wertvoll.
Wie weit richtet sich der Blick dabei in die Zukunft und was kommt davon in der täglichen Arbeit an?
Ingo Mecke: Bei der ersten Sichtung sind die Talente 14 oder 15 Jahre alt. Wir planen also, wie die A-Nationalmannschaften in acht bis zehn Jahren aussehen könnten. Ich spreche deshalb häufig von Acht-Jahres-Zyklen. Wir müssen uns frühzeitig fragen, welche Fähigkeiten und Spielertypen künftig gefragt sein werden.
Bei den A-Nationalmannschaften ist der Blick zunächst etwas kurzfristiger. Dort geht es um die kommenden Großereignisse, die Zusammensetzung der Kader und die Frage, welche Spielerinnen und Spieler sich in den nächsten zwei oder drei Jahren aufdrängen können. Bei der Bundestrainertagung werden beide Perspektiven zusammengeführt.
Gleichzeitig entstehen sehr konkrete Impulse für die tägliche Arbeit. Ein Beispiel ist das Athletenmonitoring. Bewegungsdaten und die Belastungen im Training liefern wichtige Informationen für die Belastungssteuerung. Wir beschäftigen uns außerdem damit, wie wir unsere Analysesoftware weiterentwickeln und wissenschaftliche Erkenntnisse noch besser nutzen können. Solche Themen schlagen sich anschließend unmittelbar in der Arbeit der Trainerteams nieder.
Zum Abschluss nicht ganz ernst gefragt: Was darf bei einer Bundestrainertagung nicht fehlen – Kaffee, Taktiktafel oder gute Nerven?
Ingo Meckes: Kaffee darf tatsächlich nicht fehlen. Und auch der Spaß nicht. Wir haben immer einen gemeinsamen Teamabend, an dem wir etwas unternehmen. Da gibt es keine Vorbehalte und keine Berührungsängste. Man merkt, dass es ein tolles Team ist. Dieser Abend darf deshalb ebenfalls nicht fehlen.