Michaela Röhrbein: „Mehr Frauen im DHB sind die Chance auf Veränderung“
Michaela Röhrbein: „Mehr Frauen im DHB sind die Chance auf Veränderung“
Am 11. und 12. Oktober fand in Kassel das DHB-Frauenforum statt. In Anwesenheit von Präsident Bernhard Bauer und Rekordnationalspielerin Grit Jurack tagten die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto „Auf dem Weg zur WM 2017“ intensiv unter Leitung der Frauenkommission. Einige Wochen nach Ende der Netzwerkveranstaltung blickt Michaela Röhrbein in einem Interview auf das Forum zurück. Die Leiterin des Zentrums für Hochschulsport der Universität Hannover lobt die Ergebnisse als „Schatz“ und hält fest: „Mehr Frauen im DHB sind die Chance auf Veränderung und machen ihn zukunftsfähig.“
Frau Röhrbein, wenn Sie auf das Frauenforum zurückblicken: Wie fällt Ihr Fazit aus?
Röhrbein: Das DHB-Frauenforum ist eine voll mit Innovationskraft steckende Veranstaltung und erfährt durch das DHB-Präsidium hohe Anerkennung. Ich habe eine Aufbruchsstimmung wahrgenommen - und, dass sich verstärkt beide Geschlechter für effektive gleichberechtigte Strukturen engagieren wollen. Es wurde erlebbar, dass sich DHB-Präsident Bernhard Bauer persönlich für die Förderung des Mädchen- und Frauenhandballs stark macht und diesem Thema nicht nur mit Blick auf die Frauen-WM 2017 eine hohe inhaltliche und strategische Bedeutung beimisst. Dies kann von großem Wert für die Zukunft des Verbandes sein.
Wie haben Sie als Funktionsträgerin, die nicht aus dem Spitzenverband des Deutschen Handballbundes bzw. seinen Landesfachverbänden kam, die Atmosphäre auf dem Forum wahrgenommen?
Röhrbein: Handballfrauen sind voller Power, pragmatischer Tatkraft gepaart mit kreativem wie klugem Einfallsreichtum. Es war toll zu sehen, wie sich die bunt gemischten Teilnehmenden aufeinander einließen und eine hervorragende Atmosphäre schufen. Nur mit dieser Offenheit und Energie war es auch möglich, auf hohem Niveau so viel Output zu produzieren. Das Portfolio an Maßnahmen, das innerhalb der beiden Tage mit einer hohen Taktung und beachtlicher Zielorientiertheit zur Beförderung von mehr Frauen im Handball auf allen Ebenen erarbeitet wurde, ist ein Schatz!
Wenn Sie einen Blick von außen auf das Thema „Frauen im Handball” werfen, wie würden Sie die derzeitige Situation einschätzen?
Röhrbein: Bei den Diskussionen, die ich beim Forum verfolgen durfte, wurde deutlich, dass der DHB schon gute Maßnahmen umsetzt hat, die zu einer größeren Durchmischung von Frauen und Männern in verschiedensten Bereich geführt hat, aber auch noch eklatante Ungleichgewichte bei den Ressourcen und Beteiligungsmöglichkeiten für Frauen vorliegen. Parallel zu den Problemen und Herausforderungen wurden im Forum immer auch Perspektiven und Lösungswege diskutiert und angeboten - dabei ist ein bunter Ideenaustauschmarkt entstanden. Es war eine hohe Energie und ein starker Veränderungswillen spürbar. Grit Jurack als Botschafterin der WM geht hier als Leistungsträgerin und Vorbild voran.
Was hat Ihnen besonders gefallen und evt. sogar beeindruckt?
Röhrbein: Mich begeisterte besonders, dass die Strategien mit Blick auf die Frauen-WM 2017 und Männer-WM 2019 veranstaltungs- und geschlechterübergreifend angedacht wurden. Dies halte ich für eine wegweisende Ausrichtung zur Schaffung von Synergieeffekten. Frauen und Männer sind gemeinsam für mehr gleichberechtigte Teilhabe am Ball und das zog sich für mich durch die beiden Tage des Frauenforums. Wenn es dem DHB gelingt, diesen Weg zu gehen, dann bin ich sicher, dass mittel- und langfristig positive Effekte bis in die Vereine spürbar werden.
Warum braucht es mehr Frauen im Handball - egal, in welcher Funktion?
Röhrbein: 2013 war in verschiedenen Medien zu lesen: „Mitgliederschwund im deutschen Handball - historisches Tief erreicht“. Allein schon deshalb kann es sich der DHB - wie auch kein anderer Verband - leisten, die Hälfte seines Potenzials unbeachtet zu lassen. Auf den Punkt: Mehr Frauen im DHB sind die Chance auf Veränderung und machen ihn zukunftsfähig!
Sie setzen sich ja bereits seit längerem für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ein. Wieso ist das für Sie zu so einem wichtigen Thema geworden?
Röhrbein: Ich bin persönlich davon überzeugt, dass es für die Sache und beide Geschlechter Vorteile mit sich bringt, wenn ein ausgewogeneres Gleichgewicht von Frauen in Männern in allen Ebenen und Bereichen erreicht wird - egal, ob im Sport, der Wirtschaft oder der Wissenschaft. Vielfalt ist bereichernd, setzt innovatives Potenzial frei und macht zukunftsfähig - das erlebe ich täglich in meinem Beruf und auch in meinen Ehrenämtern. Diese Erfahrung gebe ich gerne weiter!