Vorstand Sport Ingo Meckes. - Foto: Marco Wolf
Vorstand Sport Ingo Meckes. - Foto: Marco Wolf

„Insgesamt gesehen eine sehr gute Saison"

19.06.2026 | U-Teams

 

Das große Interview mit DHB-Vorstand Sport zum Start des Nachwuchssommers 

Ingo Meckes, der Sommer steht bevor, und das heißt wieder viele Turniere für die DHB-Nachwuchsmannschaften. Bevor wir vorausschauen, ein Blick zurück: War die Saison 2025/26 mit dreimal Gold für den Nachwuchs und zweimal Silber für die A-Mannschaften im Winter überragend?  

Ingo Meckes: Es war insgesamt gesehen eine sehr gute Saison, die im Sommer 2025 mit den Ergebnissen der Nachwuchsteams sehr erfolgreich gestartet war – herausragend natürlich der Weltmeistertitel der männlichen U19, der Europameistertitel der weiblichen U19 und WM-Gold für die männliche U17. Es folgten die Frauen mit dem Vize-Weltmeistertitel und die Männer als Vize-Europameister. In beiden Finals hat sich gezeigt, dass bis ganz nach vorn noch ein kleines Stück fehlt. Diese Ergebnisse sind aber auch eine Verpflichtung und der Auftrag, diese Lücke in den nächsten Jahren zu verkleinern.  

Als erste Mannschaft startet die weibliche U20 in den Nachwuchssommer. Mit welchen Chancen reist das Team von Christopher Nordmeyer zur Weltmeisterschaft nach China?  

Ingo Meckes: Es ist eine sehr kompakte, sehr gewachsene Mannschaft mit spannenden Spielerinnen und mit unterschiedlichen Profilen. Wir haben Größe, wir haben Technik, wir haben Athletik, das ist alles drin. Ein paar Spielerinnen wie Chiara Rohr, Lara Däuble oder Jana Walther durften ja schon bei der A-Nationalmannschaft reinschnuppern. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen. Als U19-Europameisterinnen wollen sie auch bei der WM um eine Medaille spielen.  

Mit einer ähnlichen Ausgangslage geht die U20 männlich in ihre Europameisterschaft in Rumänien. Sie waren letztes Jahr Weltmeister, einige Spieler haben in der HBL schon Akzente gesetzt. Wie sehen Sie dieses Team?  

Ingo Meckes: Das ist ebenfalls eine sehr spannende Formation. Mir haben letztes Jahr das Mindset und der Wille der Mannschaft gefallen. Handballerisch sind große Talente dabei. Rasmus Ankermann war schon bei einem Lehrgang der Männer-Nationalmannschaft zu Gast, und auch weitere Spieler haben sich wirklich toll entwickelt. Wenn wir keine Verletzungsprobleme haben und die Mannschaft kompakt zusammenbleibt, bin ich optimistisch, dass sie weit kommen. Allerdings warten mit Frankreich und Portugal schwere Brocken bereits in der Vorrunde. Ich werde mir ein paar Spiele vor Ort anschauen und hoffe auf ein gutes Ergebnis.  

Sie haben Spielerinnen wie Chiara Rohr und Jana Walther oder Spieler wie Rasmus Ankermann angesprochen. Wie eng ist aktuell die Verzahnung von Juniorinnen und Junioren mit den A-Teams?  

Ingo Meckes: Die ist überragend. Zum Beispiel ist Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch als Delegationsleiter bei der U20-WM in China. Bei Frauen und Männer gibt es einen ständigen Austausch. Auch Alfred Gislason ist sehr interessiert, was in den Nachwuchsmannschaften passiert. Und dann haben wir natürlich noch mit Erik Wudtke den Link, der als Co-Trainer der A-Mannschaft und Cheftrainer der Jugendnationalmannschaft direkt beteiligt ist bei den U18- und U19-Teams. Deswegen ist die Verzahnung nicht nur wichtig, sondern sie ist auch gewährleistet. Das zeigt sich ja auch daran, dass wir aktuell acht U21-Weltmeister von 2023 im A-Kader der Männer haben. 

Wie wichtig ist diese Vorbildrolle für die jüngeren Spieler, wenn sie sehen, dass man den Sprung ins A-Team sehr schnell schaffen kann? Ist das eine besondere Motivation?  

Ingo Meckes: Es ist wichtig zu zeigen, dass das System durchlässig ist, dass es auf Leistung ankommt. Es ist natürlich auch so, dass es zunehmend immer schwieriger wird, in die A-Teams zu kommen. Je mehr Talente den Sprung schaffen, desto größer wird die Konkurrenz-Situation, was für uns als Verband natürlich super ist. Je mehr Junge da anklopfen, desto größer wird auch die Breite, weil sie dann wirklich die sportlichen Qualitäten haben. Das ist eine Situation, die mich sehr freut. 

Wir haben die jüngeren Mannschaften angesprochen, die in den nächsten Wochen ebenfalls Welt- und Europameisterschaften oder Turniere wie die European Open vor sich haben. Was steht für den DHB bei diesen Teams im Vordergrund: um Medaillen zu kämpfen oder die individuelle Entwicklung der Spielerinnen und Spieler?  

Ingo Meckes: Ein zentraler Gedanke muss aus meiner Sicht immer die individuelle Entwicklung sein. Gleichwohl ist es für die individuelle Entwicklung auch sehr wichtig, Erfolge zu erzielen und zu erleben, mit den weltbesten Talenten mithalten zu können. Aber im Zentrum muss die individuelle Entwicklung stehen. Die Erfolge kommen automatisch dazu, wenn man als Mannschaft konkurrenzfähig ist. 

Wolfgang Sommerfeld hat immer betont, wie prägend ein Halbfinale bei großen Turnieren für die Entwicklung von jungen Spielern und Spielerinnen ist. Sehen Sie das ähnlich?  

Ingo Meckes: Ja, auf jeden Fall. ich war letztes Jahr sowohl bei der weiblichen U19, die Europameister wurde, als auch bei der männlichen U19, die Weltmeister wurde. Wenn man sieht, was da für ein Spirit entsteht, wie die Spielerinnen und Spieler einen Glauben entwickeln, wie sie dann auf Top-Niveau spielen, an die Leistungsgrenze gehen und es dann auch schaffen, alles zu investieren. Das macht schon was mit einer jungen Spielerin oder einem jungen Spieler. Und das bringt sie auch auf ein nächstes Level.  

Vergangenes Jahr sind zwei neue Trainer im Nachwuchsbereich dazugekommen, Michael Schweikardt und Heike Ahlgrimm, die den männlichen beziehungsweise weiblichen Bereich verantworten. Wie sehen Sie die bisherige Zusammenarbeit?  

Ingo Meckes: Ich arbeite mit beiden sehr gern und intensiv zusammen und sie haben einen Super-Start gehabt. Die Profile sind dabei etwas unterschiedlich: Michael Schweikardt ist als Chef-Bundestrainer Nachwuchs männlich auch direkt in die Trainingsarbeit integriert. Wir haben ein neues Team im U18 und U19-Bereich, mit dem wir den jüngeren Jahrgang teilweise eigenständig führen und Länderspiele bestreiten, damit wir Entwicklungsdifferenzen in diesem wichtigen Alter kompensieren können. Und dann wird sich Michael Schweikardt auch aktiv in die U16/17 einbringen. Bei Heike Ahlgrimm ist es so, dass sie keine Mannschaft direkt trainiert, aber das Projekt des Aufbaus der Bundesstützpunkte leitet. Das ist für den Deutschen Handballbund ein absolutes Leuchtturmprojekt und eine große Aufgabe. Wir werden 2027 mit Stuttgart und Leipzig an den Start gehen. Da legt Heike Ahlgrimm die Basis und treibt das Projekt voran, neben ihrer eigentlichen Tätigkeit als Chef-Bundestrainerin Nachwuchs weiblich. 

Gemeinsam mit Talentcoach Carsten Klavehn sind beide auch in die Sichtungen involviert, mit denen bekanntlich fast alle Länderspielkarrieren starten. Was hat sich bei den Talentsichtungen geändert?  

Ingo Meckes: Wir haben hier bereits einiges getan und werden die Sichtungen kontinuierlich weiterentwickeln. Wir wollen das Konzept noch zielgerichteter auf bestimmte Fähigkeiten, auf Positionen und auch auf die Zahl handballspielender Jugendlicher in den betreffenden Landesverbänden und Jahrgängen anpassen. Grundsätzlich war das Ergebnis in diesem Jahr positiv. Für uns muss das Ziel sein, dass wir gemeinsam mit den Landesverbänden eine recht hohe Trefferquote bei den Talenten haben.  

Wie wichtig sind Leuchtturm-Turniere wie die Frauen-WM 2025 oder die bevorstehende Männer-WM 2027, um den Nachwuchs dazu zu motivieren, sich dem Leistungssport zu widmen?  

Ingo Meckes: Absolut zentral, aber nicht nur für die Talente, sondern den gesamten Handball. Die Handball-Bundesliga Frauen hat gerade einen neuen Zuschauerrekord verkündet. Ich bin überzeugt, dass die WM-Silbermedaille ein Grundstein dafür war, dass Frauenhandball immer beliebter wird in Deutschland. Nationalmannschaftserfolge werden immer ein Motor sein, damit Kinder zum Handball kommen, damit die Bevölkerung sensibilisiert wird, damit Handball in aller Munde ist. Deshalb waren die beiden Monate im vergangenen Winter so wichtig mit den Erfolgen bei Frauen und Männern, beide Teams haben sich dabei perfekt ergänzt. Wir hatten zwei Monate voll mit Handball, und das hat dem Handball sehr, sehr viel gebracht, das spüren wir.  

Sie haben die künftigen Bundesstützpunkte für den weiblichen Bereich erwähnt. Im männlichen Bereich gibt es schon seit langem die Kooperation mit den HBL-Klubs und deren Leistungszentren. Wie sehen Sie den Stand der Zusammenarbeit dort?  

Ingo Meckes: Ich finde die Zusammenarbeit mit der HBL sehr gut, egal, ob es in der Nachwuchsförderung ist, bei den Nationalmannschaften oder bei den Schiedsrichtern. Es ist immer  konstruktiv, kollegial und ich schätze die Zusammenarbeit sehr.