Der Gummersbacher Klaus Brand wird 85 Jahre alt
Studenten-Weltmeister und großer Bruder von Heiner Brand, Kapitän der (einst) besten Vereinsmannschaft der Welt …
Mit dem Namen Brand können alle im Handball etwas anfangen. Diesmal geht es aber nur am Rande um Heiner Brand (74), den Weltmeister von Kopenhagen 1978 als Spieler und Weltmeister von Köln 2007 als Trainer der Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB). Heute ist Heiners großer Bruder Klaus an der Reihe: Der war nämlich schon viel früher Weltmeister und wird am Freitag, dem 7. August 2026, in seiner Heimatstadt Gummersbach 85 Jahre alt.
Klaus ist der älteste der drei Brüder aus der berühmten Gummersbacher Handballfamilie Brand. Zwischen Klaus und Heiner gibt es noch den 82-jährigen Jochen Brand … und alle haben das Handball-Gen von ihrem Vater Erwin („Sherry“) Brand (1913-2000) geerbt, der ebenfalls beim VfL Gummersbach zu seiner Zeit im Feldhandball aktiv war und die höchst erfolgreichen Karrieren seiner drei Söhne meist direkt am Spielfeldrand Zeit seines Lebens mitverfolgt hat.
Klaus Brand kam im Alter von zehn Jahren vom Spielturnen zum Handball in der damals sog. Schüler-Mannschaft (heute: C-Jugend) des VfL Gummersbach und wurde als Jugendlicher in die westdeutsche Auswahl berufen (u.a. mit dem gleichaltrigen Herbert Lübking von Grün-Weiß Dankersen, heute GWD Minden); eine DHB-Junioren-Nationalmannschaft gab es damals noch nicht.
Als Kapitän gehörte Klaus Brand zusammen mit seinem Bruder Jochen zu jenem höchst erfolgreichen Gummersbacher Team u.a. mit Torwart Bernd Podak (1942-2018), Kreisläufer Burkhardt Müller (80) und Jochen Feldhoff (82) auf Rechtsaußen, das in den 1960er Jahren in der Halle national und international mit seinen Titelgewinnen zur vermeintlich besten Handballmannschaft der Welt aufstieg: 1966, 1967 und 1969 Deutscher Meister, 1968 und 1970 Vize-Meister, dazu Europapokalsieger der Landesmeister in den Jahren 1967, 1970 und 1971 mit unvergessenen Endspielen vor bis zu 13.000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle, damals die „gute Stube des DHB“, gegen Dukla Prag (17:13), gegen SC Dynamo Berlin (14:11) und gegen Steaua Bukarest (17:16): „Wir Gummersbacher waren lupenreine Amateure mit zweimal und vor wichtigen Spielen dreimal Training in der Woche und standen dann Profis im Staatsdienst gegenüber“, beschreibt Klaus Brand die ungleiche Ausgangslage. Für den Gewinn des Europapokals der Landesmeister erhielt Klaus Brand am 28. April 1967 das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten aus den Händen des damaligen Bundesinnenministers Paul Lücke (1914-1976), der aus Marienheide in der Nähe von Gummersbach stammte.
Der Jubilar Klaus Brand gehörte 1966 mit seinem VfL zu den Gründungsmitgliedern der (damals noch zweigleisigen) Bundesliga. Er war als umsichtiger Abwehrchef stets der Fels in der „Brandung“ und führte im Angriff geschickt Regie als Spielmacher. Damals gab es noch Endspiele der beiden Staffelsieger Nord und Süd. Dabei deklassierte der VfL Gummersbach zweimal die SG Leutershausen (14:9 und 21:13) den TV Hochdorf sogar mit 23:7. Ein regelrechter Reinfall war allerdings das Finale 1968, das in Böblingen mit 13:20 ebenfalls gegen Leutershausen verloren ging: „Da waren wir zu überheblich und zu siegessicher. Alle waren mit ihrer Skiausrüstung angereist, um als frisch gekürter Deutscher Meister nach Seefeld zum Skilaufen weiterzufahren“, erklärt Brand die Pleite im Finale mit der ebenso verkorkster Skireise nach 60 Jahren selbstkritisch.
Im Jahre 1971 wechselte Klaus als Spielertrainer zum TuS Derschlag und stieg mit dem oberbergischen Nachbarn in die Bundesliga auf. Aus dieser Zeit sind auch die beiden Bruderduelle mit Heiner datiert, bevor beide 1978 dann doch noch gemeinsam beim VfL Gummersbach zum Einsatz kamen: Klaus war für die DHB-Pokalspiele kurzfristig reaktiviert worden. Seine Mitspieler hießen da schon Joachim Deckarm (72) und Erhard Wunderlich (1956-2012).
Klaus Brand wurde mit dem Team des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) unter der Leitung des späteren DHB-Bundestrainers Prof. Horst Käsler (1926-1987, Berliner SV 92) am 6. Januar 1965 in Madrid Studenten-Weltmeister nach einem 10:7-Sieg gegen Spanien; zwei Jahre davor war er schon Vize-Weltmeister nach einer 11:14-Niederlage gegen Gastgeber Schweden in Lund geworden. Zu Brands Mannschaftskameraden gehörten u.a. die DHB-Nationalspieler Rolf Jäger (1937-2011, ebenfalls VfL Gummersbach, damals Student an der TH Aachen) Rüdiger-Felix („Sir“) Schmacke (86, Uni Göttingen, u.a. SG Leutershausen) und Wolfgang Braun (82, u.a. Berliner SV 92, TU Berlin). Klaus Brand war damals an der Deutschen Sporthochschule Köln und an der Universität zu Köln eingeschrieben und arbeitete später in Gummersbach und an einer Ganztagsschule in Köln als Lehrer mit den Fächern Mathematik, Geschichte und Sport.
Bleibt am Ende nur noch eine Frage „brandaktuell“ zu klären: Heiner Brand kommt auf insgesamt 130 Länderspieleinsätze für den DHB, Jochen Brand auf immerhin 47. Und warum wurde Klaus Brand nie DHB-Nationalspieler: „Der war damals zu stur und wohl etwas aufmüpfig“, erklärt Bruder Heiner spontan mit einem leichten Schmunzeln. Dem engen brüderlichen Zusammenhalt hat das bis heute keinen Abbruch getan. Klaus Brand feiert seinen Geburtstag mit der Familie und „alten“ Gummersbacher Handballkameraden. Die weiteste Anreise dürfte Erik Veije Rasmussen (67) aus Dänemark haben: Er gehörte als Rückraum links zum Gummersbacher Team von Trainer Klaus Brand, das in der Saison 1984/85 Deutscher Meister und DHB-Pokalsieger wurde...bis heute das letzte Double des VfL Gummersbach.
Die DHB-Familie schließt sich den zahlreichen Glückwünschen zum 85. Geburtstag von Klaus Brand an.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann