Frank-Michael Wahl 1991 in Aktion. - Foto: imago/Sven Simon
Frank-Michael Wahl 1991 in Aktion. - Foto: imago/Sven Simon

Jubiläum für deutsch-deutschen Handball-Star

23.08.2026 | Verband

 

Rekord-Nationalspieler und Olympiasieger 1980: Frank-Michael Wahl wird 70

Er ist Deutschlands Rekord-Nationalspieler und war einer der weltbesten Handballer seiner Zeit. Der größte Erfolg in seiner herausragenden Karriere war der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau mit der Mannschaft des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR. Am Montag, 24. August 2026, feiert er seinen 70. Geburtstag. Die Rede ist von Frank-Michael („Potti“) Wahl.

Der Jubilar belegt aktuell Rang 12 der „ewigen Weltrangliste“ aller Handball-Nationalspieler mit mehr als 200 internationalen Einsätzen. Ganz genau kommt Frank-Michael Wahl auf insgesamt 344 Einsätze, davon entfallen 313 Länderspiele auf den DHV. Nach der deutsch-deutschen Vereinigung trug Wahl im Zenit seiner Karriere noch 31-mal das Trikot des Deutschen Handballbundes (DHB). Mit seinen 1412 vorzugsweise von der Position Rückraum links erzielten Toren (1338/74) belegt Wahl derzeit sogar Rang drei in der „ewigen Welt-Torschützenliste“ des Handballsports.

Frank-Michael Wahl ist in Rostock geboren und blickt auf erste nationale Erfolge als Schwimmer zurück: mehrfacher Spartakiade-Sieger und DDR-Jugendmeister über 100 Meter Delphin (Bestzeit: 1:01,0 Minuten). Erst mit 16 Jahren kam Wahl zum Handball – zu jener Sportart, die schon sein Vater Heinz (noch auf Großfeld) ausgeübt hatte. Beim SC Empor Rostock wurde sein außergewöhnliches Talent sofort erkannt und kontinuierlich weiterentwickelt: „Ich kenne keinen anderen Spieler, der so bewusst und so bereitwillig trainiert hat wie Frank-Michael. Er war immer schon vor Trainingsbeginn, wenn andere noch auf der Bank am Schnacken waren, mit dem Ball unterwegs in der Halle“, erinnert sich Klaus Langhoff (87), nach der Wende bis 2004 unter anderem als verantwortlicher Nachwuchstrainer im männlichen Bereich des DHB tätig. Langhoff förderte „Potti“ zuerst als Vereinstrainer in Rostock und durfte mit ihm als Coach der DDR-Nationalmannschaft (zusammen mit Paul Tiedemann) in Moskau den überraschenden 23:22-Olympiasieg gegen die favorisierte Sowjetunion nach Verlängerung feiern. Mit fünf Treffern erzielte Frank-Michael dabei die meisten Feldtore beim Gewinn der bisher einzigen deutschen Goldmedaille im Hallenhandball.

Viermal nahm der gelernte Maschinen- und Anlagemonteur Wahl an Weltmeisterschaften für die DDR teil: Seine größten Erfolge waren jeweils dritte Plätze 1978 in Dänemark und 1986 in der Schweiz; 1982 in der Bundesrepublik war es Platz sechs, und 1990 in der (damaligen) Tschechoslowakei sicherte er mit Rang acht für den DHV die erste gesamtdeutsche Olympiateilnahme 1992 in Barcelona. Als einziger DDR-Olympiasieger von 1980 war der inzwischen 35-jährige Wahl hier mit der ersten „vereinigten DHB-Mannschaft“ unter Bundestrainer Horst Bredemeier (GWD Minden) am Start … und belegte „nur“ Rang zehn von zwölf Mannschaften; vier Jahre zuvor 1988 in Seoul war er mit der letzten DDR-Mannschaft noch siebter geworden.

Mit seinem Heimatverein SC Empor Rostock spielte Wahl in der DDR-Oberliga und gewann drei DDR-Meisterschaften (1978, 1986 und 1987) und war zwischen 1980 und 1989 siebenmal FDGB-Pokalsieger. International gewann er 1982 den Europapokal der Pokalsieger und die Champions Trophy, die zwischen 1979 und 2008 als Vereins-Europameisterschaft ausgetragen wurde. „Potti“ war in den 1980er Jahren viermal Torschützenkönig der DDR-Oberliga; in den Jahren 1982, 1985 und 1987 wurde er zum Handballer des Jahres in der DDR gewählt. Das war eine besondere Auszeichnung, die von 1980 bis 1989 nach einer Abstimmung von DDR-Journalisten vergeben wurde.
In seinem Porträt mit der „erstklassigen“ Überschrift: „Potti war immer erste Wahl“ beschreibt der Rostocker Sportjournalist Stefan Ehlers den Jubilar so: „Wahl war der Spieler mit der eingebauten Torgarantie. Wie kaum ein anderer konnte der 1,90 Meter lange Rechtshänder den Sprungwurf verzögern, ohne dabei an Explosionskraft zu verlieren. Mit bis zu 160 Stundenkilometern schlugen die Bälle im gegnerischen Gehäuse ein.“ Das war auch dann noch der Fall, als Wahl zwei Monate nach der Maueröffnung 1990 zum Zweitligisten SG VfL/BHW Hameln wechselte und gleich in die Bundesliga aufstieg.

Als Wahl am 24. Juni 1993 in Hameln seine deutsch-deutsche Nationalmannschafts-Karriere mit einem Abschiedsspiel gegen die DHB-Auswahl von Bundestrainer Arno Ehret offiziell beendet, ernennt ihn DHB-Präsident Bernd Steinhauser zum ersten „gesamtdeutschen DHB-Ehrenspielführer“ – eine Auszeichnung, die heute fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Frank-Michael Wahl indes nahm noch nicht so ganz Abschied als Aktiver: Mit der TSG-Altenhagen-Heepen in Bielefeld spielte er anschließend in der zweiten Liga. Danach wechselte er zum TSG Emmerthal im Landkreis Hameln-Pyrmont, bevor 1999 seine Karriere als Trainer wiederum bei der SG VfL/BHW Hameln begann, nachdem der heutige DHB-Bundestrainer Alfred Gislason dort gehen musste. Nach sechs weiteren Stationen (darunter HSG Gütersloh und TuS Spenge in Ostwestfalen) endete die Trainer-Laufbahn schließlich bei der HSG Fuhlen in Hessisch Oldendorf – doch halt: Mit 49 Jahren wurde „Potti“ noch einmal zum Einsatz in der zweiten Mannschaft des MTV Obernkirchen im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen „angerufen“ …

Im niedersächsischen Hessisch Oldendorf an der Weser hat Frank-Michael Wahl längst seine neue (Wahl-) Heimat gefunden. Hier konnte er sich auch beruflich als Angestellter einer Bausparkasse neu orientieren. Von einem gesundheitlichen Rückschlag hat er sich inzwischen dank beharrlicher Reha-Selbstdisziplin nahezu vollständig erholt: Tägliche Ausflüge mit Hündin „Nika“ gehören zu seinen regelmäßigen Bewegungsaktivitäten, mit denen er sich altersangemessen fit hält. Seinen runden Geburtstag feiert „Potti“ mit Lebensgefährtin Simone, Kindern, Enkelkindern und Freunden in gemütlicher Runde: „Frank-Michael Wahl gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten des Handballsports in Deutschland. Mit dem Olympiasieg in Moskau hat er seine großartige Karriere im wahrsten Sinne des Wortes vergoldet. Ich gratuliere ihm sehr herzlich im Namen des Präsidiums und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft“, sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann. Ganz Handball-Deutschland schließt sich den Glückwünschen zum 70. Geburtstag von „Potti“ Wahl an.

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann