Die Handball-Allianz will den nächsten Schritt
So planen DHB, HBL und Dyn das Ganzjahres-Hoch des Handballs
Es gibt verschiedene Begriffe und Metaphern, die die aktuelle Situation des Handballs beschreiben, sie meinen alle dasselbe. Manche sprechen vom Aufschwung, andere vom Hype. Dyn-Gründer Christian Seifert sagt: „Handball ist tatsächlich nicht mehr auf der Abschussrampe, sondern jetzt verlässt die Rakete langsam die Basis.“ Diese Begriffe und Metaphern fallen vor allem dann, wenn sich die Handball-Branche trifft.
Wie bei der SID MixedZone in Köln, wenige Tage vor dem Lidl Final4 um den DHB-Pokal in der Domstadt. Moderatorin Hannah Nitsche begrüßt auf der Bühne Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes (DHB), Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), Dyn-Gründer Christian Seifert und Uwe Schwenker, Präsident der Daikin HBL. Es geht um die Frage: Wie schafft es der Handball nach dem Hype um Männer- und Frauen-Nationalteams im Winter noch größer zu werden? Und zwar ganzjährig.
Denn bei Events wie dem Lidl Final4, das Bohmann als Super Bowl des Handballs und Innovations-Highlight bezeichnet, ist die Aufmerksamkeit groß. Dyn überträgt die Spiele in der LANXESS arena mit 25 Kameras, zehn On-Air-Gesichtern und zahlreichen Formaten vor und während des Turniers. Besonderes Schmankerl wird der Glasboden sein, der ganz andere Darstellungen ermöglicht. Die stärkste Liga der Welt kommt zusammen, neben Dyn überträgt auch die ARD. „Wir wollen als Lokomotive vorangehen“, sagt Bohmann. „Im Jahrzehnt des Handballs funktionieren die Nationalmannschaften und die Vereine.“
Für den Erfolg der Nationalteams liefert Mark Schober beeindruckende Zahlen: Für die Heim-WM der Männer 2027 sind an manchen Standorten am Wochenende fast alle Tickets verkauft, auch da wo Deutschland nicht spielt und erst ein Gruppenteam feststeht. In den Hauptrunden oder unter der Woche gibt es noch Chancen auf Tickets. Die endgültige Auslosung ist erst am 10. Juni im Münchner Hofbräuhaus – doch schon jetzt hat Handball-Deutschland Lust auf die WM. „Aber wir machen keine Pause“, sagt Schober. „Aufgrund der hohen Nachfrage, gehen wir jetzt das Thema Fan-Angebote an, damit auch außerhalb der Hallen Handballfans teilhaben können .“
Lidl Final4, Heim-WM – die großen Events begeistern die Massen. Aber Schober will aus den Wintermärchen ein Ganzjahres-Hoch machen – und beschwört dafür die Allianz aus DHB, HBL und Medienpartnern. Und auch Christian Seifert findet: „Wir haben bei Dyn von Anfang an auf Handball gesetzt und wir glauben, das Potenzial ist längst noch nicht ausgeschöpft.“ Schließlich gebe es wenige Sportarten, die wie Handball beim EM-Finale 13 Millionen Menschen vor den Fernseher bringen. „Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein, wenn man den nächsten Schritt gehen will.“
Diesen nächsten Schritt wollen alle. Für Schober ist klar: Die Vereine müssen aus den vielen Handballfans auch Klubfans machen. „Wir brauchen größere Hallen oder müssen weniger Dauerkarten verkaufen, um mehr und andere Fans ganzjährig zum Handball zu bringen.“ Dafür müssten die Spieler einen Beitrag leisten und selbst Geschichten über eigene Kanäle erzählen können. Dafür braucht es aber auch mehr als nur Diskussionen und Anregungen. „Wir müssen auch Regelungen für Vereine und Spieler schaffen“, erklärt der DHB-Vorstandsvorsitzende.
Alle wollen mehr, alle sind sich bewusst, dass die Chancen zurzeit gutstehen, und alle wissen, dass es eine gemeinsame Kraftanstrengung braucht. Es geht um mediale Sichtbarkeit, um Infrastruktur und innovative Ansätze, um junge Menschen für den Handball zu begeistern. Als aktive Spielerinnen und Spieler und als Zuschauer in den Medien und den Hallen. Die Highlights wie die Nationalmannschaftsturniere oder das Lidl Final4 liefern die großen Bühnen, aber es braucht auch vor und nach den Leuchtturm-Veranstaltungen größere Bühnen als bislang.