Feinsinniges Gespür für taktische Tüfteleien
Olympiasieger und Linkshänder der Magdeburger Achse: Günther Dreibrodt wird 75 Jahre alt
Günther Dreibrodt, Olympiasieger 1980 in Moskau mit der Auswahl des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR, vollendet am Sonntag, 26. Juli 2026, sein 75. Lebensjahr. Der in Roßlau (heute Dessau-Roßlau) in Sachsen-Anhalt geborene Linkshänder gehörte zusammen mit Torhüter Wieland Schmidt (72), Ernst Gerlach (79), Hartmut Krüger (73) und Ingolf Wiegert (68) bei den Olympischen Spielen in Moskau zu der „Magdeburger Achse“, die am 30. Juli 1980 im Finale die hochfavorisierte Sowjetunion mit Stars wie Below, Karschakewitsch und Krawzow sensationell mit 23:22 (20:20, 10:10) nach Verlängerung besiegte.
Der 1,96 Meter große Günther Dreibrodt kam über die leichtathletischen Wurfdisziplinen (Kugel und Speer) zum Handball: BSG Motor Schiffswerft Roßlau und BSG ZAB Dessau waren seine ersten Stationen, anschließend wurde er aufgrund seines großen Talents zum SC Magdeburg „delegiert“, wo er von 1971 bis 1985 spielte und bald den langjährigen Torjäger und Publikumsliebling Heinz Flacke (83) auf der Position „Rückraum rechts“ ablöste. Günther Dreibrodt wurde mit dem SC Magdeburg siebenmal DDR-Meister; in der Saison 1976/77 war er zudem Torschützenkönig der DDR-Oberliga mit 204 Treffern, was rund acht Tore pro Spiel bedeutet.
In den Jahren 1977, 1978 und 1984 wurde Dreibrodt mit dem SCM auch FDGB-Pokalsieger, in den Jahren 1978 und 1981 gewann der Jubilar den Europapokal der Landesmeister. In den insgesamt 45 Europacup-Spielen erzielte er 263 Tore – darunter jene 18 (!) Treffer beim 36:18-Sieg gegen BM Granollers (Spanien), die heute noch Vereinsrekord beim SC Magdeburg sind. Das dürfte auch für die insgesamt 2.097 Tore gelten, die er in seinen 14 Magdeburger Jahren warf.
Die Stadt Magdeburg hat Günther Dreibrodt zusammen mit den anderen vier „Olympia-Gold-Handballern“ seit 2007 beim „Sports Walk of Fame“ in der Altstadt von Magdeburg auf einer Granitplatte mit einer Bronzeplakette ein öffentliches Denkmal gesetzt. „Ich hatte wirklich eine goldene Handballzeit in Magdeburg. Dafür bin ich sehr dankbar, aber ich freue mich auch sehr, dass der SCM derzeit national und international weiter so erfolgreich spielt“, lässt Günther Dreibrodt erkennen, dass er die Geschehnisse seines alten Vereins immer noch verfolgt. Wenn es seine Zeit ermöglicht, ist er sogar bei den Heimspielen des Bundesligisten SCM und beim Zweitligisten DRHV 06 Dessau-Roßlau vor Ort dabei.
Günther Dreibrodt erreichte bei der Weltmeisterschaft 1978 in Dänemark mit der Auswahl des DHV Platz drei. Er bestritt insgesamt 186 Länderspiele für die DDR, dabei warf er 691 Tore. „Günther war ein sehr guter und sehr wissbegieriger Handballer, er hatte ein feinsinniges Gespür für eine taktische Tüftelei, um den Gegner zu überraschen“, erinnert sich Klaus Langhoff (87), damals zusammen mit Paul Tiedemann (1935-2014) DDR-Nationaltrainer und nach der Wende bis 2004 unter anderem als verantwortlicher Nachwuchstrainer im männlichen Bereich bei Deutschen Handballbund (DHB) tätig. Für seine Erfolge im Sport erhielt Günther Dreibrodt zahlreiche staatliche Auszeichnungen: als Meister des Sports, dreimal als verdienter Meister des Sports sowie den Vaterländischen Verdienstorden in Silber und Gold.
Seine aktive Karriere im Handball ließ Günther Dreibrodt bei der BSG Lok Motor Süd-Ost Magdeburg (1985-1987), danach bei der PH Magdeburg (1987-1989) und zuletzt beim TV Jahn Roßlau (1989-1992) ausklingen, wo er im 41. Lebensjahr mit 223 Toren Oberliga-Torschützenkönig und Landesmeister in Sachsen-Anhalt wurde. Bis heute hält er sich weiterhin fit mit regelmäßiger Gymnastik und Aqua-Fitness.
Der gelernte Baufacharbeiter mit Abitur schloss ein Studium als Diplom-Sportlehrer an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig ab. Seine Diplomarbeit schrieb er über die: „Psychische Belastung im Hallenhandballsport – untersucht am Beispiel des Männeroberligakollektivs des Sportclubs Magdeburg“ … und erhielt dafür die damals eher selten vergebene Prädikatsnote „sehr gut“. Günther Dreibrodt arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sportlehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule (PH) Magdeburg. Nach der Wende eröffnete er in seiner Geburtsstadt ein Zaun- und Carportcenter und betrieb eine Gaststätte. Seinen 75. Geburtstag feiert Roßlaus erfolgreichster Sportler aller Zeiten zusammen mit der Familie und seinen alten Handballfreunden.
Kleiner Vornamens-Erklärungs-Nachtrag: Günther Dreibrodt schrieb seinen Vornamen bis 1991 als „Günter“ … bis er per Zufall erfuhr, dass er von Geburt an standesamtlich „Günther“ hieß … und so heißt er mit 75 Jahren immer noch! Die DHB-Handballfamilie schließt sich den zahlreichen Glückwünschen zum 75. Geburtstag von Günther (nicht Günter!) Dreibrodt an!
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann