Vor 50 Jahren: Olympiasilber für DDR-Frauen in Montreal
Historische Handball-Medaille: Großes Wiedersehen bei den Finals 2026 in Hannover
Es war die erste Medaille einer deutschen Mannschaft bei Olympischen Spielen im Hallenhandball: Vor genau 50 Jahren gewannen die Frauen des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR bei den XXI. Olympischen Spielen vom 20. bis zum 28. Juli 1976 in Montreal (Kanada) die Silbermedaille. Kurze Rückblende und historische Einordnung:
Hallenhandball der Männer feierte 1972 in München bei Olympischen Spielen Premiere. Die Frauen gingen vier Jahre später in Montreal erstmals an den Start. Sechs Mannschaften durften teilnehmen. Die ersten vier der vorangegangenen Weltmeisterschaft 1975; das waren die Sowjetunion, Ungarn, Rumänien und das Team aus der DRR als amtierende Weltmeisterinnen. Dazu kam das Gastgeberland Kanada und Japan als Gewinner eines interkontinentalen Ausscheidungsturniers mit drei Mannschaften.
Olympisch gespielt wurde nach dem Modus „jede gegen jede“: Das Team des DHV gewann das erste Spiel gegen Rumänien mit 18:12, danach gab es noch höhere Siege gegen Japan (24:10) und am dritten Spieltag gegen Kanada (29:4). Gegen Ungarn kam es „nur“ zu einem 7:7-Unentschieden, bevor am letzten Spieltag gegen die mitfavorisierte Sowjetunion mit 11:14 das erste und einzige Spiel verloren ging … am Ende reichte es so zu Platz zwei und damit zum Gewinn der Silbermedaille hinter der Sowjetunion (Gold) und vor Ungarn (Bronze).
Die 14 deutschen Silbermedaillen-Gewinnerinnen von 1976 waren: Hannelore Zober (1946-2026, früher SC Leipzig), Eva Paskuy (heute 77 alt, SC Empor Rostock) und Hannelore Burosch (jetzt Kühnert, 78, SC Empor Rostock) im Tor; im Feld mit: Gabriele Badorek (73, SC Empor Rostock), Evelyn Seide (früher Matz bzw. Hübscher, 70, TSC Berlin), Roswitha Krause (76, TSC Berlin), Christina Rost (73, SC Leipzig), Petra Uhlig (72, SC Leipzig), Christina Voß (74, SC Empor Rostock), Liane Michaelis (73, SC Magdeburg), Silvia Siefert (73, SC Magdeburg), Marion Tietz (73, TSC Berlin), Kristina Richter (geb. Hochmuth, 79, TSC Berlin) und Waltraud Kretzschmar (1948-2018, SC Leipzig).
Trainiert wurde das silber-erfolgreiche Team vom Leipziger Peter Kretzschmar, einst selbst mit der DDR Weltmeister im Feldhandball, zusammen mit Harry Becker vom SC Empor Rostock. Die beiden erfolgreichsten deutschen Torschützinnen waren Kristina Richter mit 27 und Roswitha Krause mit 16 Treffern. Erste olympische Torschützinnen-Königin war übrigens die heute 75-jährige Terumi Kurata aus Japan mit 28 Treffern. Kleiner „schmerzlicher“ Nachtrag: Kristina Richter musste ein Spiel verletzungsbedingt pausieren, nachdem ihr in der Partie gegen Kanada eine Spielerin in den Unterarm gebissen hatte …
Auf Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die im Jahre 2006 gegründete Nachfolgeorganisation des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, gab es jetzt 50 Jahre nach den Olympischen Spielen von Montreal 1976 im Rahmen von „Die Finals 2026 Hannover“ am letzten Juli-Wochenende ein Wiedersehenstreffen in der niedersächsischen Landeshauptstadt mit Besuch der Sportwettkämpfe für alle deutschen Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner: „Wir haben diese Einladung des DOSB sehr gern angenommen. Das war schon eine tolle Würdigung für alle. Leider war die Zeit viel zu kurz und die Gruppe zu groß, um mit allen ins Gespräch zu kommen. In Montreal 1976 waren schließlich zwei deutsche Olympia-Teams aus Ost und West am Start“, sagt Roswitha Krause, die bereits bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City eine Silbermedaille mit der 4×100-m-Freistilstaffel der DDR gewonnen hatte. Die frühere Sportdozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin sorgt seit vielen Jahren „federführend“ dafür, dass die Kontakte innerhalb der „alten“ Handballerinnen nicht abreißen. Das nächste Treffen der Weltmeisterinnen und Olympia-Medaillengewinnerinnen ist schon in Planung.
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann