Olympischer Ahornbaum in Brands Garten
Vor 50 Jahren: Platz vier für das DHB-Team bei Olympia in Montreal
„Das war für uns schon eine richtig große Nummer damals, sich mit den besten Mannschaften der Welt bei Olympia zu messen“, erinnert sich Heiner Brand an das Handballturnier bei den XXI. Olympischen Spielen vom 18. bis 28. Juli 1976 in Montreal (Kanada). Kleine Rückblende und handballhistorische Einordnung:
Hallenhandball der Männer feierte 1972 in München bei Olympischen Spielen Premiere mit Gold für Jugoslawien unter dem jetzt 92-jährigen Trainer Vlado Stenzel. Vier Jahre später war Stenzel allerdings schon Trainer der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). In München 1972 kam die DHB-Auswahl nur auf Platz sechs, die des Handballverbandes der DDR belegte Platz fünf. Für Montreal 1976 war die DDR nach den beiden deutsch-deutschen Ausscheidungs-Duellen (17:14 in München und 8:11 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) nicht qualifiziert.
In Montreal wurde in zwei Sechser-Gruppen gespielt. Die DHB-Auswahl siegte gegen Dänemark (18:14), gegen Japan (19:16), Kanada (26:11) und sogar gegen Olympiasieger Jugoslawien (18:17), unterlag nur gegen die späteren Goldmedaillengewinner aus der Sowjetunion mit 16:18 und musste sich am Ende punktgleich aufgrund des schlechteren Torverhältnisses mit Gruppenplatz zwei begnügen, nachdem die favorisierten Sowjets (unter anderem mit Anpilogow, Kuschnirjuk, Maksimow) gegen Jugoslawien (unter anderem mit Arsalanagic, Horvat, Miljak) überraschend mit 18:20 verloren hatten.
Der enge Turniermodus sah anschließend keine Überkreuzrunde mit den beiden besten Teams der Parallelgruppe vor. Als Gruppenerster bezwang die Sowjetunion im Finale Rumänien mit Stars wie Birtalan, Gatu und Voina vor 14.000 Zuschauern mit 19:15. Für den DHB ging es im Spiel gegen den anderen Gruppenzweiten Polen (mit den Haupttorschützen Kaluzinski und Klempel) dagegen „nur“ um Bronze: 18:21 (17:17, 9:11) nach Verlängerung lautete das Ergebnis. Der Traum von einer Medaille war damit endgültig geplatzt: „Vor dem Spiel gegen die Polen hatte uns Vlado einen Tag frei gegeben. Mit dem Großteil der Mannschaft haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, die Weltausstellung in Montreal zu besuchen. Das war im Nachhinein sicher keine optimale Vorbereitung auf das Spiel. Viele von uns hatten in der spielentscheidenden Phase müde Beine“, erklärt Kurt Klühspies die Niederlage 50 Jahre danach mit einem leichten Schmunzeln.
Apropos 50 Jahre danach: Heiner Brand kann sich jeden Morgen beim Blick von der Terrasse an seinem Wohnort in Gummersbach an Montreal 1976 erinnern. Aus dem kleinen Ahornzweig, den alle Olympia-Handballer damals vom Gastgeber als Souvenir erhalten hatten, ist mittlerweile ein knapp sieben Meter großer Ahornbaum im heimischen Garten geworden. Und Platz vier in Montreal war schließlich nur die Zwischenstation für das DHB-Team auf dem Weg zum Weltmeistertitel zwei Jahre später in Kopenhagen … während die DDR-Mannschaft bei den nächsten Olympischen Spielen 1980 in Moskau die erste und bisher einzige deutsche Goldmedaille im Handball gewann.
Das DHB-Team spielte in Montreal 1976 mit: Manfred Hofmann (heute 78 Jahre alt, damals TV Großwallstadt), Peter Jaschke (74, TSV Milbertshofen) und Rudi Rauer (1950-2014, TuS Wellinghofen) im Tor; im Feld mit: Gerd Becker (73), Bernhard Busch (74), Walter von Oepen (72, alle TSV Grün-Weiß Dankersen, heute GWD Minden), Günter Böttcher (1954-2012, TSV Jahn Gensungen), Heiner Brand (73), Joachim Deckarm (72, beide VfL Gummersbach), Arno Ehret (72, TuS Hofweier), Jürgen Hahn (75, SG Leutershausen), Peter Kleibrink (1951-2025, OSC Rheinhausen), Kurt Klühspies (74, TV Großwallstadt) und Kapitän Horst Spengler (76, TV Hüttenberg). Mit 28 Treffern war Joachim Deckarm der erfolgreichste Olympia-Torschütze des deutschen Teams, gefolgt von Arno Ehret (22) und Kurt Klühspies (16).
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann