Trauer um Klaus Zöll
Ehemaliger DHB-Vizepräsident und erfolgreichster Handball-Trainer des TV Großwallstadt gestorben
Der deutsche Handball trauert im Klaus Zöll. Der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und der erfolgreichste Handball-Trainer in der Geschichte des TV Großwallstadt starb am Samstag in seiner Wahlheimat Sardinien im Alter von 81 Jahren. Zöll hinterlässt Ehefrau Kerstin, fünf Töchter und acht Enkel. „Die Nachricht erfüllt uns mit Trauer“, sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann. „Wir sind Klaus Zöll dankbar für all das, was er mit seinem langjährigen und vielfältigen Engagement für den deutschen Handball geleistet hat. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei seiner Familie.“
Klaus Zöll wurde in Gönnern im Kreis Biedenkopf geboren. In seiner Handball-Karriere spielte er zunächst für den SV 1946 Crumstadt und später für den TV Großwallstadt, mit dem er noch auf dem Großfeld die Deutsche Vize-Meisterschaft 1967 errang. 1968 stieg er mit dem TVG in die Hallenhandball-Bundesliga auf.
Mit Klaus Zöll als Trainer wurde der TVG 1978, 1979 und 1981 Deutscher Meister und gewann darüber hinaus 1979 den Europapokal der Landesmeister im deutsch-deutschen Finale gegen SC Empor Rostock. Das Hinspiel hatte Großwallstadt vor 10.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchener Olympiahalle mit 14:10 gewonnen; im Rückspiel gab es (nur) eine 16:18-Niederlage.
Unter Zöll als Trainer reiften Großwallstädter Spieler wie Torhüter Manfred Hofmann, Kreisläufer Claus Hormel, der linke Rückraumspieler Manfred Freisler und Linkshänder Kurt Klühspies im rechten Rückraum zur absoluten Weltklasse und wurden 1978 in Dänemark – für viele überraschend – Weltmeister im DHB-Team mit Bundestrainer Vlado Stenzel im Finale mit 20:19 gegen die als unschlagbar geltenden Sowjetrussen. Bei der WM 1978 gehörte Klaus Zöll zum Betreuerstab des DHB.
Nach einem Lehramtsstudium zog es ihn nicht gleich in den Schuldienst, weil ihm der Deutsche Sportbund (DSB) in Frankfurt eine Anstellung im dortigen BA-L („Bundesausschuss Leistungssport“) als hauptamtlicher Koordinator für die Spielsportarten und den Radsport anbot. Zudem wurde Zöll damals persönlicher Referent des leitenden BA-L-Direktors Helmut Meyer. Mit dem Boykott der bundesdeutschen Olympia-Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau wechselte Klaus Zöll für zehn Jahre zur Firma adidas nach Herzogenaurach und wurde anschließend geschäftsführender Gesellschafter der Handball Marketing Gesellschaft in Dortmund.
Von 1989 bis 1991 war Klaus Zöll ehrenamtlicher Vizepräsident im DHB und begleitete zu dieser Zeit mit seinem Zuständigkeitsbereich für den Leistungssport auch den Vereinigungsprozess mit dem Deutschen Handballverband der DDR, der am 8. Dezember 1990 aufgelöst wurde. Nach dem tragischen Unfall von Joachim Deckarm, der Anfang des Jahres seinen 70. Geburtstag vor großer Kulisse unter anderem bei der EM in Köln feierte, war Zöll Gründer und Mitglied des Deckarm-Ausschusses, der sich auch um die finanzielle Absicherung des früheren Nationalspielers kümmert.
Wer die aufwändig gestaltete Chronik des TV Großwallstadt 1888 e.V. aus dem Jahre 2013 zur Hand nimmt, findet viele Verweise mit Würdigungen der großen Verdienste von Klaus Zöll. An einer Stelle auf Seite 205 heißt es wörtlich über ihn als eine prägende Führungsfigur des Vereins: „In seiner Person verbindet Zöll die beiden Komponenten, die den Dorfverein an die europäische Spitze bringen – Bodenständigkeit und sportliche Fachkompetenz.“
Prof. Dr. Detlef Kuhlmann